von Ulrich Metzmacher

Und die Schlossherren schweigen

In Europa halten die Proteste nach dem gewaltsamen Tod von George Floyd an. Viele Menschen gehen auf die Straße, historische Statuen von Unterstützern des Sklavenhandels werden auch hier in Frage gestellt oder gestürzt, die Feuilletons der Zeitungen befassen sich mit dem offenen und latenten Rassismus. Nur die Vertreter des Humboldt Forums, das sich die Bearbeitung des deutschen Kolonialismus und seiner Folgen auf die Fahnen geschrieben hat, schweigen. Man ist dort offenbar an mentale Grenzen geraten und in erster Linie mit der Schlossbaustelle sowie mit dem goldenen Kreuz auf dem Dach der Attrappe beschäftigt.

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von Ulrich Metzmacher

Black and White

Die Rollenverteilung und der Dresscode im klassischen Western der 50er Jahre sind schnell verstanden. Der weiße Hut war dem Helden vorbehalten, die übrigen Akteure teilten sich auf in Schwarzhüte, hutlose Indianer und einige Frauen im karierten Outfit. Dunkelhäutige Menschen mit afrikanischen Vorfahren spielten nur selten mit, schon gar nicht in tragenden Rollen. In späteren Westernfilmen änderte sich dies, eine völlige Ablösung von den alten Klischees blieb aber die Ausnahme.

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von Ulrich Metzmacher

Chamissos Schatten und die Ketten der Sklaverei

Am 21. August 1838 starb in Berlin der Dichter und Gelehrte Adelbert von Chamisso. Er hinterließ ein Werk, das den Bogen spannt von romantischen Naturschilderungen über ethnologische Studien bis hin zu sozialkritischen Beiträgen zu Erscheinungen seiner Zeit. Heute, mitunter ein wenig unterschätzt, darf man ihn zu den Zeugen einer aufklärenden Literatur zählen, dem Kunst und Zeitdiagnose nicht als widerstrebende Diskursformen galten, sondern als geschwisterliche Erscheinungen eines epochalen Emanzipationsprojektes.

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von Ulrich Metzmacher

Fotografieren - warum eigentlich?

Beständig sind wir bemüht, uns ein Bild von der Welt zu machen. Dies gilt im übertragenen Sinne, aber auch wörtlich genommen. Die Wahrnehmung sowie die Verarbeitung einströmender Eindrücke fordern nun einmal Strukturierung und die Reduktion auf das Wesentliche. Die Unübersichtlichkeit der nahezu unendlichen Informationsmenge muss eingedampft werden, um einem Kollaps des Kognitionssystems zu begegnen.

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von Ulrich Metzmacher

Der gereifte Blick

Das Löschen unerheblich erscheinender Bilddateien ist im Prinzip keine schlechte Entscheidung. Selbst wenn eine Aufnahme einmal zu flink in den Papierkorb gewandert sein sollte, na und? Aus dem Auge, aus dem Sinn. Das ist weniger dramatisch als die Gefahr, langsam, aber unvermeidlich, von abertausenden überflüssigen Bildern zugemüllt zu werden, die unsere Festplatte und die eigene Aufnahmefähigkeit an Kapazitätsgrenzen führen. Soweit das Fazit eines früheren Blogbeitrags. Man kann das aber auch anders sehen.

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von Ulrich Metzmacher

Nietzsches Kritik des Geniekults

Gute Fotografie ist zu 95 Prozent das Ergebnis gelernten Handwerks! Ist das schlimm? Wohl nur dann, wenn den restlichen fünf Prozent zu viel Aufmerksamkeit zuteil wird. Im Übrigen gilt dies für jede Kunst, auch wenn wir geneigt sind, dem über das Handwerkliche hinausgehenden Genialen eine besondere Sympathie entgegen zu bringen. Aber so sind wir nun einmal konditioniert: Ein Künstler (m/w/d) gilt vor allem dann als Meister, wenn er den Eindruck vermittelt, die Wahrheit hinter den Erscheinungen erkannt zu haben. Eine etwas pathetische Zuschreibung, wie ich meine, die es zu hinterfragen gilt.

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von Ulrich Metzmacher

Noch einmal: Die Sieben Todsünden

Im vergangenen Jahr ging es bei fotosinn in mehreren Artikeln um die Sieben Todsünden. Es handelte sich um sozialphänomenologisch orientierte, nicht jedoch um theologische Beiträge. Dennoch gab es zahlreiche Anmerkungen von Leserinnen und Lesern, die an genau dieser Unterscheidung ansetzten. Deshalb wird in der neuen fotosinn-Rubrik Projekte eine überarbeitete Version angeboten. Mit der aktuellen Corona-Krise hat das Ganze im Übrigen nichts zu tun, soviel vorweg. Hier geht es zum Beitrag.

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von Ulrich Metzmacher

Ute und Werner Mahler in Rostock

Wer nicht die Gelegenheit hatte, im Jahr 2014 die große Ausstellung in den Hamburger Deichtorhallen zu sehen, kann dies nun nachholen und die Werkschau Ute Mahler & Werner Mahler in der Kunsthalle Rostock besuchen. Man bekommt eine großartige Sicht auf die Vielfalt einer nur auf den ersten Blick dokumentarisch wirkenden Fotografie geboten, die bei genauerem Hinschauen ein starkes subjektives Moment beinhaltet.

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von Ulrich Metzmacher

Der Reißverschluss, eine Kuh und die Sonne

Das nennt man fröhlichen Optimismus: Brachland. Zaun. Plattenbau. Und dazu gute Laune. Da der Reißverschluss des Wandbildes einiges offenlässt, wird die Idee der Brustwarzen, egal ob männlich oder weiblich, durch eine Kindersonne und eine Kuh markiert. Oder, wenn der Blick ein wenig tiefer rutscht, durch eine Leitersteigerin sowie einen etwas bemühten Seilartisten. Aber geht der Reißverschluss nun hoch oder runter? Und was bedeutet der Luftballon mit der Aufschrift iNKE? Man darf phantasieren und sich ein großes L am Anfang hinzudenken.

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von Ulrich Metzmacher

Ein neues Heimatmuseum für Düsseldorf

Nicht allzu häufig geschieht es, dass sich Künstler schon zu Lebzeiten um die eigene Verewigung in Gestalt eines Museumsneubaus bemühen. Man mag das für Eitelkeit halten, es gibt dafür aber auch rationale Gründe. Das Eisen will schließlich geschmiedet werden, solange es noch heiß ist. Oder, mit einer anderen schrägen Metapher: Gerät ein Stern erst einmal in den Sinkflug, ist es vorbei mit dem öffentlichen Wohlwollen und dem der politischen Entscheider und Entscheiderinnen. Da muss vorausschauend gehandelt werden.

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