von Ulrich Metzmacher

Die sieben Todsünden (15) - Ein Zwischenruf

Der ursprünglich religiöse Kontext und die alte Sprache verstören offenbar gelegentlich. Und dennoch: Während die Laster Hochmut, Neid, Zorn und Geiz auch heute als überwiegend unangenehm betrachtet und negativ konnotiert werden, zeigt eine Reihe von Reaktionen auf die bisherigen Blogbeiträge, dass es sich bei der Trägheit, der Völlerei und der Wollust um Erscheinungen handelt, die in der Moderne nicht mehr in gleicher Weise abgelehnt werden wie früher.

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von Ulrich Metzmacher

Die sieben Todsünden (14)

Luxuria, mit Wollust nur unzureichend übersetzt, ist als siebente Todsünde beteiligt, wenn Exzessives zum vorherrschenden Lebensthema wird. Explizite Sexsucht ist eine ihrer Erscheinungsformen, für die nicht zuletzt die Vermarktung sexueller Reize in modernen Konsumgesellschaften den Nährboden bildet. Im Kontrast hierzu steht die grundsätzliche Verdammung der Wollust im Kontext mittelalterlicher Hexen- und Teufelsphantasien. Keine andere der sogenannten Todsünden weist vergleichbare Gegensätze auf.

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von Ulrich Metzmacher

Die sieben Todsünden (13)

Völlerei als sechste der sieben Todsünden ist beteiligt, wenn man/frau sprichwörtlich den Hals nicht vollbekommt. Es geht aber nicht nur um Speise und Trank, sondern auch um andere Formen der Maßlosigkeit. Der kritische Blick darauf scheint jedoch so gar nicht in die Zeit zu passen, wird doch das moderne Leben, zumindest für einen Teil der Gesellschaft, beständig von Überfluss bestimmt. Für einen anderen Teil hingegen gilt genau dies nicht. Der Mangel mag hier relativ sein, mitunter zeigt er sich aber auch absolut.

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von Ulrich Metzmacher

Die sieben Todsünden (12)

Geiz als fünfte der sieben Todsünden ist beteiligt, wenn materieller oder finanzieller Besitz weit über den notwendigen Bedarf hinaus angehäuft und ständig argwöhnisch bewacht wird. Die Angst vor seinem Verlust fordert aufwändige Sicherungsmaßnahmen, so dass sich Dritten gegenüber ein zunehmendes Misstrauen einstellt. Während Sparsamkeit als Mittel der Daseinsvorsorge für Notzeiten gelten kann, ist Geiz Ausdruck des Strebens nach Reichtum als Selbstzweck.

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von Ulrich Metzmacher

Die sieben Todsünden (11)

Trägheit als vierte der sieben Todsünden ist beteiligt, wenn man/frau beständig unter seinen/ihren Möglichkeiten bleibt. Nicht Müßiggang ist das Übel, im Gegenteil. Die temporäre Verweigerung gegenüber den Forderungen an ein Leben im Hamsterrad voller aufgedrehter Aktivitäten, Frohsinn und Konsum mag Ausdruck eines subversiven Unbehagens sein. Diesem Raum zu geben, wäre eine Strategie aktiver Selbsterhaltung. Trägheit hingegen bedeutet Faulheit und Bequemlichkeit. Das ist etwas anderes.

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von Ulrich Metzmacher

Die sieben Todsünden (10)

Zorn in seiner Erscheinungsform als dritte der Todsünden ist beteiligt, wenn die eigene Wut in eitler Weise als Ausdruck emotionaler Spontaneität gedeutet und selbstgefällig als berechtigt betrachtet wird. Zorn ist jedoch mehr als das, er ist vielschichtig. Zorn kann laut sein, kann mit Worten verletzen, kann bedrohlich sein. Zorn kann zur Handlung und damit gefährlich werden. Er kann aber auch gerechtfertigt und sinnvoll sein.

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von Ulrich Metzmacher

Die sieben Todsünden (9)

Neid als zweite der sieben Todsünden scheint beteiligt, wenn man/frau danach trachtet, das als schmerzhaft empfundene Gefälle zwischen dem eigenen und dem fremden Haben zu schließen, indem das letztere herabgewertet, weggenommen oder vernichtet wird. Es kann sich dabei sowohl um materielle wie nichtmaterielle Dinge handeln. Neben dem giftigen Neid in Form von Missgunst gibt es einen konsumatorischen Neid, der Begehrtes auf eine allgemein als erlaubt empfundene Weise erlangen will, um sozial wohlgefällig die Lücke zwischen Haben und Wollen zu schließen.

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von Ulrich Metzmacher

Die sieben Todsünden (8)

Hochmut als erste der sieben Todsünden ist beteiligt, wenn man/frau die eigene Sichtweise auf die Dinge dieser Welt als einzig zulässige auch von den anderen erwartet. Die Emanzipation von Mythen und starren Weltbildern seit Renaissance und Aufklärung schlägt um in Anmaßung oder gar Totalitarismus, wenn die gewonnene Freiheit exklusiv für das eigene Denken beansprucht, für die Übrigen jedoch durch den Zwang zur Übernahme der gleichen Weltsicht eingeschränkt wird.

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von Ulrich Metzmacher

Die sieben Todsünden (7)

Bunga, Bunga, Bungalow. Tralala! Hey, was soll das? Nichts da mit low! Hier geht’s hoch her, wäre doch gelacht. Sex sells und sex for sale, Jahrmarkt für alles und für alle. Nun ja, für fast alle. Umsonst ist nur der Tod. Solange lasst es krachen, bis der letzte Penny futsch ist. Aber keine Sorge, Taler sind genügend da. Kommt her, Ihr Schönen! Wer will noch mal, wer hat noch nicht? Das Leben ist zu kurz, um Trübsal zu blasen. Wir gehen erst, wenn die letzte Flasche reif für den Container ist.

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von Ulrich Metzmacher

Die sieben Todsünden (6)

Ein Gedanke, der einfach nicht verschwinden will. Wie Eiter frisst sich das grüne Zeug durch die Zellen. Mal schmerzt es, dann tagelang Frieden. Alles wieder gut. Jedoch, die Ruhe täuscht. Am Ende erreicht die Plage auch den letzten Winkel des Hirns und des sorgsam gepflegten Leibes. Invidia bestimmt fortan den Tag, den folgenden Tag und alle Tage danach. Will das da haben! Brauche es unbedingt! Warum andere und nicht ich?

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