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Folgt man Peter Sloterdijk, so haben die Schrecklichen Kinder der Neuzeit nicht immer verstanden, wohin sie durch die Dialektik des Weltgeschehens getrieben wurden. Gutes wollen bedeutet eben noch lange nicht, auch immer Gutes zu erreichen. Aber solange man sich auf der Fortschrittsspur mit den jeweils aktuellen Korrektheitsnormen zu befinden meint, ist der Sinn für einen reflexiven Metablick schnell einmal betäubt.

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Inszenierte Fotografien mit gestellten Szenen können Erfundenes und selbst Surreales zum Inhalt haben. Und dennoch ermöglichen sie unter Umständen Rückschlüsse von geschaffenen Wirklichkeiten auf wirkliche Wirklichkeiten. Es handelt sich deshalb bei inszenierten Bildern nicht von vorneherein um Kunstprodukte mit nur ästhetischem Wert, sondern potentiell um Instrumente einer analytischen Hinterfragung sozialer Realitäten.

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Seit es Gesellschaften gibt, besteht ein Spannungsverhältnis zwischen den kollektiven Anforderungen an den Einzelnen und seinen Behauptungen gegenüber dem sozialen Umfeld. Gleichwohl bilden Individuum und Gesellschaft zwei Pole, die nicht voneinander zu trennen sind. In der Öffentlichkeit treffen sie aufeinander. Parallel haben sich die Vorstellungen von Privatheit verändert. Einiges von diesem Prozess spiegelt sich in der Geschichte der Fotografie wider. Der heute in den Sozialen Medien zur Gewohnheit gewordene Umgang mit privaten Bildern wäre noch vor wenigen Jahrzehnten undenkbar gewesen.

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Die Rollenverteilung und der Dresscode im klassischen Western der 50er Jahre sind schnell verstanden. Der weiße Hut war dem Helden vorbehalten, die übrigen Akteure teilten sich auf in Schwarzhüte, hutlose Rothäute und einige wenige Frauen im karierten Outfit. Dunkelhäutige Menschen mit afrikanischen Vorfahren spielten nur selten mit, schon gar nicht in tragenden Rollen. In späteren Westernfilmen änderte sich dies, eine Ablösung von den alten Klischees blieb aber die Ausnahme.

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Nicht einmal das Wetter war anders als im April. Von einem sonnigen Frühling oder Ankündigung des Sommers war kaum etwas zu spüren. Und auch die ersten Ansätze zu einer Lockerung der coronabedingten Einschränkungen des öffentlichen Lebens hinterließen am Kurfürstendamm selbst in der letzten Maiwoche keine nachdrücklichen Spuren. Die Pandemiefolgen prägten weiterhin das Straßenbild. Keine Touristen, kaum Flaneure, keine Menschenmengen mit Einkaufstüten. Dafür alles mit Maske.

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Für den Katalog zur Weltausstellung der Photographie, die im Jahr 1964 in verschiedenen europäischen Städten stattfand, wurde von Heinrich Böll ein Prolog verfasst, der sich mit dem moralischen Potential der Fotografie und der Gratwanderung zwischen einer voyeuristischen, effektheischenden und mitunter menschenverachtenden Bilddarstellung auf der einen Seite beschäftigt und den Möglichkeiten einer empathischen, respektvollen Form andererseits.

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Wir betrachten Straßenfotografien früherer Jahrzehnte und sind von den historischen Szenen angetan. Ja, so war es damals. Nicht selten verspürt man dann den Impuls, auf ähnliche Weise auch die Gegenwart festzuhalten. Dann zieht man los mit der Kamera und ist anschließend von der vermeintlichen Belanglosigkeit der Ergebnisse nicht selten enttäuscht. Schnell wird vergessen: Auch viele frühere Bilder wirkten zum Zeitpunkt ihres Entstehens häufig eher banal.

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Diffusion von Wirklichkeiten, Schaufensterdurchblicke, Spiegelungen. Vermischungen von Dingen, die in der Realität nichts miteinander zu tun haben. Im fotografischen Bild sind es Berührungen von Flächen, die eine Zusammengehörigkeit suggerieren. Aber auch schon allein Vorgänge im Kopf des Betrachters können Dinge in eine bedeutungsvolle Beziehung bringen.

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Bei der Beschreibung der charakteristischen Merkmale des Mediums Fotografie lassen sich gänzlich unterschiedliche Perspektiven einnehmen. Eine der wahrscheinlichen Sichtweisen wird aus der Allgegenwart fotografischer Bilder die Metapher einer Bilderflut ableiten, die es in früheren Epochen in vergleichbarer Form nie gegeben hat. Bilder umgeben uns überall, wir nehmen sie als zentralen Bestandteil der Kommunikationswelt wahr.

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Corona hält weiterhin alles fest im Griff. Während sich in früheren Jahren im April bereits Touristenmengen durch die Stadt schoben und über die Osterfeiertage die meisten Hotels ausgebucht waren, herrscht nun gähnende Leere. Restaurants und Cafes bleiben geschlossen, der Einzelhandel ist noch immer stark eingeschränkt und unterliegt wechselnden Öffnungsbedingungen. Auch an normalen Wochentagen wirkt das Kranzlereck mitunter wie an einem frühen Sonntagmorgen.