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Ein verwaister Boulevard. Die meisten Geschäfte geschlossen, keine Bewirtung in den Restaurants und Cafes. Eine Stadt im Lockdown. In einigen Schaufenstern noch Reste der Weihnachtsdekoration. Freie Fahrt auf dem Bürgersteig für radelnde Kinder im Monsterkostüm. An vielen Stellen Botschaften für potentielle Kunden. Abstand halten, Masken tragen. Hinweise zum online Shopping. Einige Geschäfte haben schon aufgegeben, andere stehen offenbar vor der Schließung. Warten auf bessere Zeiten.

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Im 18. Jahrhunderts nutzte man die Entdeckung der Lichtempfindlichkeit von Silbersalzen, um Schattenabdrücke von Pflanzen und anderen Gegenständen anzufertigen, indem man diese auf eine präparierte Trägerfläche legte und eine Zeitlang dem Licht aussetzte. Ergebnis waren Umrissbilder, die zunächst noch flüchtig waren, da sie sich nicht fixieren ließen. Dies sollte den späteren Pionieren der Fotografie vorbehalten bleiben, denen es mit ihren objektivbestückten Kameras gelang, freie Raumaufnahmen anzufertigen.

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Die Retrospektive Joel Meyerowitz. Why Color? hat vor drei Jahren im C/O Berlin die Ausnahmestellung des inzwischen über achtzigjährigen New Yorker Fotografen eindrucksvoll unterstrichen. Entgegen dem Trend der künstlerischen Fotografie in den 60er Jahren arbeitete er damals überwiegend mit dem Farbfilm, um so der schwarzweißgrauen Tonwertreduktion eine leuchtende Welt gegenüberzustellen. Der Alltag der Straße biete, so seine Begründung, jede Menge überraschender Momente, die durch ihre farbliche Wiedergabe eine besondere Lebendigkeit erhalten.

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Die fotografische Sammlung des Museum of Modern Art gilt als einzigartig. Und einige Ausstellungen des MoMA wurden selbst zu Meilensteinen der Fotografiegeschichte. Neben The Family of Man (1955) zählt hierzu nicht zuletzt New Documents aus dem Jahr 1967 mit nicht einmal hundert Schwarzweißfotografien. Einen Katalog gab es damals nicht. Erst fünfzig Jahre später wurde eine Dokumentation zusammengestellt. Im Rückblick wird die paradigmatische Bedeutung der Ausstellung sichtbar.

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Im Jahr 2009 erschien in deutscher Übersetzung das Buch Unrast der späteren Nobelpreisträgerin für Literatur, Olga Tokarczuk. Als bequemen Roman mit eingängigem Handlungsstrang lässt es sich nicht lesen, eher als eine Montage verschiedener Genres. Mal sind es Reiseberichte der polnischen Autorin, mal Kurzgeschichten und Tagebuchnotizen. Oder Reflexionen zur Zeitgeschichte beziehungsweise Themen der Philosophie. Und immer wieder Überlegungen zur Reisepsychologie. Alles ist in Bewegung.

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Die Fotografie als Kunstform boomt. Das Interesse am Medium scheint größer als jemals zuvor. Dies schließt die kritische Reflexion ihrer Voraussetzungen, Möglichkeiten und Grenzen mit ein. Der Podcast Fotografie Neu Denken nimmt verschiedene Aspekte dieses Diskurses auf. In einem Gespräch mit fotosinn beschreibt der Fotograf und Herausgeber des Podcasts, Andy Scholz, seine Intentionen.

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Kürzlich wurde in einigen Medien vermeldet, dass die Preise für großformatige, insbesondere digital erzeugte Fotografien im Sinken begriffen seien. Die Entwicklung war absehbar. Wie jede Kunst sind auch Fotos auf dem Galeriemarkt und bei Auktionen neben bestimmten Modetrends den Gesetzen von Angebot und Nachfrage unterworfen. Zusätzlich tragen konservatorische Unsicherheiten dazu bei, dass Käufer vorsichtig sind.

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Da mit dem Flughafen Tegel nun auch der letzte innerstädtische Airport Berlins geschlossen ist, bietet sich ein Blick auf den neuen BER an. Zu berichten ist im Ergebnis jedoch von einem fotografischen Scheitern. Einige Aufnahmen machen deutlich, dass es nicht zu einer wirklichen Empathie reichte. Der Bericht über die Erkundung an einem trüben Novembertag will keine fundierte Architekturkritik sein und muss subjektiv bleiben. Begeisterung will sich aber nun einmal nicht spontan einstellen.

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Viele der alten Markierungen des Flughafens Tempelhof sind auch Jahre nach seiner Schließung noch immer gut erkennbar. Das Rollfeld sowie die Start- und Landebahnen sind voller Zeichen, die von den Piloten beim Anflug und auf der Rollbahn wegweisend gesehen werden konnten. Inzwischen reißt an vielen Stellen der Asphalt auf und die Natur kehrt zurück. Vergangenheit und Zukunft treffen aufeinander. Die Erinnerung an frühere Zeiten ist Bestandteil der Gegenwart. Die alten Zeichen werden jedoch mehr und mehr verschwinden.

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Das mehr als einen Kilometer lange, bogenförmige Hauptgebäude des ehemaligen Flughafens Tempelhof strahlt beim Blick vom südöstlich gelegenen Rollfeld auf die offenen Hangars pure Funktionalität aus und darüber hinaus trotz seines gewaltigen Ausmaßes eine nahezu elegante, zivile Harmlosigkeit. Aus der Entfernung wirkt das Ganze kraftvoll, aber keineswegs aggressiv. Machtarchitektur? Nicht einmal ein Gefühl von Gigantomanie will sich da einstellen. Dies ändert sich grundlegend beim Ortswechsel.