von Ulrich Metzmacher

Fotografie als Poesie

Dem kürzlich in LensCulture veröffentlichten Interview mit Alec Soth wurde ein Zitat des Magnum Fotografen und Fotokünstlers vorangestellt, das mit einigen liebgewonnenen Vorstellungen aufräumt. Es ging dabei um die Frage, wieweit wir beim Fotografieren von Klischees geprägt sind und ob es sich hierbei um eine negative Begleiterscheinung der eigenen kulturellen Gebundenheiten handelt. Müssen wir wirklich immerzu Neues außerhalb der vorhandenen Sehgewohnheiten schaffen wollen?

Weiterlesen …

von Ulrich Metzmacher

Die Frau in der Küche

Wir betrachten das Bildnis einer Frau mit umgebundener Schürze, die mit verhalten skeptischem oder vielleicht auch kokettem Blick an der Kamera vorbei ein für uns nicht sichtbares Ziel fokussiert. Befindet sich dort, außerhalb des durch den Bildrahmen begrenzten Raumes, eine andere Person? Man könnte es vermuten. Erkennbar sind einige Haushaltsgegenstände, die Szene spielt in der Küche. Das Bild ist in Schwarzweiß gehalten und wirkt überlegt komponiert. Auch die Beleuchtung macht einen durchdachten Eindruck. Kaum vorstellbar, dass es sich um einen zufälligen Schnappschuss handelt.

Weiterlesen …

von Ulrich Metzmacher

Fotografieren, aber nicht ohne gutes Schuhwerk

Im vergangenen Jahr feierte Magnum Photos sein siebzigjähriges Bestehen. Es war im Jahr 1947, als Robert Capa, Henri Cartier-Bresson, George Rodger und David Seymour die Agentur gründeten, die bis heute zu den wichtigsten der Branche zählt. Gegenwärtig gehören etwa fünfzig Fotografinnen und Fotografen zum Team. Das Jubiläum war Anlass für ein breites Programm mit Rückblick auf die eigene Geschichte sowie für eine Reihe von Publikationen.

 

Weiterlesen …

von Ulrich Metzmacher

"Erst kommt das Foto, dann die Moral"

Dieser Imperativ ist heutzutage wohl nicht mehr so recht „korrekt“. Insbesondere gilt das, wenn Moral nicht nur mit allgemeinen, häufig diffus bleibenden sozialen Werten assoziiert wird, sondern mit den rechtlichen Rahmenbedingungen des Fotografierens im öffentlichen Raum. Die Geschichte der Fotografie wäre eine andere, wenn solche Maßstäbe schon immer Geltung hätten beanspruchen können. Ein Großteil der sozialkritischen und dokumentierenden Reportagen vergangener Jahrzehnte wäre bei Anwendung dieser Messlatte schlichtweg unter den Tisch gefallen.

Weiterlesen …

von Ulrich Metzmacher

Die Sammlung Wilde

Das Stöbern nach vergriffener fotografischer Literatur und nicht mehr lieferbaren Bildbänden, die man in Antiquariaten, auf Flohmärkten, gelegentlich auch in Museumsbuchhandlungen findet, hat seinen besonderen Reiz. Da gibt es viel Interessantes zu entdecken, oftmals für kleines Geld. Die Umschlagzeit im Buchhandel ist heutzutage so kurz, dass viele Werke schon relativ kurz nach ihrem Erscheinen wieder aus den Verlagsprogrammen genommen werden. Insbesondere gilt dies für Publikationen, die anlässlich von Ausstellungen veröffentlicht worden sind.

Weiterlesen …

von Ulrich Metzmacher

Das Märchenschloss in Berlins Mitte

Der Nachbau des Berliner Stadtschlosses nimmt langsam seine endgültigen Formen an. Der Kubus ist platziert und die Fassadenimitationen werden nach und nach angeklebt. Die Politik gibt sich, wie kürzlich beim Besuch des französischen Präsidenten, reichlich Mühe, das Ganze hübsch darzustellen und das Volk auf die neue Attraktion vorzubereiten: Das Humboldt Forum in Gestalt des Stadtschlosses. Die Frage bleibt. Was soll das Ganze und welches Konzept verbirgt sich hinter der Idee, statt zeitgenössischer Architektur der Nostalgie Vorrang einzuräumen?

Weiterlesen …

von Ulrich Metzmacher

Analoge Aura und digitale Simulation

Der lange Atem beim analogen Fotografieren, wie im vorangegangenen Blogbeitrag beschrieben, ist nicht zu verwechseln mit aufwändigen Bildvorbereitungen oder langen Belichtungszeiten. Niemand zwingt dazu, es Ansel Adams gleichzutun und mit Stativ sowie großem Format solange an der Bildkomposition zu werkeln, bis endlich, wenn alles passt, der Auslöser betätigt wird. Nein, entscheidend ist allein die innere Einstellung. Diese bezieht insbesondere die gedankliche Vorbereitung mit ein. Das Fotografieren selbst kann dann ganz schnell geschehen, digital ebenso wie analog.

Weiterlesen …

von Ulrich Metzmacher

Das schnelle Bild und der lange Atem

In den vergangenen Jahren ist viel über die Bedeutung des Wandels von der analogen zur digitalen Fotografie geschrieben worden. Im Zentrum der Betrachtungen stand meist die Ablösung der traditionellen Technik, die durch die Gravur der von den Objekten abgestrahlten Lichtreize in eine Filmschicht gekennzeichnet war, durch die im Vergleich hierzu flüchtige Speicherung des Bildes auf einem Sensor. Aber es gibt weitere Folgen: Bei der analogen Fotografie benötigt man von der Aufnahme bis zum fertigen Bild einen langen Atem. Dies ist bei der digitalen Technik nicht der Fall. Das Bild kann unmittelbar nach der Aufnahme auf dem Kameramonitor oder dem Smartphone betrachtet werden.

Weiterlesen …

von Ulrich Metzmacher

Gutes böses Instagram

Die sogenannten Sozialen Medien dienen in der Regel der positiven Selbstdarstellung, ob nun bei der eigenen Performance im öffentlichen Attraktivitätswettbewerb, bei Influencer-Kampagnen im Konsum- und Meinungsbereich oder beim guten alten Produktmarketing. Glaubt da noch jemand, die Internetmedien seien lediglich nette Spielzeuge, deren uneigennütziger Sinn darin besteht, als Surrogat für die im richtigen Leben anstrengend gewordenen sozialen Beziehungen zu dienen?

Weiterlesen …

von Ulrich Metzmacher

Die Rückkehr des Wirklichen

Die ontologische Frage, verstanden als Erörterung des Realitätscharakters des uns Umgebenden, bildet ein facettenreiches Kapitel im dicken Buch der Fotografietheoretiker. Ist das, was wir sehen und fotografieren, wirklich oder träumen wir es nur? Aber, wer zwingt uns, diese Frage so zu stellen, dass sie unbeantwortet bleiben muss, weil letztgültig nicht zu beantworten? Immerhin, sie bietet den Vorteil, dass man die Beschäftigung mit ihr zu einer längerfristigen Angelegenheit machen kann.

Weiterlesen …