von Ulrich Metzmacher

Die sieben Todsünden (5)

Dort drüben gibt es noch etwas, hast Du gesehen? Nimm am besten gleich zwei von den Happen, die werden sowieso immer kleiner. Früher wurde man hier schneller satt. Und schau, da kommen uns welche mit kleinen Fläschchen entgegen. Wo haben sie die denn her? Wir müssen ganz nach hinten, an das Ende des Ganges. Drängel mal ein wenig, sonst ist alles weg. Und dann ab in die nächste Halle, sieh mal das Wappen da mit den Löwen. Dort gibt es sicherlich anständige Portionen. Eine Maß Bier wäre auch nicht schlecht. Bei mir jedenfalls geht noch was rein!

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von Ulrich Metzmacher

Die sieben Todsünden (4)

Am Anfang ein leichtes Zerren, ganz tief, oder eher ein Grollen. Vielleicht ja nur Einbildung. War da wirklich etwas? Dann noch einmal. Nervenzucken? Nein, nein, da ist Tektonik im Spiel. Da wurde etwas verklemmt, verletzt. Hitzeanstieg, der Druck erhöht sich. Sodbrennen im Peridotit. Ignorieren? Einfach abwarten. Oder Gegenmittel einsetzen? Tief durchatmen, Blödsinn, das bringt nichts! Luft gegen Magma, keine Chance. Dafür ist es zu spät. Da will etwas aufbrechen, Vergeltung suchen. Nicht aufzuhalten. Erste Risse.

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von Ulrich Metzmacher

Die sieben Todsünden (3)

Ihr sollt es einmal besser haben als wir. Deshalb seid sparsam, damit Ihr etwas habt in der Not. Nur wer den Cent ehrt, dem wird Reichtum beschert. Hütet Euch vor nutzlosen Dingen. Nie vergessen: Ein nicht ausgegebener Euro sind schon zwei Euro. Bringt das Geld zur Bank, um es vor Euch selbst zu schützen. Erst viele Federn machen ein schönes Bett. Ich werde eines Tages mein Leben glücklich beschließen können, wenn ich sicher sein darf, dass Ihr dies verstanden habt.

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von Ulrich Metzmacher

Die sieben Todsünden (2)

Die träge Masse liegt in den Kissen und harrt der Dinge, die da kommen. Kommt nichts, geschieht nichts. Schon der Versuch des Versuchs, sich zu erheben, längst aufgegeben. Totale Entspannung, alles flimmert so schön. Equilibrium der Sensoren. Alles gut so! Keine Empörung mehr über die Dinge der Welt. Wo sind sie hin, die Gedanken, Pläne, Träume? Vergessen und verplempert, abgeschliffen in den Jahren und zu Sand zermahlen.

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von Ulrich Metzmacher

Die sieben Todsünden (1)

Abwärtsbewegung, extrem, im freien Niedergang. Kontrollverlust durch Gravitation. An Geltung verlieren, sinkende Werte. Stürzen, abstürzen, abnehmen, umkommen, verrecken. Von der Leiter. Aktien. Im Krieg. Aus allen Himmeln, allen Wolken, auf den Wecker, ins Auge, wie eine heiße Kartoffel in den Schoß. Apfel, nicht weit vom Stamm. Kopfüber. Kurse. Preise. Drastisch, massiv und plötzlich. Auseinander, lästig, leicht, schwer. Beil. Strick. Tür. Wind. Ab, an, auf, aus, be, durch, ein, ent. Hochmut. Fallsucht.

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von Ulrich Metzmacher

NEU: collage fotosinn

Den Abschluss der Reihe mit Essays zu Theorie und Ästhetik der Fotografie bildet die collage fotosinn. Sie zeigt noch einmal, dass es nicht nur eine Sichtweise auf das Wesen der Fotografie gibt, sondern gänzlich unterschiedliche Betrachtungsmöglichkeiten. Aber selbst diese lassen sich nicht abschließend aufzählen. Alles muss Fragment bleiben, und eine Zusammenfassung sämtlicher Perspektiven ist nicht einmal theoretisch denkbar.

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von Ulrich Metzmacher

Starke Kontraste in Hamburg

In den Deichtorhallen und im Bucerius Kunst Forum werden gegenwärtig zwei Fotoausstellungen geboten, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Einmal ist da Michael Wolf mit Life in Cities und schon seit längerer Zeit zu sehen, jedoch nur noch bis Anfang 2019, Anton Corbijn mit THE LIVING AND THE DEAD. Auf dem Weg von der einen zur anderen Location durchquert man im Übrigen den Weihnachtsmarkt, auch das ein interessanter Effekt.

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von Ulrich Metzmacher

Gerhard Richters Reflexion und Gestaltung von Realität

Die Besinnung auf die bildmäßig ausgerichtete Fotografie ist ein wiederkehrendes Thema der vergangenen Jahre. Nostalgie ist dabei jedoch meist nicht angesagt. Eher geht es um Fragen einer handwerklich und künstlerisch ambitionierten Umsetzung ästhetischer Prinzipien und deren Abgrenzung zum fotografischen Massengeschehen. Daneben spielt der Diskurs zum Wesen und zum Stellenwert des fotografischen Bildes nach allen postmodernen Irrungen und Wirrungen eine Rolle, der man kaum ausweichen kann. Fotoausstellungen spiegeln häufig beide Aspekte wider.

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von Ulrich Metzmacher

Fotografische Botschaften aus der Unterwelt

Im Jahr 1997 erschien Don DeLillos grandioser Roman Unterwelt, ein Kaleidoskop der Vereinigten Staaten in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts. Facettenreich verbinden sich in dem Werk Alltägliches und Zeitgeschichtliches aus Politik, Sport und Kultur. Das multiperspektivische Gesellschaftspanorama wird so für die handelnden Akteure zu den unterschwelligen Hintergrundkoordinaten. Permanent wechselt DeLillo dabei die Sichtweisen, und auch die lineare Zeitachse wird zugunsten eines konstruktivistischen Montageprinzips aufgegeben, das in den Jahrzehnten hin- und herspringt. Ähnlich wie beim Ulysses verlangt das einige Konzentration, aber man wird reichlich belohnt.

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von Ulrich Metzmacher

Schwarzweißes und Philosophisches in Erfurt

Vielleicht liegt es am eigenen Alter, dass mich die hier gezeigten Fotografien so überzeugt haben. Vielleicht ist es aber auch mehr als das. Die Erfurter Kunsthalle hat es jedenfalls vollbracht, nicht nur eine herausragende Schau westdeutscher Fotografie von 1945 bis 2000 zu präsentieren, sondern sie hat damit auch einen Querschnitt modernen fotografischen Denkens gezeigt. Dass die digitale Fotografie dabei außen vor bleibt, trägt zum Niveau der Ausstellung bei. Die Konzentration liegt auf dem Analogen und Schwarzweißen als Höhepunkt der klassischen Fotografie.

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