von Ulrich Metzmacher

Fotografieren, aber nicht ohne gutes Schuhwerk

Im vergangenen Jahr feierte Magnum Photos sein siebzigjähriges Bestehen. Es war im Jahr 1947, als Robert Capa, Henri Cartier-Bresson, George Rodger und David Seymour die Agentur gründeten, die bis heute zu den wichtigsten der Branche zählt. Gegenwärtig gehören etwa fünfzig Fotografinnen und Fotografen zum Team. Das Jubiläum war Anlass für ein breites Programm mit Rückblick auf die eigene Geschichte sowie für eine Reihe von Publikationen.

 

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von Ulrich Metzmacher

"Erst kommt das Foto, dann die Moral"

Dieser Imperativ ist heutzutage wohl nicht mehr so recht „korrekt“. Insbesondere gilt das, wenn Moral nicht nur mit allgemeinen, häufig diffus bleibenden sozialen Werten assoziiert wird, sondern mit den rechtlichen Rahmenbedingungen des Fotografierens im öffentlichen Raum. Die Geschichte der Fotografie wäre eine andere, wenn solche Maßstäbe schon immer Geltung hätten beanspruchen können. Ein Großteil der sozialkritischen und dokumentierenden Reportagen vergangener Jahrzehnte wäre bei Anwendung dieser Messlatte schlichtweg unter den Tisch gefallen.

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von Ulrich Metzmacher

Die Sammlung Wilde

Das Stöbern nach vergriffener fotografischer Literatur und nicht mehr lieferbaren Bildbänden, die man in Antiquariaten, auf Flohmärkten, gelegentlich auch in Museumsbuchhandlungen findet, hat seinen besonderen Reiz. Da gibt es viel Interessantes zu entdecken, oftmals für kleines Geld. Die Umschlagzeit im Buchhandel ist heutzutage so kurz, dass viele Werke schon relativ kurz nach ihrem Erscheinen wieder aus den Verlagsprogrammen genommen werden. Insbesondere gilt dies für Publikationen, die anlässlich von Ausstellungen veröffentlicht worden sind.

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von Ulrich Metzmacher

Das Märchenschloss in Berlins Mitte

Der Nachbau des Berliner Stadtschlosses nimmt langsam seine endgültigen Formen an. Der Kubus ist platziert und die Fassadenimitationen werden nach und nach angeklebt. Die Politik gibt sich, wie kürzlich beim Besuch des französischen Präsidenten, reichlich Mühe, das Ganze hübsch darzustellen und das Volk auf die neue Attraktion vorzubereiten: Das Humboldt Forum in Gestalt des Stadtschlosses. Die Frage bleibt. Was soll das Ganze und welches Konzept verbirgt sich hinter der Idee, statt zeitgenössischer Architektur der Nostalgie Vorrang einzuräumen?

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von Ulrich Metzmacher

Analoge Aura und digitale Simulation

Der lange Atem beim analogen Fotografieren, wie im vorangegangenen Blogbeitrag beschrieben, ist nicht zu verwechseln mit aufwändigen Bildvorbereitungen oder langen Belichtungszeiten. Niemand zwingt dazu, es Ansel Adams gleichzutun und mit Stativ sowie großem Format solange an der Bildkomposition zu werkeln, bis endlich, wenn alles passt, der Auslöser betätigt wird. Nein, entscheidend ist allein die innere Einstellung. Diese bezieht insbesondere die gedankliche Vorbereitung mit ein. Das Fotografieren selbst kann dann ganz schnell geschehen, digital ebenso wie analog.

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von Ulrich Metzmacher

Das schnelle Bild und der lange Atem

In den vergangenen Jahren ist viel über die Bedeutung des Wandels von der analogen zur digitalen Fotografie geschrieben worden. Im Zentrum der Betrachtungen stand meist die Ablösung der traditionellen Technik, die durch die Gravur der von den Objekten abgestrahlten Lichtreize in eine Filmschicht gekennzeichnet war, durch die im Vergleich hierzu flüchtige Speicherung des Bildes auf einem Sensor. Aber es gibt weitere Folgen: Bei der analogen Fotografie benötigt man von der Aufnahme bis zum fertigen Bild einen langen Atem. Dies ist bei der digitalen Technik nicht der Fall. Das Bild kann unmittelbar nach der Aufnahme auf dem Kameramonitor oder dem Smartphone betrachtet werden.

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von Ulrich Metzmacher

Gutes böses Instagram

Die sogenannten Sozialen Medien dienen in der Regel der positiven Selbstdarstellung, ob nun bei der eigenen Performance im öffentlichen Attraktivitätswettbewerb, bei Influencer-Kampagnen im Konsum- und Meinungsbereich oder beim guten alten Produktmarketing. Glaubt da noch jemand, die Internetmedien seien lediglich nette Spielzeuge, deren uneigennütziger Sinn darin besteht, als Surrogat für die im richtigen Leben anstrengend gewordenen sozialen Beziehungen zu dienen?

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von Ulrich Metzmacher

Die Rückkehr des Wirklichen

Die ontologische Frage, verstanden als Erörterung des Realitätscharakters des uns Umgebenden, bildet ein facettenreiches Kapitel im dicken Buch der Fotografietheoretiker. Ist das, was wir sehen und fotografieren, wirklich oder träumen wir es nur? Aber, wer zwingt uns, diese Frage so zu stellen, dass sie unbeantwortet bleiben muss, weil letztgültig nicht zu beantworten? Immerhin, sie bietet den Vorteil, dass man die Beschäftigung mit ihr zu einer längerfristigen Angelegenheit machen kann.

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von Ulrich Metzmacher

Frauen im Handwerk

Die Berliner Fotografin Regine Peter hat eine Serie von Bildern mit handwerklich tätigen Frauen geschaffen. Sie trägt den Titel Weil wir das können! Gezeigt werden keine Portraits klassischer Frauenberufe, etwa der Bekleidungs-, Nahrungsmittel- und Kosmetikbranche, sondern Aufnahmen aus jenen Bereichen, von denen früher viele dachten, es handele sich um exklusive männliche Domänen. Hier wird zum Beispiel auf Dächer gestiegen, geschmiedet und bestattet. In einem Interview beschreibt Regine Peter, wie sie das Projekt entwickelt und umgesetzt hat. Ihre Aufnahmen sind in Berlin gegenwärtig in einer Ausstellung zu sehen.

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von Ulrich Metzmacher

Handelsware Fotografie

Die in vielen Galerien und Museen gezeigte zeitgenössische Fotokunst zeigt sich oftmals beeindruckend großformatig. Allein hierdurch sowie aufgrund des damit verbundenen Herstellungsaufwandes setzt sie sich von der Massenware ab. Da die allgemeine Bilderflut inflationäre Ausmaße angenommen hat, können Fotografien wohl nur noch auffallen, wenn sie in irgendeiner, und sei es formaler Hinsicht außergewöhnliche Merkmale aufweisen. Aber auch der Kunstmarkt benötigt Fotografien mit solchen Eigenschaften.

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