09. Februar 2026
Fotografieren im Zeitalter der Perfektion
Johann Peter Eckermann notierte aus einem Gespräch mit Goethe am 9. Februar 1831 einige Bemerkungen des Dichters zur Kunst seiner Zeit: Überhaupt geht alles jetzt aufs Technische aus, und die Herren Kritiker fangen an zu quengeln, ob in einem Reim ein s auch wieder auf ein s komme und nicht etwa ein ß auf ein s. – Wäre ich noch jung und verwegen genug, so würde ich absichtlich gegen alle solche technischen Grillen verstoßen, ich würde Alliterationen, Assonanzen und falsche Reime, alles gebrauchen, wie es mir käme und bequem wäre.
Goethes Bemerkungen zur Dichtkunst entfalten bei näherer Betrachtung eine zeitlose Wirkung. Überträgt man die Gedanken auf die Fotografie, ein Medium, das Goethe selbst noch nicht kennen konnte, wirkt seine süffisante Ironie wie eine Diagnose der Gegenwart. Kaum eine künstlerische Praxis ist heute derart von Technik, Normierung und Optimierung durchdrungen wie die Fotografie. Und kaum ein anderes Feld ist zugleich so anfällig dafür, technische Brillanz mit ästhetischer Bedeutung zu verwechseln.
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Gedanken zum fotografischen Bild
Trotz der Masse an Fotografien, die uns täglich begegnen, hält ein empathisches Interesse an dem in die Jahre gekommene Medium an. Das statische Bild bedient offenbar neben allen Flimmereien auf den Bildschirmen ein Bedürfnis nach dem Fixierten, in Ruhe Betrachtbaren. Sein Wahrheitsversprechen mag Täuschung sein, und dennoch wollen wir nicht auf den Blick verzichten. Auch die Kunstwelt hat dies längst erkannt.
Die insgesamt möglichen Perspektiven zur Charakterisierung der Fotografie lassen sich kaum aufzählen. Und auch eine theoretische Zusammenbindung ist nicht vorstellbar. Mehr als Plausibilitäten und der Versuch einer Annäherung an ihre Eigenheiten sind nicht zu erwarten. In den Essays wird die Thematik von verschiedenen Ausgangspunkten her umkreist. Mal wirkt die Fotografie wie ein geschwätziges Medium, mal wie elitäre Kunstbemühung. Alle Gedanken hierzu müssen fragmentarisch bleiben. Unter diesen Umständen mag sich jeder und jede selbst ein Bild machen, um im Jargon der Fotografie zu bleiben.
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