von

Warum geht von manchen Fotografien auch in Zeiten des Internets, raffiniert gemachter Filme und anderer dynamischer Kunstformen eine so starke Wirkung aus? Wie kommt es, dass das statische Bild noch immer eine intensivere Erinnerung auszulösen vermag als andere Medien? Die Fragen lassen vermuten, dass es sich beim Sehen von Bildern um einen Wahrnehmungsprozess mit subjektiven, emotionalen Bestandteilen handelt.

von

Nach coronabedingter Unterbrechung von mehr als zwei Monaten ist im Kunstmuseum Moritzburg die Retrospektive Karl Lagerfeld. Fotografie wieder zu sehen. Rund vierhundert Aufnahmen des im vergangenen Jahr verstorbenen Modeschöpfers, barocken Paradiesvogels und nach Auffassung einiger Kritiker künstlerischen Universalgenies werden in der eigens für Halle konzipierten und produzierten Schau gezeigt. Geplant war das Ganze noch unter Lagerfelds Mitwirkung.

von

In Europa halten die Proteste nach dem gewaltsamen Tod von George Floyd an. Viele Menschen gehen auf die Straße, historische Statuen von Unterstützern des Sklavenhandels werden auch hier in Frage gestellt oder gestürzt, die Feuilletons der Zeitungen befassen sich mit dem offenen und latenten Rassismus. Nur die Vertreter des Humboldt Forums, das sich die Bearbeitung des deutschen Kolonialismus und seiner Folgen auf die Fahnen geschrieben hat, schweigen. Man ist dort offenbar an mentale Grenzen geraten und in erster Linie mit der Schlossbaustelle sowie mit dem goldenen Kreuz auf dem Dach der Attrappe beschäftigt.

von

Die Rollenverteilung und der Dresscode im klassischen Western der 50er Jahre sind schnell verstanden. Der weiße Hut war dem Helden vorbehalten, die übrigen Akteure teilten sich auf in Schwarzhüte, hutlose Indianer und einige Frauen im karierten Outfit. Dunkelhäutige Menschen mit afrikanischen Vorfahren spielten nur selten mit, schon gar nicht in tragenden Rollen. In späteren Westernfilmen änderte sich dies, eine völlige Ablösung von den alten Klischees blieb aber die Ausnahme.

von

Am 21. August 1838 starb in Berlin der Dichter und Gelehrte Adelbert von Chamisso. Er hinterließ ein Werk, das den Bogen spannt von romantischen Naturschilderungen über ethnologische Studien bis hin zu sozialkritischen Beiträgen zu Erscheinungen seiner Zeit. Heute, mitunter ein wenig unterschätzt, darf man ihn zu den Zeugen einer aufklärenden Literatur zählen, dem Kunst und Zeitdiagnose nicht als widerstrebende Diskursformen galten, sondern als geschwisterliche Erscheinungen eines epochalen Emanzipationsprojektes.

von

Beständig sind wir bemüht, uns ein Bild von der Welt zu machen. Dies gilt im übertragenen Sinne, aber auch wörtlich genommen. Die Wahrnehmung sowie die Verarbeitung einströmender Eindrücke fordern nun einmal Strukturierung und die Reduktion auf das Wesentliche. Die Unübersichtlichkeit der nahezu unendlichen Informationsmenge muss eingedampft werden, um einem Kollaps des Kognitionssystems zu begegnen.

von

Das Löschen unerheblich erscheinender Bilddateien ist im Prinzip keine schlechte Entscheidung. Selbst wenn eine Aufnahme einmal zu flink in den Papierkorb gewandert sein sollte, na und? Aus dem Auge, aus dem Sinn. Das ist weniger dramatisch als die Gefahr, langsam, aber unvermeidlich, von abertausenden überflüssigen Bildern zugemüllt zu werden, die unsere Festplatte und die eigene Aufnahmefähigkeit an Kapazitätsgrenzen führen. Soweit das Fazit eines früheren Blogbeitrags. Man kann das aber auch anders sehen.

von

Im vergangenen Jahr ging es bei fotosinn in mehreren Artikeln um die Sieben Todsünden. Es handelte sich um sozialphänomenologisch orientierte, nicht jedoch um theologische Beiträge. Dennoch gab es zahlreiche Anmerkungen von Leserinnen und Lesern, die an genau dieser Unterscheidung ansetzten. Deshalb wird in der neuen fotosinn-Rubrik Projekte eine überarbeitete Version angeboten. Mit der aktuellen Corona-Krise hat das Ganze im Übrigen nichts zu tun, soviel vorweg. Hier geht es zum Beitrag.

von

Wer nicht die Gelegenheit hatte, im Jahr 2014 die große Ausstellung in den Hamburger Deichtorhallen zu sehen, kann dies nun nachholen und die Werkschau Ute Mahler & Werner Mahler in der Kunsthalle Rostock besuchen. Man bekommt eine großartige Sicht auf die Vielfalt einer nur auf den ersten Blick dokumentarisch wirkenden Fotografie geboten, die bei genauerem Hinschauen ein starkes subjektives Moment beinhaltet.

von

Das nennt man fröhlichen Optimismus: Brachland. Zaun. Plattenbau. Und dazu gute Laune. Da der Reißverschluss des Wandbildes einiges offenlässt, wird die Idee der Brustwarzen, egal ob männlich oder weiblich, durch eine Kindersonne und eine Kuh markiert. Oder, wenn der Blick ein wenig tiefer rutscht, durch eine Leitersteigerin sowie einen etwas bemühten Seilartisten. Aber geht der Reißverschluss nun hoch oder runter? Und was bedeutet der Luftballon mit der Aufschrift iNKE? Man darf phantasieren und sich ein großes L am Anfang hinzudenken.