von Ulrich Metzmacher

Fotografien dürfen anstrengen

Warum geht von manchen Fotografien auch in Zeiten des Internets, raffiniert gemachter Filme und anderer dynamischer Kunstformen eine so starke Wirkung aus? Wie kommt es, dass das statische Bild noch immer eine intensivere Erinnerung auszulösen vermag als andere Medien? Die Fragen lassen vermuten, dass es sich beim Sehen von Bildern um einen Wahrnehmungsprozess mit subjektiven, emotionalen Bestandteilen handelt.

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von Ulrich Metzmacher

Karl Lagerfeld in Halle

Nach coronabedingter Unterbrechung von mehr als zwei Monaten ist im Kunstmuseum Moritzburg die Retrospektive Karl Lagerfeld. Fotografie wieder zu sehen. Rund vierhundert Aufnahmen des im vergangenen Jahr verstorbenen Modeschöpfers, barocken Paradiesvogels und nach Auffassung einiger Kritiker künstlerischen Universalgenies werden in der eigens für Halle konzipierten und produzierten Schau gezeigt. Geplant war das Ganze noch unter Lagerfelds Mitwirkung.

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von Ulrich Metzmacher

Jedes Foto ist wie ein kleiner Tod

In einem Interview mit dem Spiegel äußerte sich im Jahr 1994 der damals 71jährige Richard Avedon zu einigen grundsätzlichen Fragen der Fotografie. Natürlich, so Avedon, müsse man als Fotograf jedes Bild moralisch vertreten können. Man dürfe niemandem schaden, nur um ein starkes Bild zu bekommen. In den Ohren heutiger Medienkonsumenten mag das fast schon ein wenig altmodisch klingen, denn nichts ist gefragter als das Skandalbild. Für Avedon galten da noch andere Maßstäbe.

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von Ulrich Metzmacher

Und die Schlossherren schweigen

In Europa halten die Proteste nach dem gewaltsamen Tod von George Floyd an. Viele Menschen gehen auf die Straße, historische Statuen von Unterstützern des Sklavenhandels werden auch hier in Frage gestellt oder gestürzt, die Feuilletons der Zeitungen befassen sich mit dem offenen und latenten Rassismus. Nur die Vertreter des Humboldt Forums, das sich die Bearbeitung des deutschen Kolonialismus und seiner Folgen auf die Fahnen geschrieben hat, schweigen. Man ist dort offenbar an mentale Grenzen geraten und in erster Linie mit der Schlossbaustelle sowie mit dem goldenen Kreuz auf dem Dach der Attrappe beschäftigt.

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von Ulrich Metzmacher

Black and White

Die Rollenverteilung und der Dresscode im klassischen Western der 50er Jahre sind schnell verstanden. Der weiße Hut war dem Helden vorbehalten, die übrigen Akteure teilten sich auf in Schwarzhüte, hutlose Indianer und einige Frauen im karierten Outfit. Dunkelhäutige Menschen mit afrikanischen Vorfahren spielten nur selten mit, schon gar nicht in tragenden Rollen. In späteren Westernfilmen änderte sich dies, eine völlige Ablösung von den alten Klischees blieb aber die Ausnahme.

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von Ulrich Metzmacher

Chamissos Schatten und die Ketten der Sklaverei

Am 21. August 1838 starb in Berlin der Dichter und Gelehrte Adelbert von Chamisso. Er hinterließ ein Werk, das den Bogen spannt von romantischen Naturschilderungen über ethnologische Studien bis hin zu sozialkritischen Beiträgen zu Erscheinungen seiner Zeit. Heute, mitunter ein wenig unterschätzt, darf man ihn zu den Zeugen einer aufklärenden Literatur zählen, dem Kunst und Zeitdiagnose nicht als widerstrebende Diskursformen galten, sondern als geschwisterliche Erscheinungen eines epochalen Emanzipationsprojektes.

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von Ulrich Metzmacher

Über Grenzen des Zeigbaren

Für den Katalog zur Weltausstellung der Photographie, die im Jahr 1964 nahezu zeitgleich in verschiedenen europäischen Städten stattfand, wurde von Heinrich Böll ein Prolog verfasst, der sich mit dem moralischen Potential der Fotografie und der Gratwanderung zwischen einer voyeuristischen, effektheischenden und schnell menschenverachtenden Bilddarstellung auf der einen Seite und den Möglichkeiten einer empathischen, respektvollen Form andererseits befasst.

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von Ulrich Metzmacher

Fotografieren - warum eigentlich?

Beständig sind wir bemüht, uns ein Bild von der Welt zu machen. Dies gilt im übertragenen Sinne, aber auch wörtlich genommen. Die Wahrnehmung sowie die Verarbeitung einströmender Eindrücke fordern nun einmal Strukturierung und die Reduktion auf das Wesentliche. Die Unübersichtlichkeit der nahezu unendlichen Informationsmenge muss eingedampft werden, um einem Kollaps des Kognitionssystems zu begegnen.

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von Ulrich Metzmacher

Fotografie und Poesie

Fotografien und Gedichte scheinen sich auf den ersten Blick grundlegend zu unterscheiden. Hier die wirklichkeitsbeanspruchende Fotografie, dort die Innerlichkeit des Dichters, dessen Zeilen keiner Begründung bedürfen. Sprachliche Botschaften und visuelle Angebote sind zwei verschiedene Dinge. Und dennoch, beide gehen durch den Filter der individuellen Wahrnehmung. Aus den eingehenden Informationen wird ein Sinn konstruiert, dem wir einen Kontext geben und dann meist auch bewerten.

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von Ulrich Metzmacher

Der gereifte Blick

Das Löschen unerheblich erscheinender Bilddateien ist im Prinzip keine schlechte Entscheidung. Selbst wenn eine Aufnahme einmal zu flink in den Papierkorb gewandert sein sollte, na und? Aus dem Auge, aus dem Sinn. Das ist weniger dramatisch als die Gefahr, langsam, aber unvermeidlich, von abertausenden überflüssigen Bildern zugemüllt zu werden, die unsere Festplatte und die eigene Aufnahmefähigkeit an Kapazitätsgrenzen führen. Soweit das Fazit eines früheren Blogbeitrags. Man kann das aber auch anders sehen.

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