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Die Ausstellungsmacher haben sich da vielleicht ein wenig zu viel vorgenommen. Was gegenwärtig unter dem Titel Ins Offene im Kunstmuseum Moritzburg in Halle an der Saale gezeigt wird, stellt sich trotz einiger herausragender Fotografien am Ende weniger als Kompendium der ostdeutschen Fotokunst der letzten Jahrzehnte dar als vielmehr eine am Ende doch etwas beliebige und lückenhafte Schau. Dabei hätte es eine verdienstvolle Sache werden können, die Entwicklung stilprägender Fotografinnen und Fotografen der früheren DDR nach den Wendejahren zu verfolgen sowie diese mit der Arbeit der nachfolgenden Generation zu vergleichen.

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Die Ausstellung Street. Life. Photographie in den Hamburger Deichtorhallen wirkt wie eine Reminiszenz an die Vergangenheit, als noch relativ unbekümmert im öffentlichen Raum fotografiert werden durfte. Wer diese Bilder aus den letzten siebzig Jahren Revue passieren lässt, wird sich von einem nagenden Verlustgefühl kaum freimachen können. Vieles von dem, was hier gezeigt wird, geht heute schlichtweg nicht mehr. Sowohl das Recht am eigenen Bild wie auch die neue Datenschutzverordnung bürden der klassischen Straßenfotografie Hemmnisse auf, die das Genre zwangsläufig zur Gattung einer aussterbenden Art werden lassen.

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Die Berlinische Galerie zeigt gegenwärtig mit Gier Angst Liebe das Werk der konsequent in Konzeptform denkenden Fotografin Loredana Nemes. Ihre sechs Serien der vergangenen Jahre sind Ergebnis akribischer Arbeit. Der Einsatz der analogen Großbildkamera lässt inszenierte Bilder entstehen, die sich radikal von der schnellen Massenware abheben. Innerhalb der künstlerischen Fotografie zeigt Nemes dabei trotz aller Unterschiedlichkeit der verschiedenen Projekte eine sehr eigene Handschrift.

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Die Mannheimer Kunsthalle kann sich rühmen, einer der symbolträchtigsten Orte der modernen Kunst im Zwanzigsten Jahrhundert zu sein. Im Jahr 1925 fand hier die von Gustav Friedrich Hartlaub kuratierte Ausstellung Neue Sachlichkeit statt, die der teils verwirrten, teils begeisterten Öffentlichkeit programmatisch das Konzept der damaligen Avantgarde vorstellte. Nahezu ein Jahrhundert später ist es die Kunsthalle selbst, genauer, der hinzugefügte Neubau, der viel Begeisterung auslöst. Die Eröffnungsausstellung ist dem Fotografen Jeff Wall gewidmet.

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Wir betrachten das Bildnis einer Frau mit umgebundener Schürze, die mit verhalten skeptischem oder vielleicht auch kokettem Blick an der Kamera vorbei ein für uns nicht sichtbares Ziel fokussiert. Befindet sich dort, außerhalb des durch den Bildrahmen begrenzten Raumes, eine andere Person? Man könnte es vermuten. Erkennbar sind einige Haushaltsgegenstände, die Szene spielt in der Küche. Das Bild ist in Schwarzweiß gehalten und wirkt überlegt komponiert. Auch die Beleuchtung macht einen durchdachten Eindruck. Kaum vorstellbar, dass es sich um einen zufälligen Schnappschuss handelt.

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Im vergangenen Jahr feierte Magnum Photos sein siebzigjähriges Bestehen. Es war im Jahr 1947, als Robert Capa, Henri Cartier-Bresson, George Rodger und David Seymour die Agentur gründeten, die bis heute zu den wichtigsten der Branche zählt. Gegenwärtig gehören etwa fünfzig Fotografinnen und Fotografen zum Team. Das Jubiläum war Anlass für ein breites Programm mit Rückblick auf die eigene Geschichte sowie für eine Reihe von Publikationen.

 

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Das Stöbern nach vergriffener fotografischer Literatur und nicht mehr lieferbaren Bildbänden, die man in Antiquariaten, auf Flohmärkten, gelegentlich auch in Museumsbuchhandlungen findet, hat seinen besonderen Reiz. Da gibt es viel Interessantes zu entdecken, oftmals für kleines Geld. Die Umschlagzeit im Buchhandel ist heutzutage so kurz, dass viele Werke schon relativ kurz nach ihrem Erscheinen wieder aus den Verlagsprogrammen genommen werden. Insbesondere gilt dies für Publikationen, die anlässlich von Ausstellungen veröffentlicht worden sind.

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Der Nachbau des Berliner Stadtschlosses nimmt langsam seine endgültigen Formen an. Der Kubus ist platziert und die Fassadenimitationen werden nach und nach angeklebt. Die Politik gibt sich, wie kürzlich beim Besuch des französischen Präsidenten, reichlich Mühe, das Ganze hübsch darzustellen und das Volk auf die neue Attraktion vorzubereiten: Das Humboldt Forum in Gestalt des Stadtschlosses. Die Frage bleibt. Was soll das Ganze und welches Konzept verbirgt sich hinter der Idee, statt zeitgenössischer Architektur der Nostalgie Vorrang einzuräumen?

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Die Berliner Fotografin Regine Peter hat eine Serie von Bildern mit handwerklich tätigen Frauen geschaffen. Sie trägt den Titel Weil wir das können! Gezeigt werden keine Portraits klassischer Frauenberufe, etwa der Bekleidungs-, Nahrungsmittel- und Kosmetikbranche, sondern Aufnahmen aus jenen Bereichen, von denen früher viele dachten, es handele sich um exklusive männliche Domänen. Hier wird zum Beispiel auf Dächer gestiegen, geschmiedet und bestattet. In einem Interview beschreibt Regine Peter, wie sie das Projekt entwickelt und umgesetzt hat. Ihre Aufnahmen sind in Berlin gegenwärtig in einer Ausstellung zu sehen.

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Es gibt Bücher, die liest man im Laufe der Zeit ein zweites Mal oder nimmt sie sogar mehrfach aus dem Regal, um immer wieder Neues zu entdecken. Zu diesen Büchern gehört Das Wesen der Fotografie von Stephen Shore. Die Anziehungskraft lässt sich nicht, wie bei einem voluminösen Nachschlagewerk, durch den Umfang erklären. Der Text ist eher knapp gehalten. Vielmehr ist es die dichte Klugheit, die fasziniert und sich beim wiederholten Lesen immer mehr erschließt.