von Ulrich Metzmacher

Das Dogma vom scharfen Bild

Das Streben nach dem scharfen Bild kann Formen annehmen, die nicht frei sind von neurotischen Zügen. So wie der Zwangscharakter ständig sicher sein muss, nicht von Unordnung oder Unreinheit bedroht zu werden, fürchtet der Schärfesüchtige die Welt der Unschärfe.

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von Ulrich Metzmacher

Hallenser Allerlei

Die Ausstellungsmacher haben sich da vielleicht ein wenig zu viel vorgenommen. Was gegenwärtig unter dem Titel Ins Offene im Kunstmuseum Moritzburg in Halle an der Saale gezeigt wird, stellt sich trotz einiger herausragender Fotografien am Ende weniger als Kompendium der ostdeutschen Fotokunst der letzten Jahrzehnte dar als vielmehr eine am Ende doch etwas beliebige und lückenhafte Schau. Dabei hätte es eine verdienstvolle Sache werden können, die Entwicklung stilprägender Fotografinnen und Fotografen der früheren DDR nach den Wendejahren zu verfolgen sowie diese mit der Arbeit der nachfolgenden Generation zu vergleichen.

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von Ulrich Metzmacher

In memoriam Straßenfotografie

Die Ausstellung Street. Life. Photographie in den Hamburger Deichtorhallen wirkt wie eine Reminiszenz an die Vergangenheit, als noch relativ unbekümmert im öffentlichen Raum fotografiert werden durfte. Wer diese Bilder aus den letzten siebzig Jahren Revue passieren lässt, wird sich von einem nagenden Verlustgefühl kaum freimachen können. Vieles von dem, was hier gezeigt wird, geht heute schlichtweg nicht mehr. Sowohl das Recht am eigenen Bild wie auch die neue Datenschutzverordnung bürden der klassischen Straßenfotografie Hemmnisse auf, die das Genre zwangsläufig zur Gattung einer aussterbenden Art werden lassen.

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von Ulrich Metzmacher

Kunst nach dem Internet

Vor wenigen Jahren tauchte in den Feuilletons und Magazinen der Begriff Post Internet Art auf. Offenbar gab es eine gewisse Sättigung, was die bis dahin etablierten Formen internetbasierter Kunst anbelangte. Was nicht im Netz gezeigt wird oder dort schnell wieder untergeht, hat es schließlich schwer, überhaupt wahrgenommen zu werden. Da musste etwas Neues her. Nicht zuletzt ging es dabei auch ums Geldverdienen.

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von Ulrich Metzmacher

Projektionen, Bedrohung und Poesie

Die Berlinische Galerie zeigt gegenwärtig mit Gier Angst Liebe das Werk der konsequent in Konzeptform denkenden Fotografin Loredana Nemes. Ihre sechs Serien der vergangenen Jahre sind Ergebnis akribischer Arbeit. Der Einsatz der analogen Großbildkamera lässt inszenierte Bilder entstehen, die sich radikal von der schnellen Massenware abheben. Innerhalb der künstlerischen Fotografie zeigt Nemes dabei trotz aller Unterschiedlichkeit der verschiedenen Projekte eine sehr eigene Handschrift.

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von Ulrich Metzmacher

Wahrhaftigkeit in der dokumentarischen Fotografie

Als Ergänzung zum letzten Blogbeitrag soll im Folgenden der Frage nachgegangen werden, wie sich unter Zuhilfenahme des Sinnbegriffs die mit dokumentarischem Anspruch antretende Fotografie von anderen, freieren Formen abgrenzen lässt. Hieraus mag sich eine Definition ergeben, die das Spezifische dieses Genres betont. Wahrhaftigkeit wird dabei vom schwierigen Begriff Wahrheit zu unterscheiden sein.

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von Ulrich Metzmacher

Chaos und Sinn im fotografischen Bild

Diffusion von Realitäten, Schaufensterdurchblicke oder Spiegelungen zum Beispiel. Vermischungen von Dingen, die erst einmal nichts miteinander zu tun haben. Aber was heißt das, miteinander zu tun haben? Gemeint sind ja nicht physikalische Wirkungen. Hier eine Ursache, dort eine Reaktion. Nein, im fotografischen Bild sind es vielmehr Berührungen von Flächen, die eine Zusammengehörigkeit von Elementen suggerieren. Es genügen aber auch Bezüge im Denken des Betrachters, und die Dinge stehen plötzlich auf der Erscheinungsebene in Beziehung miteinander.

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von Ulrich Metzmacher

Jeff Wall in Mannheim

Die Mannheimer Kunsthalle kann sich rühmen, einer der symbolträchtigsten Orte der modernen Kunst im Zwanzigsten Jahrhundert zu sein. Im Jahr 1925 fand hier die von Gustav Friedrich Hartlaub kuratierte Ausstellung Neue Sachlichkeit statt, die der teils verwirrten, teils begeisterten Öffentlichkeit programmatisch das Konzept der damaligen Avantgarde vorstellte. Nahezu ein Jahrhundert später ist es die Kunsthalle selbst, genauer, der hinzugefügte Neubau, der viel Begeisterung auslöst. Die Eröffnungsausstellung ist dem Fotografen Jeff Wall gewidmet.

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von Ulrich Metzmacher

Die Fiktion vom Stillstand der Dinge

Paradoxerweise erinnert die Fotografie durch ihre Statik an die Eigenheit alles Wirklichen, in ständiger Bewegung zu sein. Meistens ist das auch unmittelbar einsichtig. Wir wissen, dass eine Fotografie immer nur eine Momentaufnahme dynamischer Ereignisse ist. Veränderungen können aber ebenso in extremer Langsamkeit stattfinden, so wie das Faulen des Apfels oder das Rosten eines Eisengitters. Stets handelt es sich um Vorgänge mit permanenter Wandlung, so dass letztlich auch die statische Wahrnehmung des Apfels oder des Gitters bei radikaler Betrachtung eine Fiktion ist.

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von Ulrich Metzmacher

Heinrich Heine und das kunstlose Bild

Begriffe wie Fotografie oder auch Photographie tauchen in den Werken des großen Dichters und begnadeten Polemikers Heinrich Heine nicht auf. Es gab sie zu seiner Zeit schlichtweg noch nicht. Heine verwendete, und dies auch nur an ganz wenigen Stellen, lediglich den Ausdruck Daguerreotypie. Die sporadische Erwähnung lässt vermuten, dass er die damals neue Technik zur Herstellung mechanischer Bilder zwar wahrgenommen hat, jedoch nicht ahnte, welche Bedeutung sie im weiteren Verlauf des 19. Jahrhunderts und darüber hinaus bekommen sollte.

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