von Ulrich Metzmacher

Fotografieren - warum eigentlich?

Beständig sind wir bemüht, uns ein Bild von der Welt zu machen. Dies gilt im übertragenen Sinne, aber auch wörtlich genommen. Die Wahrnehmung sowie die Verarbeitung einströmender Eindrücke fordern nun einmal Strukturierung und die Reduktion auf das Wesentliche. Die Unübersichtlichkeit der nahezu unendlichen Informationsmenge muss eingedampft werden, um einem Kollaps des Kognitionssystems zu begegnen.

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von Ulrich Metzmacher

Fotografie und Poesie

Fotografien und Gedichte scheinen sich auf den ersten Blick grundlegend zu unterscheiden. Hier die wirklichkeitsbeanspruchende Fotografie, dort die Innerlichkeit des Dichters, dessen Zeilen keiner Begründung bedürfen. Sprachliche Botschaften und visuelle Angebote sind zwei verschiedene Dinge. Und dennoch, beide gehen durch den Filter der individuellen Wahrnehmung. Aus den eingehenden Informationen wird ein Sinn konstruiert, dem wir einen Kontext geben und dann meist auch bewerten.

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von Ulrich Metzmacher

Der gereifte Blick

Das Löschen unerheblich erscheinender Bilddateien ist im Prinzip keine schlechte Entscheidung. Selbst wenn eine Aufnahme einmal zu flink in den Papierkorb gewandert sein sollte, na und? Aus dem Auge, aus dem Sinn. Das ist weniger dramatisch als die Gefahr, langsam, aber unvermeidlich, von abertausenden überflüssigen Bildern zugemüllt zu werden, die unsere Festplatte und die eigene Aufnahmefähigkeit an Kapazitätsgrenzen führen. Soweit das Fazit eines früheren Blogbeitrags. Man kann das aber auch anders sehen.

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von Ulrich Metzmacher

Genie und Gesellschaftskritik im Zeitalter des Virus

Nicht selten wird dem Künstler (m/w/d) die Rolle eines Kritikers gesellschaftlicher Zustände angedichtet. Sein schonungsloser Blick hinter die Erscheinungen des Ungerechten, Hässlichen und Zerstörerischen ermögliche Erkenntnisse, so eine verbreitete Erwartung, die von der vernunftgesteuerten Gesellschaftsanalyse allein nicht zu erwarten sind. Erst im dionysischen Kunstschaffen eröffne sich der Zugang zur Wahrheit der Dinge.

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von Ulrich Metzmacher

Nietzsches Kritik des Geniekults

Gute Fotografie ist zu 95 Prozent das Ergebnis gelernten Handwerks! Ist das schlimm? Wohl nur dann, wenn den restlichen fünf Prozent zu viel Aufmerksamkeit zuteil wird. Im Übrigen gilt dies für jede Kunst, auch wenn wir geneigt sind, dem über das Handwerkliche hinausgehenden Genialen eine besondere Sympathie entgegen zu bringen. Aber so sind wir nun einmal konditioniert: Ein Künstler (m/w/d) gilt vor allem dann als Meister, wenn er den Eindruck vermittelt, die Wahrheit hinter den Erscheinungen erkannt zu haben. Eine etwas pathetische Zuschreibung, wie ich meine, die es zu hinterfragen gilt.

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von Ulrich Metzmacher

Noch einmal: Die Sieben Todsünden

Im vergangenen Jahr ging es bei fotosinn in mehreren Artikeln um die Sieben Todsünden. Es handelte sich um sozialphänomenologisch orientierte, nicht jedoch um theologische Beiträge. Dennoch gab es zahlreiche Anmerkungen von Leserinnen und Lesern, die an genau dieser Unterscheidung ansetzten. Deshalb wird in der neuen fotosinn-Rubrik Projekte eine überarbeitete Version angeboten. Mit der aktuellen Corona-Krise hat das Ganze im Übrigen nichts zu tun, soviel vorweg. Hier geht es zum Beitrag.

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von Ulrich Metzmacher

Gedanken zur Fotografie im digitalen Zeitalter (3)

Die analoge Fotografie scheint auf den ersten Blick einen Gegenentwurf zur digitalen Welt anzubieten, ähnlich wie der Plattenspieler oder die mechanische Schreibmaschine. Alle drei sind Ausdruck einer gewissen Nostalgie, vielleicht auch Ergebnis eines Widerstandsgeistes, der sich dem Digitaleinerlei bewusst entzieht. Eine solche Strategie ist jedoch gar nicht einfach durchzuhalten. Das Digitale ist so allgegenwärtig, dass sich Nischen nur mit Mühe und unter Verzichtsleistungen bewahren lassen.

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von Ulrich Metzmacher

Gedanken zur Fotografie im digitalen Zeitalter (2)

Ob es das zentralperspektivische Paradigma ist, das durch die monokulare Sicht des Fotoapparates begründet wird, ein mit überzogenen Wahrheitsversprechen verknüpftes Verständnis der Fotografie, oder ob es die Produkthersteller sind, die das jeweils Machbare vorgeben, stets wird deutlich, dass Fotografieren als Kulturtechnik alles andere als eine neutrale Angelegenheit ist.

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von Ulrich Metzmacher

Gedanken zur Fotografie im digitalen Zeitalter (1)

Das uns heute vertraute Bild der Welt in Form digitaler Daten hat eine lange Vorgeschichte. Damit ist nicht nur diejenige der analogen Fotografie gemeint, sondern es sind auch Schriftcodes oder Statistiken, mit denen schon im 18. Jahrhundert Regelmäßigkeiten des Sozialen aufgedeckt werden sollten. In der Gegenwart vollzieht sich die Darstellung und Interpretation von dem, was wir Wirklichkeit nennen, jedoch nahezu ausschließlich unter Nutzung digital aufbereiteter Informationen.

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von Ulrich Metzmacher

Ute und Werner Mahler in Rostock

Wer nicht die Gelegenheit hatte, im Jahr 2014 die große Ausstellung in den Hamburger Deichtorhallen zu sehen, kann dies nun nachholen und die Werkschau Ute Mahler & Werner Mahler in der Kunsthalle Rostock besuchen. Man bekommt eine großartige Sicht auf die Vielfalt einer nur auf den ersten Blick dokumentarisch wirkenden Fotografie geboten, die bei genauerem Hinschauen ein starkes subjektives Moment beinhaltet.

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