von Ulrich Metzmacher

Projektionen, Bedrohung und Poesie

Die Berlinische Galerie zeigt gegenwärtig mit Gier Angst Liebe das Werk der konsequent in Konzeptform denkenden Fotografin Loredana Nemes. Ihre sechs Serien der vergangenen Jahre sind Ergebnis akribischer Arbeit. Der Einsatz der analogen Großbildkamera lässt inszenierte Bilder entstehen, die sich radikal von der schnellen Massenware abheben. Innerhalb der künstlerischen Fotografie zeigt Nemes dabei trotz aller Unterschiedlichkeit der verschiedenen Projekte eine sehr eigene Handschrift.

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von Ulrich Metzmacher

Wahrhaftigkeit in der dokumentarischen Fotografie

Als Ergänzung zum letzten Blogbeitrag soll im Folgenden der Frage nachgegangen werden, wie sich unter Zuhilfenahme des Sinnbegriffs die mit dokumentarischem Anspruch antretende Fotografie von anderen, freieren Formen abgrenzen lässt. Hieraus mag sich eine Definition ergeben, die das Spezifische dieses Genres betont. Wahrhaftigkeit wird dabei vom schwierigen Begriff Wahrheit zu unterscheiden sein.

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von Ulrich Metzmacher

Chaos und Sinn im fotografischen Bild

Diffusion von Realitäten, Schaufensterdurchblicke oder Spiegelungen zum Beispiel. Vermischungen von Dingen, die erst einmal nichts miteinander zu tun haben. Aber was heißt das, miteinander zu tun haben? Gemeint sind ja nicht physikalische Wirkungen. Hier eine Ursache, dort eine Reaktion. Nein, im fotografischen Bild sind es vielmehr Berührungen von Flächen, die eine Zusammengehörigkeit von Elementen suggerieren. Es genügen aber auch Bezüge im Denken des Betrachters, und die Dinge stehen plötzlich auf der Erscheinungsebene in Beziehung miteinander.

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von Ulrich Metzmacher

Jeff Wall in Mannheim

Die Mannheimer Kunsthalle kann sich rühmen, einer der symbolträchtigsten Orte der modernen Kunst im Zwanzigsten Jahrhundert zu sein. Im Jahr 1925 fand hier die von Gustav Friedrich Hartlaub kuratierte Ausstellung Neue Sachlichkeit statt, die der teils verwirrten, teils begeisterten Öffentlichkeit programmatisch das Konzept der damaligen Avantgarde vorstellte. Nahezu ein Jahrhundert später ist es die Kunsthalle selbst, genauer, der hinzugefügte Neubau, der viel Begeisterung auslöst. Die Eröffnungsausstellung ist dem Fotografen Jeff Wall gewidmet.

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von Ulrich Metzmacher

Die Fiktion vom Stillstand der Dinge

Paradoxerweise erinnert die Fotografie durch ihre Statik an die Eigenheit alles Wirklichen, in ständiger Bewegung zu sein. Meistens ist das auch unmittelbar einsichtig. Wir wissen, dass eine Fotografie immer nur eine Momentaufnahme dynamischer Ereignisse ist. Veränderungen können aber ebenso in extremer Langsamkeit stattfinden, so wie das Faulen des Apfels oder das Rosten eines Eisengitters. Stets handelt es sich um Vorgänge mit permanenter Wandlung, so dass letztlich auch die statische Wahrnehmung des Apfels oder des Gitters bei radikaler Betrachtung eine Fiktion ist.

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von Ulrich Metzmacher

Heinrich Heine und das kunstlose Bild

Begriffe wie Fotografie oder auch Photographie tauchen in den Werken des großen Dichters und begnadeten Polemikers Heinrich Heine nicht auf. Es gab sie zu seiner Zeit schlichtweg noch nicht. Heine verwendete, und dies auch nur an ganz wenigen Stellen, lediglich den Ausdruck Daguerreotypie. Die sporadische Erwähnung lässt vermuten, dass er die damals neue Technik zur Herstellung mechanischer Bilder zwar wahrgenommen hat, jedoch nicht ahnte, welche Bedeutung sie im weiteren Verlauf des 19. Jahrhunderts und darüber hinaus bekommen sollte.

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von Ulrich Metzmacher

Fotografie als Poesie

Dem kürzlich in LensCulture veröffentlichten Interview mit Alec Soth wurde ein Zitat des Magnum Fotografen und Fotokünstlers vorangestellt, das mit einigen liebgewonnenen Vorstellungen aufräumt. Es ging dabei um die Frage, wieweit wir beim Fotografieren von Klischees geprägt sind und ob es sich hierbei um eine negative Begleiterscheinung der eigenen kulturellen Gebundenheiten handelt. Müssen wir wirklich immerzu Neues außerhalb der vorhandenen Sehgewohnheiten schaffen wollen?

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von Ulrich Metzmacher

Die Frau in der Küche

Wir betrachten das Bildnis einer Frau mit umgebundener Schürze, die mit verhalten skeptischem oder vielleicht auch kokettem Blick an der Kamera vorbei ein für uns nicht sichtbares Ziel fokussiert. Befindet sich dort, außerhalb des durch den Bildrahmen begrenzten Raumes, eine andere Person? Man könnte es vermuten. Erkennbar sind einige Haushaltsgegenstände, die Szene spielt in der Küche. Das Bild ist in Schwarzweiß gehalten und wirkt überlegt komponiert. Auch die Beleuchtung macht einen durchdachten Eindruck. Kaum vorstellbar, dass es sich um einen zufälligen Schnappschuss handelt.

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von Ulrich Metzmacher

Fotografieren, aber nicht ohne gutes Schuhwerk

Im vergangenen Jahr feierte Magnum Photos sein siebzigjähriges Bestehen. Es war im Jahr 1947, als Robert Capa, Henri Cartier-Bresson, George Rodger und David Seymour die Agentur gründeten, die bis heute zu den wichtigsten der Branche zählt. Gegenwärtig gehören etwa fünfzig Fotografinnen und Fotografen zum Team. Das Jubiläum war Anlass für ein breites Programm mit Rückblick auf die eigene Geschichte sowie für eine Reihe von Publikationen.

 

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von Ulrich Metzmacher

"Erst kommt das Foto, dann die Moral"

Dieser Imperativ ist heutzutage wohl nicht mehr so recht „korrekt“. Insbesondere gilt das, wenn Moral nicht nur mit allgemeinen, häufig diffus bleibenden sozialen Werten assoziiert wird, sondern mit den rechtlichen Rahmenbedingungen des Fotografierens im öffentlichen Raum. Die Geschichte der Fotografie wäre eine andere, wenn solche Maßstäbe schon immer Geltung hätten beanspruchen können. Ein Großteil der sozialkritischen und dokumentierenden Reportagen vergangener Jahrzehnte wäre bei Anwendung dieser Messlatte schlichtweg unter den Tisch gefallen.

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