von Ulrich Metzmacher

Der Kurfürstendamm im Februar

Im Januar hieß es, der Lockdown solle bis Mitte Februar andauern. Daraus wurde nichts. Die meisten Geschäfte und alle Restaurants sind weiterhin geschlossen. Dafür kam der Schnee und legte sich für mehrere Tage über die Stadt. Die Leere des Kurfürstendamms wirkte in ihrer weißen Harmlosigkeit nun noch intensiver. Nach wenigen Tagen jedoch kehrte das triste Grau der Realität zurück, auch wenn die letzte Woche des Monats viele sonnige Momente und Wärme brachte.

Weiterlesen …

von Ulrich Metzmacher

Die Stammbahn (1)

Eine der ersten Eisenbahnlinien des 19. Jahrhunderts verknüpfte Berlin mit Potsdam. Noch immer wird die Strecke Stammbahn genannt. Teile der stillgelegten Trasse verlaufen parallel zur S-Bahn oder sind an anderer Stelle als früherer Schienenweg zumindest erkennbar. Teilweise führt dieser durch unwegsames Waldgebiet. Die Gleise sind dort demontiert und die Strecke ist lediglich aufgrund verstreut liegender Schottersteine zu erahnen.

Weiterlesen …

von Ulrich Metzmacher

Ein zerstörter Platz

Die Stadtplanung der sechziger und siebziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts hat zahlreiche Monstrositäten hervorgebracht, etwa die Brücke über dem Breitenbachplatz. Mit der Zielsetzung einer autogerechten Stadt zerstörte man Vorhandenes und schuf eine brutale Verkehrsführung. Im Übrigen wurde in jener Zeit in West-Berlin mehr städtebauliche Substanz vernichtet als durch den Zweiten Weltkrieg. Alexander Mitscherlich sah sich schon 1965 veranlasst, von der Unwirtlichkeit unserer Städte zu sprechen.

Weiterlesen …

von Ulrich Metzmacher

Die Schatten Vivian Maiers

Ein Schatten verweist, ohne selbst von materieller Substanz zu sein, auf etwas, das ist. Er ist somit stets ein fluider Hinweis auf die Existenz von Objekten, kulturunabhängig und frei von Sinnfragen. Man muss einen Schatten nicht verstehen. Man muss nicht einmal deuten können, von was er ein Schatten ist. Und dennoch, nahezu jeder erwachsene und verständnisklare Mensch wird einen Schatten als Schatten wahrnehmen.

Weiterlesen …

von Ulrich Metzmacher

Der Kurfürstendamm im Januar

Ein verwaister Boulevard. Die meisten Geschäfte geschlossen, keine Bewirtung in den Restaurants und Cafes. Eine Stadt im Lockdown. In einigen Schaufenstern noch Reste der Weihnachtsdekoration. Freie Fahrt auf dem Bürgersteig für radelnde Kinder im Monsterkostüm. An vielen Stellen Botschaften für potentielle Kunden. Abstand halten, Masken tragen. Hinweise zum online Shopping. Einige Geschäfte haben schon aufgegeben, andere stehen offenbar vor der Schließung. Warten auf bessere Zeiten.

Weiterlesen …

von Ulrich Metzmacher

Wegbereiter der Fotografie

Im 18. Jahrhunderts nutzte man die Entdeckung der Lichtempfindlichkeit von Silbersalzen, um Schattenabdrücke von Pflanzen und anderen Gegenständen anzufertigen, indem man diese auf eine präparierte Trägerfläche legte und eine Zeitlang dem Licht aussetzte. Ergebnis waren Umrissbilder, die zunächst noch flüchtig waren, da sie sich nicht fixieren ließen. Dies sollte den späteren Pionieren der Fotografie vorbehalten bleiben, denen es mit ihren objektivbestückten Kameras gelang, freie Raumaufnahmen anzufertigen.

Weiterlesen …

von Ulrich Metzmacher

Farbfotografie mit Tiefenwirkung

Die Retrospektive Joel Meyerowitz. Why Color? hat vor drei Jahren im C/O Berlin die Ausnahmestellung des inzwischen über achtzigjährigen New Yorker Fotografen eindrucksvoll unterstrichen. Entgegen dem Trend der künstlerischen Fotografie in den 60er Jahren arbeitete er damals überwiegend mit dem Farbfilm, um so der schwarzweißgrauen Tonwertreduktion eine leuchtende Welt gegenüberzustellen. Der Alltag der Straße biete, so seine Begründung, jede Menge überraschender Momente, die durch ihre farbliche Wiedergabe eine besondere Lebendigkeit erhalten.

Weiterlesen …

von Ulrich Metzmacher

Diane Arbus, Lee Friedlander, Garry Winogrand

Die fotografische Sammlung des Museum of Modern Art gilt als einzigartig. Und einige Ausstellungen des MoMA wurden selbst zu Meilensteinen der Fotografiegeschichte. Neben The Family of Man (1955) zählt hierzu nicht zuletzt New Documents aus dem Jahr 1967 mit nicht einmal hundert Schwarzweißfotografien. Einen Katalog gab es damals nicht. Erst fünfzig Jahre später wurde eine Dokumentation zusammengestellt. Im Rückblick wird die paradigmatische Bedeutung der Ausstellung sichtbar.

Weiterlesen …

von Ulrich Metzmacher

Eine Anleitung zum Sehen

Im Jahr 2009 erschien in deutscher Übersetzung das Buch Unrast der späteren Nobelpreisträgerin für Literatur, Olga Tokarczuk. Als bequemen Roman mit eingängigem Handlungsstrang lässt es sich nicht lesen, eher als eine Montage verschiedener Genres. Mal sind es Reiseberichte der polnischen Autorin, mal Kurzgeschichten und Tagebuchnotizen. Oder Reflexionen zur Zeitgeschichte beziehungsweise Themen der Philosophie. Und immer wieder Überlegungen zur Reisepsychologie. Alles ist in Bewegung.

Weiterlesen …

von Ulrich Metzmacher

Interview: Ein neuer Blick auf die Fotografie?

Die Fotografie als Kunstform boomt. Das Interesse am Medium scheint größer als jemals zuvor. Dies schließt die kritische Reflexion ihrer Voraussetzungen, Möglichkeiten und Grenzen mit ein. Der Podcast Fotografie Neu Denken nimmt verschiedene Aspekte dieses Diskurses auf. In einem Gespräch mit fotosinn beschreibt der Fotograf und Herausgeber des Podcasts, Andy Scholz, seine Intentionen.

Weiterlesen …