von Ulrich Metzmacher

Die Kamera als Waffe

Vor noch nicht langer Zeit war der ambitionierte, überwiegend männliche Fotoamateur voller Stolz mit einer professionell erscheinenden Spiegelreflexkamera unterwegs, bestückt mit einem beeindruckenden Superzoom, das Ganze getragen am Kameragurt Sniper. Und nicht selten posierte er wie ein Scharfschütze beim Shooting. Die Begrifflichkeit ist kein Zufall. Schon immer wurden Kameras wie Waffen eingesetzt, von Paparazzi etwa, die ihr Opfer jagten, bis deren Fahrzeug an der Wand eines Pariser Straßentunnels zerschellte.

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von Ulrich Metzmacher

Fotografieren als Beutezug

Beim ambitionierten Fotografieren interessiert das Objekt vor der Kamera meist nur indirekt. Im Vordergrund steht das spätere Bild, das bei der Betätigung des Auslösers bereits gedanklich antizipiert wird. Das Objekt ist lediglich Mittel zum Zweck, primäres Ziel hingegen eine Aufnahme, die gefallen will und als Beweis für das Können des Fotografen (m/w/d) gilt. Die Beachtung und der Ruhm richten sich am Ende schließlich auf ihn und sein Bild, nicht jedoch auf das ursprüngliche Objekt.

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von Ulrich Metzmacher

Artensterben in der Fotowirtschaft

Der hochwertige digitale Fotoapparat, ob mit oder ohne Spiegel, wird in wenigen Jahren ein teures Nischenprodukt für Profis und betuchte Amateure sein. Die Branche ist im Niedergang begriffen. Kameras mit APS-C oder MFT Sensoren werden kaum noch eine Rolle spielen. Einige der heute bekannten Produzenten werden sich aus dem Markt für Fotoapparate verabschieden. Schuld an dieser Entwicklung ist nicht nur das Smartphone. Das wäre zu einfach gedacht.

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von Ulrich Metzmacher

Zum Wandel fotografischer Paradigmen

Die ersten motorgetriebenen Automobile sahen noch aus wie Kutschen ohne Pferde. Dies war kein Zufall, orientieren sich neue Produkte doch zunächst meist an den Vorgängertechnologien. Anders ausgedrückt, alte Paradigmen behalten solange ihre Gültigkeit, bis sich ein neues Selbstverständnis herausgebildet hat. Technische Verfeinerungen fördern diesen Prozess, bis schließlich zusätzliche Optionen in das Blickfeld geraten.

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von Ulrich Metzmacher

Die Welten hinter der Fassade

Kurz vor der Jahrtausendwende erschien Don DeLillos grandioser Roman Unterwelt, ein Kaleidoskop amerikanischer Alltagskulturen der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts. Facettenreich verbinden sich Zeitgeschichtliches aus Politik, Sport und Show mit den Schicksalen der handelnden Personen. Das multiperspektivische Gesellschaftspanorama bildet die Hintergrundkoordinaten eines Romans, der seine Sichtweise permanent ändert. Und auch die lineare Zeitachse wird zugunsten eines Montageprinzips aufgegeben, das durch die Zeiten springt.

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von Ulrich Metzmacher

Fotografieren ohne Dogma

Die oftmals unterstellte Bedächtigkeit beim analogen Fotografieren ist nicht unbedingt gleichzusetzen mit aufwändiger Bildgestaltung oder einer langsamen Kameratechnik. Niemand ist gezwungen, es Ansel Adams gleichzutun und mit schwerem Stativ sowie großem Format solange an der Komposition zu werkeln, bis alles passt und schließlich der Auslöser betätigt wird. Entscheidend bei der Frage nach der Bedächtigkeit ist die innere Haltung.

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von Ulrich Metzmacher

Faktenwahrheit und moralische Wahrheit

Der Fotograf und zeitweilige Präsident der Agentur Magnum, Stuart Franklin, hat in seinem Buch The Documentary Impulse die in vielen Jahren erworbenen Erfahrungen als Bildjournalist zusammengefasst. Es geht um ethische und soziale Aspekte der tageaktuellen Berichterstattung, aber auch um grundsätzliche Fragen des Verhältnisses von Wirklichkeit und fotografischem Abbild.

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von Ulrich Metzmacher

Eine neue "Straight Photography"?

Fragt man nach der künftigen Entwicklung der Fotografie, gibt es keine einfache Prognose. Über Jahrzehnte hat sie sich ausdifferenziert in unterschiedliche Formen. Diese Pluralität ist in jeglicher Hinsicht eine Bereicherung. Um gleichwohl einem Verrauschen im indifferenten Einerlei zu begegnen, rückt die Reflexion ihres spezifischen Charakters noch einmal neu in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Traditionelle analoge Techniken könnten da hilfreich sein.

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von Ulrich Metzmacher

Fotografien dürfen anstrengen

Warum geht von manchen Fotografien auch in Zeiten des Internets, raffiniert gemachter Filme und anderer dynamischer Kunstformen eine so starke Wirkung aus? Wie kommt es, dass das statische Bild noch immer eine intensivere Erinnerung auszulösen vermag als andere Medien? Die Fragen lassen vermuten, dass es sich beim Sehen von Bildern um einen Wahrnehmungsprozess mit subjektiven, emotionalen Bestandteilen handelt.

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von Ulrich Metzmacher

Karl Lagerfeld in Halle

Nach coronabedingter Unterbrechung von mehr als zwei Monaten ist im Kunstmuseum Moritzburg die Retrospektive Karl Lagerfeld. Fotografie wieder zu sehen. Rund vierhundert Aufnahmen des im vergangenen Jahr verstorbenen Modeschöpfers, barocken Paradiesvogels und nach Auffassung einiger Kritiker künstlerischen Universalgenies werden in der eigens für Halle konzipierten und produzierten Schau gezeigt. Geplant war das Ganze noch unter Lagerfelds Mitwirkung.

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