28. September 2026
Dostojewski und die Teufeleien
Ein Bild kann einen Sachverhalt auf glaubhaft erscheinende Weise darstellen. Gleichwohl kann es unwahr sein, wenn es sich etwa um eine Fotomontage, ein verfälschend bearbeitetes oder gar ein fotoähnliches, jedoch KI-generiertes Bild handelt. Nicht selten glauben wir ihm dennoch. Wenn wir ihm denn glauben wollen. Die Erwartungen an die Fotografie haben sich in den vergangenen Jahren verändert. Virtuelle Realitäten können eine höchst suggestive Wirkung entfalten. Bereits Dostojewski wusste das.
Das seit einiger Zeit zu verzeichnende Abnehmen des Marktwertes der Kunst von Andreas Gursky ist ein Symptom für die Verschiebung der Bewertung. Seine aufwändig hergestellten Bilder lebten einstmals davon, dass sie dokumentarisch wirkten, jedoch das Ergebnis digitaler Montagen waren. Noch vor wenigen Jahren zeigte sich das Publikum angetan von dem Spiel mit der Wirklichkeit. Heute kann jeder solche Dinge mit Hilfe von KI in kurzer Zeit und ohne großen Aufwand produzieren. Manche sind deshalb ein wenig ernüchtert, was die einstmals beeindruckende Kunst von Gursky anbelangt, vergnügen sich jedoch gleichzeitig mit den Fakes der heutigen Zeit, insbesondere wenn sie ihnen glauben wollen. Auch ein KI-generiertes Bild kann ja auf den ersten Blick wahrhaftig wirken.
Collage (2026)
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Essays
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Gedanken zum fotografischen Bild
Trotz der Masse an Fotografien, die uns täglich begegnen, hält ein empathisches Interesse an dem in die Jahre gekommene Medium an. Das statische Bild bedient offenbar neben allen Flimmereien auf den Bildschirmen ein Bedürfnis nach dem Fixierten, in Ruhe Betrachtbaren. Sein Wahrheitsversprechen mag Täuschung sein, und dennoch wollen wir nicht auf den Blick verzichten. Auch die Kunstwelt hat dies längst erkannt.
Die insgesamt möglichen Perspektiven zur Charakterisierung der Fotografie lassen sich kaum aufzählen. Und auch eine theoretische Zusammenbindung ist nicht vorstellbar. Mehr als Plausibilitäten und der Versuch einer Annäherung an ihre Eigenheiten sind nicht zu erwarten. In den Essays wird die Thematik von verschiedenen Ausgangspunkten her umkreist. Mal wirkt die Fotografie wie ein geschwätziges Medium, mal wie elitäre Kunstbemühung. Alle Gedanken hierzu müssen fragmentarisch bleiben. Unter diesen Umständen mag sich jeder und jede selbst ein Bild machen, um im Jargon der Fotografie zu bleiben.
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