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Tegel in der Woche vor Einstellung des Betriebs. Westwind. Die Flughafenfeuerwehr ist mit Abschiedsvorbereitungen beschäftigt. Zwei Maschinen der Lufthansa verlassen ihren bisherigen Heimathafen, künftig wird nur noch BER angeflogen. Die letzten Maschinen starten nach Amsterdam, Lissabon, Helsinki oder Paris. An den Countern herrscht Langeweile. Die meisten Geschäfte und Restaurants sind geschlossen. Leere in der Haupthalle.

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Die Frage nach dem Realitätscharakter der Erscheinungen dieser Welt bildet ein facettenreiches Kapitel im dicken Buch der Philosophie und der Fototheorien. Wie wirklich ist das, was wir sehen? Können wir es objektiv beschreiben und fotografieren? Auch wenn es sich alltagspraktisch ohne komplexe Antworten auf solche Fragen durchaus leben lässt, bildet die Unterscheidung von Tatsachen und Fakes einen elementaren Bestandteil vernünftigen Miteinanders.

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Drei mal drei fotografische Lichtkästen mit Bildern von Menschen in archaisch anmutenden Schutzanzügen, verteilt liegend im Kirchenschiff. Und an der Wand hinter dem Altar eine ebenfalls großformatige Farbfotografie mit dem Titel Sarkophag. Es sind dies die Elemente der Installation HAGIOGRAPHIE BIOROBOTICA von Andreas Mühe in der St. Matthäus-Kirche am Berliner Kulturforum. Sie ist Bestandteil einer Reihe von mehr als hundert Ausstellungen im Rahmen des European Month of Photography 2020.

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Bey den Bildern ist die Natur die herrlichste Lehrmeisterin. Sie erzeugt unzählige schöne und wunderliche Figuren, giebt die Farben, das Licht und den Schatten, und so kann eine geübte Hand, ein richtiges Auge, und die Kenntniß von der Bereitung und Vermischung der Farben, die Natur auf das vollkommenste nachahmen. Wie natürlich ist daher auch die Wirkung dieser Künste, das Wohlgefallen an ihren Werken, zu begreifen. Der Gesang der Nachtigall, das Sausen des Windes, und die herrlichen Lichter, Farben und Gestalten gefallen uns, weil sie unsere Sinne angenehm beschäftigen;

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Vor noch nicht langer Zeit war der ambitionierte, überwiegend männliche Fotoamateur voller Stolz mit einer professionell erscheinenden Spiegelreflexkamera unterwegs, bestückt mit einem beeindruckenden Superzoom, das Ganze getragen am Kameragurt Sniper. Und nicht selten posierte er wie ein Scharfschütze beim Shooting. Die Begrifflichkeit ist kein Zufall. Schon immer wurden Kameras wie Waffen eingesetzt, von Paparazzi etwa, die ihr Opfer jagten, bis deren Fahrzeug an der Wand eines Pariser Straßentunnels zerschellte.

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Beim ambitionierten Fotografieren interessiert das Objekt vor der Kamera meist nur indirekt. Im Vordergrund steht das spätere Bild, das bei der Betätigung des Auslösers bereits gedanklich antizipiert wird. Das Objekt ist lediglich Mittel zum Zweck, primäres Ziel hingegen eine Aufnahme, die gefallen will und als Beweis für das Können des Fotografen (m/w/d) gilt. Die Beachtung und der Ruhm richten sich am Ende schließlich auf ihn und sein Bild, nicht jedoch auf das ursprüngliche Objekt.

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Der hochwertige digitale Fotoapparat, ob mit oder ohne Spiegel, wird in wenigen Jahren ein teures Nischenprodukt für Profis und betuchte Amateure sein. Die Branche ist im Niedergang begriffen. Kameras mit APS-C oder MFT Sensoren werden kaum noch eine Rolle spielen. Einige der heute bekannten Produzenten werden sich aus dem Markt für Fotoapparate verabschieden. Schuld an dieser Entwicklung ist nicht nur das Smartphone. Das wäre zu einfach gedacht.

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Kurz vor der Jahrtausendwende erschien Don DeLillos grandioser Roman Unterwelt, ein Kaleidoskop amerikanischer Alltagskulturen der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts. Facettenreich verbinden sich Zeitgeschichtliches aus Politik, Sport und Show mit den Schicksalen der handelnden Personen. Das multiperspektivische Gesellschaftspanorama bildet die Hintergrundkoordinaten eines Romans, der seine Sichtweise permanent ändert. Und auch die lineare Zeitachse wird zugunsten eines Montageprinzips aufgegeben, das durch die Zeiten springt.

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Die oftmals unterstellte Bedächtigkeit beim analogen Fotografieren ist nicht unbedingt gleichzusetzen mit aufwändiger Bildgestaltung oder einer langsamen Kameratechnik. Niemand ist gezwungen, es Ansel Adams gleichzutun und mit schwerem Stativ sowie großem Format solange an der Komposition zu werkeln, bis alles passt und schließlich der Auslöser betätigt wird. Entscheidend bei der Frage nach der Bedächtigkeit ist die innere Haltung.

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Der Fotograf und zeitweilige Präsident der Agentur Magnum, Stuart Franklin, hat in seinem Buch The Documentary Impulse die in vielen Jahren erworbenen Erfahrungen als Bildjournalist zusammengefasst. Es geht um ethische und soziale Aspekte der tageaktuellen Berichterstattung, aber auch um grundsätzliche Fragen des Verhältnisses von Wirklichkeit und fotografischem Abbild.