von Ulrich Metzmacher

Detailschärfe oder Überkomplexität

Ansel Adams zählt aufgrund der ausgefeilten Aufnahmetechnik und des Detailreichtums seiner Bilder zu den prägenden Fotografen des Zwanzigsten Jahrhunderts. Seine Fotografien müssen präzise analysiert werden, um das entscheidende Detail in der Menge der Einzelheiten zu entdecken. So weisen die Schwarzweißaufnahmen aus dem Yosemite Nationalpark eine so ausgeprägte Feinzeichnung auf, dass der Betrachter eine aktive Strukturierungsleistung vollziehen muss, um alle Informationen zu erfassen. Und dann entdeckt man plötzlich das Pferd, das auf dem großformatigen Bild das entscheidende Detail ausmacht.

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von Ulrich Metzmacher

Reduktion von Komplexität durch Unschärfe

Der eingefrorene Moment der Wirklichkeit, den wir Fotografie nennen, ist im Fließen der Zeit eine so flüchtige Angelegenheit, dass wir ihn in der Regel nicht exakt wahrnehmen können. Dazu geht alles viel zu schnell, jedenfalls dann, wenn es sich um bewegte Objekte handelt. Und selbst bei einer Portraitsitzung ist die Mimik in ständiger Veränderung. Details sind in der Regel erst bei der späteren Monitordarstellung oder der Printvergrößerung erkennbar.

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von Ulrich Metzmacher

Der Schärfetod

Bildschärfe wird meist mit Eigenschaften wie Klarheit, Eindeutigkeit, Prägnanz und oft auch Wertigkeit assoziiert. Ist die gewünschte Knackigkeit nicht erreicht, muss nachgeholfen werden.

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von Ulrich Metzmacher

Das Dogma vom scharfen Bild

Das Streben nach dem scharfen Bild kann Formen annehmen, die nicht frei sind von neurotischen Zügen. So wie der Zwangscharakter ständig sicher sein muss, nicht von Unordnung oder Unreinheit bedroht zu werden, fürchtet der Schärfesüchtige die Welt der Unschärfe.

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von Ulrich Metzmacher

Hallenser Allerlei

Die Ausstellungsmacher haben sich da vielleicht ein wenig zu viel vorgenommen. Was gegenwärtig unter dem Titel Ins Offene im Kunstmuseum Moritzburg in Halle an der Saale gezeigt wird, stellt sich trotz einiger herausragender Fotografien am Ende weniger als Kompendium der ostdeutschen Fotokunst der letzten Jahrzehnte dar als vielmehr eine am Ende doch etwas beliebige und lückenhafte Schau. Dabei hätte es eine verdienstvolle Sache werden können, die Entwicklung stilprägender Fotografinnen und Fotografen der früheren DDR nach den Wendejahren zu verfolgen sowie diese mit der Arbeit der nachfolgenden Generation zu vergleichen.

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von Ulrich Metzmacher

In memoriam Straßenfotografie

Die Ausstellung Street. Life. Photographie in den Hamburger Deichtorhallen wirkt wie eine Reminiszenz an die Vergangenheit, als noch relativ unbekümmert im öffentlichen Raum fotografiert werden durfte. Wer diese Bilder aus den letzten siebzig Jahren Revue passieren lässt, wird sich von einem nagenden Verlustgefühl kaum freimachen können. Vieles von dem, was hier gezeigt wird, geht heute schlichtweg nicht mehr. Sowohl das Recht am eigenen Bild wie auch die neue Datenschutzverordnung bürden der klassischen Straßenfotografie Hemmnisse auf, die das Genre zwangsläufig zur Gattung einer aussterbenden Art werden lassen.

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von Ulrich Metzmacher

Kunst nach dem Internet

Vor wenigen Jahren tauchte in den Feuilletons und Magazinen der Begriff Post Internet Art auf. Offenbar gab es eine gewisse Sättigung, was die bis dahin etablierten Formen internetbasierter Kunst anbelangte. Was nicht im Netz gezeigt wird oder dort schnell wieder untergeht, hat es schließlich schwer, überhaupt wahrgenommen zu werden. Da musste etwas Neues her. Nicht zuletzt ging es dabei auch ums Geldverdienen.

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von Ulrich Metzmacher

Projektionen, Bedrohung und Poesie

Die Berlinische Galerie zeigt gegenwärtig mit Gier Angst Liebe das Werk der konsequent in Konzeptform denkenden Fotografin Loredana Nemes. Ihre sechs Serien der vergangenen Jahre sind Ergebnis akribischer Arbeit. Der Einsatz der analogen Großbildkamera lässt inszenierte Bilder entstehen, die sich radikal von der schnellen Massenware abheben. Innerhalb der künstlerischen Fotografie zeigt Nemes dabei trotz aller Unterschiedlichkeit der verschiedenen Projekte eine sehr eigene Handschrift.

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von Ulrich Metzmacher

Wahrhaftigkeit in der dokumentarischen Fotografie

Als Ergänzung zum letzten Blogbeitrag soll im Folgenden der Frage nachgegangen werden, wie sich unter Zuhilfenahme des Sinnbegriffs die mit dokumentarischem Anspruch antretende Fotografie von anderen, freieren Formen abgrenzen lässt. Hieraus mag sich eine Definition ergeben, die das Spezifische dieses Genres betont. Wahrhaftigkeit wird dabei vom schwierigen Begriff Wahrheit zu unterscheiden sein.

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von Ulrich Metzmacher

Chaos und Sinn im fotografischen Bild

Diffusion von Realitäten, Schaufensterdurchblicke oder Spiegelungen zum Beispiel. Vermischungen von Dingen, die erst einmal nichts miteinander zu tun haben. Aber was heißt das, miteinander zu tun haben? Gemeint sind ja nicht physikalische Wirkungen. Hier eine Ursache, dort eine Reaktion. Nein, im fotografischen Bild sind es vielmehr Berührungen von Flächen, die eine Zusammengehörigkeit von Elementen suggerieren. Es genügen aber auch Bezüge im Denken des Betrachters, und die Dinge stehen plötzlich auf der Erscheinungsebene in Beziehung miteinander.

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