von Ulrich Metzmacher

Naturformen

Bey den Bildern ist die Natur die herrlichste Lehrmeisterin. Sie erzeugt unzählige schöne und wunderliche Figuren, giebt die Farben, das Licht und den Schatten, und so kann eine geübte Hand, ein richtiges Auge, und die Kenntniß von der Bereitung und Vermischung der Farben, die Natur auf das vollkommenste nachahmen. Wie natürlich ist daher auch die Wirkung dieser Künste, das Wohlgefallen an ihren Werken, zu begreifen. Der Gesang der Nachtigall, das Sausen des Windes, und die herrlichen Lichter, Farben und Gestalten gefallen uns, weil sie unsere Sinne angenehm beschäftigen;

Weiterlesen …

von Ulrich Metzmacher

Die Kamera als Waffe

Vor noch nicht langer Zeit war der ambitionierte, überwiegend männliche Fotoamateur voller Stolz mit einer professionell erscheinenden Spiegelreflexkamera unterwegs, bestückt mit einem beeindruckenden Superzoom, das Ganze getragen am Kameragurt Sniper. Und nicht selten posierte er wie ein Scharfschütze beim Shooting. Die Begrifflichkeit ist kein Zufall. Schon immer wurden Kameras wie Waffen eingesetzt, von Paparazzi etwa, die ihr Opfer jagten, bis deren Fahrzeug an der Wand eines Pariser Straßentunnels zerschellte.

Weiterlesen …

von Ulrich Metzmacher

Fotografieren als Beutezug

Beim ambitionierten Fotografieren interessiert das Objekt vor der Kamera meist nur indirekt. Im Vordergrund steht das spätere Bild, das bei der Betätigung des Auslösers bereits gedanklich antizipiert wird. Das Objekt ist lediglich Mittel zum Zweck, primäres Ziel hingegen eine Aufnahme, die gefallen will und als Beweis für das Können des Fotografen (m/w/d) gilt. Die Beachtung und der Ruhm richten sich am Ende schließlich auf ihn und sein Bild, nicht jedoch auf das ursprüngliche Objekt.

Weiterlesen …

von Ulrich Metzmacher

Artensterben in der Fotowirtschaft

Der hochwertige digitale Fotoapparat, ob mit oder ohne Spiegel, wird in wenigen Jahren ein teures Nischenprodukt für Profis und betuchte Amateure sein. Die Branche ist im Niedergang begriffen. Kameras mit APS-C oder MFT Sensoren werden kaum noch eine Rolle spielen. Einige der heute bekannten Produzenten werden sich aus dem Markt für Fotoapparate verabschieden. Schuld an dieser Entwicklung ist nicht nur das Smartphone. Das wäre zu einfach gedacht.

Weiterlesen …

von Ulrich Metzmacher

Zum Wandel fotografischer Paradigmen

Die ersten motorgetriebenen Automobile sahen noch aus wie Kutschen ohne Pferde. Dies war kein Zufall, orientieren sich neue Produkte doch zunächst meist an den Vorgängertechnologien. Anders ausgedrückt, alte Paradigmen behalten solange ihre Gültigkeit, bis sich ein neues Selbstverständnis herausgebildet hat. Technische Verfeinerungen fördern diesen Prozess, bis schließlich zusätzliche Optionen in das Blickfeld geraten.

Weiterlesen …

von Ulrich Metzmacher

Die Welten hinter der Fassade

Kurz vor der Jahrtausendwende erschien Don DeLillos grandioser Roman Unterwelt, ein Kaleidoskop amerikanischer Alltagskulturen der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts. Facettenreich verbinden sich Zeitgeschichtliches aus Politik, Sport und Show mit den Schicksalen der handelnden Personen. Das multiperspektivische Gesellschaftspanorama bildet die Hintergrundkoordinaten eines Romans, der seine Sichtweise permanent ändert. Und auch die lineare Zeitachse wird zugunsten eines Montageprinzips aufgegeben, das durch die Zeiten springt.

Weiterlesen …

von Ulrich Metzmacher

Anything goes und ein wenig Langeweile

Hin und wieder meldet sich die nagende Frage, ob im Geleitzug des Anything goes und der Auflösung verbindlicher Kunstdefinitionen nicht auch eine Überschüttung mit Dingen stattfindet, deren hervorstechendes Merkmal lediglich in der wohlfeilen Selbsteinschätzung als künstlerisch wertvoll besteht. Ein solcher Verdacht drängt sich nicht zuletzt in der Fotografie auf. Schließlich kann heute jedermann und jedefrau mit einer Kamera oder dem Smartphone interessante Bilder schaffen. Sind wir da nicht alle Künstler (m/w/d)?

Weiterlesen …

von Ulrich Metzmacher

Das Private wird öffentlich

Seit es Gesellschaften gibt, besteht ein Spannungsverhältnis zwischen den kollektiven Anforderungen an den Einzelnen und seinen Behauptungen gegenüber dem sozialen Umfeld. Gleichwohl bilden Individuum und Privatheit einerseits und die Gesellschaft andererseits zwei Pole, die nicht voneinander zu trennen sind. Selbst der freie Einzelne ist nur vergesellschaftet denkbar. Und ohne soziale Einbindung keine Privatheit.

Weiterlesen …

von Ulrich Metzmacher

Fotografieren ohne Dogma

Die oftmals unterstellte Bedächtigkeit beim analogen Fotografieren ist nicht unbedingt gleichzusetzen mit aufwändiger Bildgestaltung oder einer langsamen Kameratechnik. Niemand ist gezwungen, es Ansel Adams gleichzutun und mit schwerem Stativ sowie großem Format solange an der Komposition zu werkeln, bis alles passt und schließlich der Auslöser betätigt wird. Entscheidend bei der Frage nach der Bedächtigkeit ist die innere Haltung.

Weiterlesen …

von Ulrich Metzmacher

Faktenwahrheit und moralische Wahrheit

Der Fotograf und zeitweilige Präsident der Agentur Magnum, Stuart Franklin, hat in seinem Buch The Documentary Impulse die in vielen Jahren erworbenen Erfahrungen als Bildjournalist zusammengefasst. Es geht um ethische und soziale Aspekte der tageaktuellen Berichterstattung, aber auch um grundsätzliche Fragen des Verhältnisses von Wirklichkeit und fotografischem Abbild.

Weiterlesen …