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Hinweise auf Ausstellungen; Rezensionen von Büchern; Interviews mit Fotografierenden, Kunstschaffenden und Medienaktiven; Anmerkungen zur Geschichte und Theorie der Fotografie; Kommentare zur Kultur; Berichte zum Zeitgeschehen und von Reisen.

Ulrich Metzmacher Ulrich Metzmacher

Die Wiederkehr des Verständlichen

Mit großem Publikumserfolg präsentiert die Kunsthalle Mannheim derzeit Die Neue Sachlichkeit – Ein Jahrhundertjubiläum. Neben dem Aspekt einer Rückschau auf die 1925 von Gustav Friedrich Hartlaub kuratierte Vorgängerausstellung Die neue Sachlichkeit. Deutsche Malerei seit dem Expressionismus drängen sich weitere Gedanken auf, denn das aktuelle Interesse mag auch mit einem gewissen Ermüdungseffekt hinsichtlich der nicht selten schwer verständlichen Moderne zu tun haben. Dann wäre die heutige Faszination vergleichbar mit der Lage um 1925, als es nach dem Expressionismus einen Drang zu einer neuen Gegenständlichkeit gab, ohne dabei in den beschaulichen Naturalismus früherer Zeiten zurückfallen zu wollen.

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Anschein und Gehalt

Walter Benjamin nimmt in seiner Kleinen Geschichte der Photographie Bezug auf Bert Brecht, der sich mit dem Wahrheitsgehalt des fotografischen Bildes befasst hatte. Die Lage, meinte dieser, wird dadurch so kompliziert, dass weniger denn je eine einfache ´Wiedergabe der Realität` etwas über die Realität aussagt. Eine Photographie der Kruppwerke oder der A.E.G. ergibt beinahe nichts über diese Institute. Die eigentliche Realität ist in die Funktionale gerutscht. Die Verdinglichung der menschlichen Beziehungen, also etwa die Fabrik, gibt die letzteren nicht mehr heraus. Es ist also tatsächlich, etwas ´aufzubauen`, etwas ´Künstliches`, ´Gestelltes`.

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Surreale Wunderwelten

André Breton, theoretisierender Großmeister des Surrealismus, schrieb 1929 im Vorwort zu La femme 100 têtes des Freundes Max Ernst: Alle dinge sind anderen verwendungszwecken zugedacht als denen, die wir ihnen im allgemeinen zubilligen. Gerade von der bewußten preisgabe ihres ursprünglichen zweckes (...) lassen sich gewisse transzendente eigenschaften ableiten, die einer anderen gegebenen oder möglichen welt angehören. Mit anderen Worten, einzelne Objekte werden in der bildlichen Darstellung mit ihren denkbaren Eigenheiten präziser wahrgenommen, wenn sie aus dem üblichen Kontext herausgetrennt und in ungewohnte Zusammenhänge mit anderen Dingen gebracht werden. Vertrautes wird auf diese Weise fremd und will neu erforscht werden.

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Edward Westons expressiver Realismus

Zu den stilprägenden Wegbereitern der Fotografie des Zwanzigsten Jahrhunderts zählt Edward Weston. Seine Arbeiten entspringen, wie Ansel Adams es einmal beschrieb, einer tiefen Intuition, die trotz aller Detailtreue den Kräften des Abgebildeten außerhalb des Faktischen nachspürt und sie in eine bildliche Symbolsprache übersetzt. Viele von Westons Fotografien wirken vielleicht gerade deshalb so zeitlos. Über eine strenge Gestaltung hinaus vermitteln ihre Formen und Flächenproportionen eine unmittelbare Evidenz, der man sich kaum entziehen kann.

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Jahreswechsel. Innehalten.

Die meisten sogenannten Kunstfotografien, ganz zu schweigen von den Aufnahmen der Amateure, unterscheiden sich technisch deutlich von der kommerziellen Produktfotografie, bei der nicht selten Bilder mit 100 MP Auflösung für riesige Werbeformate verlangt werden. Solche Datenmengen mögen zwar auch bei den Fotografien digitaler Großformatmeister wie Andreas Gursky eine Rolle spielen, für die übrige bildmäßige Fotografie, die sich nicht selten an klassischen analogen Vorbildern in kleineren Formaten orientiert, sind sie jedoch als technologischer Overkill häufig vollkommen überflüssig.

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Der Junkers-Windkanal

Im Technikmuseum Hugo Junkers in Dessau ist die legendäre JU 52 ausgestellt, darüber hinaus kann Weiteres aus der Welt der Fliegerei besichtigt werden. Und es gibt Apparate der Klimatechnik und ein Stahlhaus zu sehen. Das weitläufige Areal um das Museum ist im Übrigen eng verbunden mit der Deutschen Geschichte. So wurde im Jahr 1925 eine Start- und Landebahn zur Erprobung von Flugzeugen angelegt. Von hier erfolgten auch die Versuche einer Atlantiküberquerung. Die Lufthansa nutzte den Flughafen in den 1930er Jahren für das reguläres Liniennetz. In der Zeit des Eroberungsimperialismus der Nazis dienten die Junkers-Werke der militärischen Aufrüstung. Nach dem Krieg wurden die Fluganlagen zunächst von sowjetischen Einheiten, später von der Volkspolizei und der NVA genutzt. Heute dienen sie in abgespeckter Form als Regionalflughafen für Kleinflugzeuge.

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Der Schauder beim Anblick des Genialen

Gute Fotografie ist zu 95 Prozent das Ergebnis gelernten Handwerks. Gleichwohl wird den genialen fünf Restprozenten oftmals eine größere Bedeutung beigemessen. Im Übrigen gilt dies für jede Kunst. Aber so sind wir nun einmal konditioniert: Ein Künstler oder eine Künstlerin gilt vor allem dann etwas, wenn er oder sie den Eindruck erweckt, Transzendentes hinter den Erscheinungen erfasst zu haben und dieses im Werk zum Ausdruck bringt. Trotz aller skeptischen Erkenntnistheorien von Platon und Kant bis zur Postmoderne suchen wir nun einmal gerne nach dem Eigentlichen hinter den Dingen, wohl wissend, dass dies im Sinne letzter Wahrheiten nicht zu haben ist.

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Das hätte mein Kind malen können

Die herkömmliche Grenzziehung zwischen ernster Hochkultur und ihrer populären Unterhaltungsschwester ist fragwürdig geworden. Nun ist dies keine neue Erscheinung. Es hat bereits mit der Postmoderne und dem Anything goes begonnen, wenn nicht noch früher mit Dada, dem Surrealismus oder schon dem Impressionismus. Die Etablierten fühlten sich stets von den Regelverletzern bedroht, obwohl viele von diesen anstrebten, nicht nur als Avantgardisten wahrgenommen zu werden, sondern selbst Teil der Hochkultur zu sein. Wie etwa Warhol, der wie kaum jemand zuvor das populäre Pferd ritt, gleichzeitig jedoch zum künstlerischen Establishment gezählt werden wollte, ob nun ironisch gemeint oder nicht.

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Übermütige Architektur

Die Kongresshalle am Rand des Berliner Tiergartens, heute Haus der Kulturen der Welt, zählt zu den spektakulären Bauten der Moderne. Errichtet wurde sie als US-amerikanischer Beitrag zur Interbau 1957, dessen Zentrum im nahegelegenen Hansaviertel lag. Das heutige Erscheinungsbild der Kongresshalle weicht vom ursprünglichen Zustand ab. Das Dach schwang einst noch ausladender, stürzte aber im Jahr 1980 in sich zusammen. Die statischen Berechnungen der gewagten Konstruktion, die Qualität der verwendeten Materialien oder die Wartung des Bauwerks hatten nicht zusammengepasst. Warnende Hinweise gab es bereits bei der Planung. Sie wurden nur teilweise berücksichtigt. Das bis zum Jahr 1987 rekonstruierte Dach ist im Vergleich zum ursprünglichen Zustand verkürzt.

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