14. September 2026

Dionysos, Apollon und die Fotografie

Oskar Schlemmers Anmerkungen zum Dionysischen und Apollinischen haben vordergründig kaum etwas mit der Praxis der Fotografie zu tun, denn es ging ihm zu Bauhaus-Zeiten in Weimar und Dessau in erster Linie um das Bühnenspiel sowie die Malerei. Bei diesen erschien es ihm wichtig, Spontanes, Expressives in eine geregelte Form zu überführen. Dieser Gedanke lässt sich auf die Fotografie übertragen, selbst wenn sich Schlemmer mit ihr nicht explizit befasst hatte. Vielmehr nahm er die von Nietzsche eingeführten Kategorien auf, um in grundsätzlicher Weise die zwei Antriebe jeglichen Kunstschaffens zu beschreiben. Das Dionysische verkörpert Chaotisches und Grenzenloses, den Instinkt und die emotionale Überwältigung, das Apollinische hingegen Ordnung, Maß und Form, somit die Orientierung an Gestaltungsidealen.

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Gedanken zum fotografischen Bild

Trotz der Masse an Fotografien, die uns täglich begegnen, hält ein empathisches Interesse an dem in die Jahre gekommene Medium an. Das statische Bild bedient offenbar neben allen Flimmereien auf den Bildschirmen ein Bedürfnis nach dem Fixierten, in Ruhe Betrachtbaren. Sein Wahrheitsversprechen mag Täuschung sein, und dennoch wollen wir nicht auf den Blick verzichten. Auch die Kunstwelt hat dies längst erkannt.

Die insgesamt möglichen Perspektiven zur Charakterisierung der Fotografie lassen sich kaum aufzählen. Und auch eine theoretische Zusammenbindung ist nicht vorstellbar. Mehr als Plausibilitäten und der Versuch einer Annäherung an ihre Eigenheiten sind nicht zu erwarten. In den Essays wird die Thematik von verschiedenen Ausgangspunkten her umkreist. Mal wirkt die Fotografie wie ein geschwätziges Medium, mal wie elitäre Kunstbemühung. Alle Gedanken hierzu müssen fragmentarisch bleiben. Unter diesen Umständen mag sich jeder und jede selbst ein Bild machen, um im Jargon der Fotografie zu bleiben.

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László Moholy-Nagys Licht-Raum Modulator, Bauhaus Museum Dessau