Inszenierte Fotografie als Sozialkritik

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Einen Gegenpol zur dokumentarischen Fotografie bildet, zumindest auf den ersten Blick, die inszenierte oder auch szenische Fotografie. Wie beim Storytelling kann sich diese als frei Phantastisches und nicht selten Surreales darstellen, sie ermöglicht jedoch in einer anderen Form auch Rückschlüsse aus geschaffenen Wirklichkeiten auf wirkliche Wirklichkeiten. Bei inszenierten Fotografien handelt es sich deshalb nicht von vorneherein um gestellte Kunstprodukte mit bestenfalls ästhetischem Wert, sondern gegebenenfalls um Instrumente einer analytischen Hinterfragung sozialer Realitäten.

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Fotografische Individualsicht und universelle Erkenntnis

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Die Kamera kann nicht nur durch die beiläufige Fixierung alltäglicher Situationen zum Ausgangspunkt einer Visual Sociology werden, die aus der auffälligen Wiederholung bestimmter Szenen und Gesten auf sozial normierte Verhaltensmuster schließt, sondern natürlich auch durch die sich explizit dokumentarisch verstehende Fotografie. Diese beansprucht im Übrigen nicht zwangsläufig eine, sowieso problematische, Objektivität, sondern kann bewusst subjektive Formen einschließen. Insbesondere durch das fotografische Storytelling lassen sich Dinge vermitteln, die aus einer individuellen Wahrnehmung Ableitungen auf verallgemeinerungsfähige Aussagen zulassen.

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Fotografie als Beitrag zur Soziologie des Alltags

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Gesellschaft kann man nicht anfassen. Und obwohl sie mit ihren Normen und Sanktionen, ja ihrer ganzen Kultur, von Menschen erfunden wurde, bildet sie, wie schon Émile Durkheim vor mehr als hundert Jahren festhielt, eine eigenständige Tatsache. Nachfolgende Generationen werden in das von den Vorfahren geschaffene Regelwerk hineingeboren, erlernen dann, sich in ihm zu verhalten, und entwickeln es weiter. Individuum und Gesellschaft bedingen sich dabei wechselseitig. Ohne soziale Gemeinschaft kein sprach- und denkfähiges Individuum, ohne eine Gruppe Einzelner keine Gesellschaft. Konflikte sind dabei an der Tagesordnung.

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Detailschärfe oder Überkomplexität

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Ansel Adams zählt aufgrund der ausgefeilten Aufnahmetechnik und des Detailreichtums seiner Bilder zu den prägenden Fotografen des Zwanzigsten Jahrhunderts. Seine Fotografien müssen präzise analysiert werden, um das entscheidende Detail in der Menge der Einzelheiten zu entdecken. So weisen die Schwarzweißaufnahmen aus dem Yosemite Nationalpark eine so ausgeprägte Feinzeichnung auf, dass der Betrachter eine aktive Strukturierungsleistung vollziehen muss, um alle Informationen zu erfassen. Und dann entdeckt man plötzlich das Pferd, das auf dem großformatigen Bild das entscheidende Detail ausmacht.

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Reduktion von Komplexität durch Unschärfe

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Der eingefrorene Moment der Wirklichkeit, den wir Fotografie nennen, ist im Fließen der Zeit eine so flüchtige Angelegenheit, dass wir ihn in der Regel nicht exakt wahrnehmen können. Dazu geht alles viel zu schnell, jedenfalls dann, wenn es sich um bewegte Objekte handelt. Und selbst bei einer Portraitsitzung ist die Mimik in ständiger Veränderung. Details sind in der Regel erst bei der späteren Monitordarstellung oder der Printvergrößerung erkennbar.

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Der Schärfetod

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Bildschärfe wird meist mit Eigenschaften wie Klarheit, Eindeutigkeit, Prägnanz und oft auch Wertigkeit assoziiert. Ist die gewünschte Knackigkeit nicht erreicht, muss nachgeholfen werden.

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Das Dogma vom scharfen Bild

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Das Streben nach dem scharfen Bild kann Formen annehmen, die nicht frei sind von neurotischen Zügen. So wie der Zwangscharakter ständig sicher sein muss, nicht von Unordnung oder Unreinheit bedroht zu werden, fürchtet der Schärfesüchtige die Welt der Unschärfe.

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Hallenser Allerlei

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Die Ausstellungsmacher haben sich da vielleicht ein wenig zu viel vorgenommen. Was gegenwärtig unter dem Titel Ins Offene im Kunstmuseum Moritzburg in Halle an der Saale gezeigt wird, stellt sich trotz einiger herausragender Fotografien am Ende weniger als Kompendium der ostdeutschen Fotokunst der letzten Jahrzehnte dar als vielmehr eine am Ende doch etwas beliebige und lückenhafte Schau. Dabei hätte es eine verdienstvolle Sache werden können, die Entwicklung stilprägender Fotografinnen und Fotografen der früheren DDR nach den Wendejahren zu verfolgen sowie diese mit der Arbeit der nachfolgenden Generation zu vergleichen.

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Am Anfang war das Licht

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Seit jeher faszinieren lichtdurchflutete Kirchenfenster. Mal sind es die Gläser selbst, die bei Sonnenlicht ihre Farbigkeit entfalten, mal sind es die Reflexe auf Wänden, Böden und Kirchenbänken. Die Wirkung dieser Illuminationen in früheren Jahrhunderten ohne Leuchtreklame, ohne Kino und mit wesentlich weniger alltäglicher Farbe lässt sich auch heute noch nachempfinden. Das Licht zeigte sich in seiner Pracht als Sinnbild für den Ursprung des Seins und war im Übrigen Hinweis auf eine höhere Macht.

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In memoriam Straßenfotografie

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Die Ausstellung Street. Life. Photographie in den Hamburger Deichtorhallen wirkt wie eine Reminiszenz an die Vergangenheit, als noch relativ unbekümmert im öffentlichen Raum fotografiert werden durfte. Wer diese Bilder aus den letzten siebzig Jahren Revue passieren lässt, wird sich von einem nagenden Verlustgefühl kaum freimachen können. Vieles von dem, was hier gezeigt wird, geht heute schlichtweg nicht mehr. Sowohl das Recht am eigenen Bild wie auch die neue Datenschutzverordnung bürden der klassischen Straßenfotografie Hemmnisse auf, die das Genre zwangsläufig zur Gattung einer aussterbenden Art werden lassen.

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