von Ulrich Metzmacher

Die sieben Todsünden (19)

Die im Mittelalter als Acedia zusammengefassten Phänomene sind mit Trägheit nur unzureichend übersetzt. Eher gemeint, zumindest aus heutiger Sicht, ist eine innere Haltung ohne aktives Bemühen und Sorge für andere, verbunden mit der Suche nach Gründen für die Distanzwahrung beim Anblick fremden Schicksals. Das mag aus Bequemlichkeit geschehen, aus Furcht vor Konsequenzen oder aufgrund eines Verständnisses, nach dem jeder schon selbst sehen müsse, wie er klarkommt.

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von Ulrich Metzmacher

Die sieben Todsünden (18)

Es ist schon bemerkenswert. Einerseits wird der friedfertige Charakter des Christentums betont, auch wenn dabei Teile des institutionellen Erbes wie die Kreuzzüge, die Inquisition oder in manchen Fällen die Unterstützung weltlicher Unrechtsregime ausgeblendet werden. Zorn sowie die aus ihm resultierende Gewalt gelten in der Regel als negativ konnotiert. Andererseits sprechen die Geschichten des Alten Testaments an vielen Stellen von einem Gott, der genau dies ist, nämlich zornig und wenn es sein muss, auch gewalttätig.

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von Ulrich Metzmacher

Die sieben Todsünden (17)

Das weltliche Kapitel der christlichen Mythologie beginnt nach der Schöpfung mit Kain, dem ersten Sohn Adam und Evas, der den jüngeren Bruder Abel erschlug. Dieser Urmord des Menschengeschlechts war, so die erzählte Geschichte, Folge des Neides als primärer Sünde nach dem Paradies. Als quälende Leidenschaft, die zum Äußersten führen kann, nahm er fortan in der Hierarchie der schweren Laster einen hohen Rang ein.

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von Ulrich Metzmacher

Die sieben Todsünden (16)

Hochmut galt bis in das Spätmittelalter als übelste der Todsünden. Nahezu immer ging es um den Vorwurf der Verletzung kirchlicher Dogmen. Wer sich anmaßte, selbst die Welt verstehen oder gar lenken zu wollen, forderte den Klerus und seinen Machtapparat heraus. Ketzerei konnte zur Hinrichtung und auf den Scheiterhaufen führen. Das letzte Todesurteil wegen Hexerei wurde in Deutschland im Jahr 1775 durch Enthauptung vollstreckt.

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von Ulrich Metzmacher

Die sieben Todsünden (15) - Ein Zwischenruf

Der ursprünglich religiöse Kontext und die alte Sprache verstören offenbar gelegentlich. Und dennoch: Während die Laster Hochmut, Neid, Zorn und Geiz auch heute als überwiegend unangenehm betrachtet und negativ konnotiert werden, zeigt eine Reihe von Reaktionen auf die bisherigen Blogbeiträge, dass es sich bei der Trägheit, der Völlerei und der Wollust um Erscheinungen handelt, die in der Moderne nicht mehr in gleicher Weise abgelehnt werden wie früher.

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von Ulrich Metzmacher

Die sieben Todsünden (14)

Luxuria, mit Wollust nur unzureichend übersetzt, ist als siebente Todsünde beteiligt, wenn Exzessives zum vorherrschenden Lebensthema wird. Explizite Sexsucht ist eine ihrer Erscheinungsformen, für die nicht zuletzt die Vermarktung sexueller Reize in modernen Konsumgesellschaften den Nährboden bildet. Im Kontrast hierzu steht die grundsätzliche Verdammung der Wollust im Kontext mittelalterlicher Hexen- und Teufelsphantasien. Keine andere der sogenannten Todsünden weist vergleichbare Gegensätze auf.

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von Ulrich Metzmacher

Die sieben Todsünden (13)

Völlerei als sechste der sieben Todsünden ist beteiligt, wenn man/frau sprichwörtlich den Hals nicht vollbekommt. Es geht aber nicht nur um Speise und Trank, sondern auch um andere Formen der Maßlosigkeit. Der kritische Blick darauf scheint jedoch so gar nicht in die Zeit zu passen, wird doch das moderne Leben, zumindest für einen Teil der Gesellschaft, beständig von Überfluss bestimmt. Für einen anderen Teil hingegen gilt genau dies nicht. Der Mangel mag hier relativ sein, mitunter zeigt er sich aber auch absolut.

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von Ulrich Metzmacher

Die sieben Todsünden (12)

Geiz als fünfte der sieben Todsünden ist beteiligt, wenn materieller oder finanzieller Besitz weit über den notwendigen Bedarf hinaus angehäuft und ständig argwöhnisch bewacht wird. Die Angst vor seinem Verlust fordert aufwändige Sicherungsmaßnahmen, so dass sich Dritten gegenüber ein zunehmendes Misstrauen einstellt. Während Sparsamkeit als Mittel der Daseinsvorsorge für Notzeiten gelten kann, ist Geiz Ausdruck des Strebens nach Reichtum als Selbstzweck.

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von Ulrich Metzmacher

Die sieben Todsünden (11)

Trägheit als vierte der sieben Todsünden ist beteiligt, wenn man/frau beständig unter seinen/ihren Möglichkeiten bleibt. Nicht Müßiggang ist das Übel, im Gegenteil. Die temporäre Verweigerung gegenüber den Forderungen an ein Leben im Hamsterrad voller aufgedrehter Aktivitäten, Frohsinn und Konsum mag Ausdruck eines subversiven Unbehagens sein. Diesem Raum zu geben, wäre eine Strategie aktiver Selbsterhaltung. Trägheit hingegen bedeutet Faulheit und Bequemlichkeit. Das ist etwas anderes.

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von Ulrich Metzmacher

Die sieben Todsünden (10)

Zorn in seiner Erscheinungsform als dritte der Todsünden ist beteiligt, wenn die eigene Wut in eitler Weise als Ausdruck emotionaler Spontaneität gedeutet und selbstgefällig als berechtigt betrachtet wird. Zorn ist jedoch mehr als das, er ist vielschichtig. Zorn kann laut sein, kann mit Worten verletzen, kann bedrohlich sein. Zorn kann zur Handlung und damit gefährlich werden. Er kann aber auch gerechtfertigt und sinnvoll sein.

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