von Ulrich Metzmacher

Die Bedeutung des Bildtitels

Stellen wir uns fiktiv eine Fotografie vor, die es nicht wirklich gibt. Sie zeigt einen Stapel aufgeschichteter Leinwände, exakt ausgerichtet und von der Seite aufgenommen. Wir sehen vor unserem inneren Auge lediglich die Ränder der Keilrahmen. Versehen ist die Fotografie mit dem Titel Objekt „Bildersturm“. Um das Ganze zu verstehen, geht es im Folgenden um die Rekonstruktion der denkbaren Überlegungen, die unsere fiktive Wahrnehmung dieses imaginären Bildes begleiten.

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von Ulrich Metzmacher

Preisverfall der großen Fotokunst

Kürzlich wurde in einigen Medien vermeldet, dass die Preise für großformatige, insbesondere digital erzeugte Fotografien im Sinken begriffen seien. Die Entwicklung war absehbar. Wie jede Kunst sind auch Fotos auf dem Galeriemarkt und bei Auktionen neben bestimmten Modetrends den Gesetzen von Angebot und Nachfrage unterworfen. Zusätzlich tragen konservatorische Unsicherheiten dazu bei, dass Käufer vorsichtig sind.

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von Ulrich Metzmacher

Versuch einer Annäherung

Da mit dem Flughafen Tegel nun auch der letzte innerstädtische Airport Berlins geschlossen ist, bietet sich ein Blick auf den neuen BER an. Zu berichten ist im Ergebnis jedoch von einem fotografischen Scheitern. Einige Aufnahmen machen deutlich, dass es nicht zu einer wirklichen Empathie reichte. Der Bericht über die Erkundung an einem trüben Novembertag will keine fundierte Architekturkritik sein und muss subjektiv bleiben. Begeisterung will sich aber nun einmal nicht spontan einstellen.

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von Ulrich Metzmacher

Vergängliche Zeichen

Viele der alten Markierungen des Flughafens Tempelhof sind auch Jahre nach seiner Schließung noch immer gut erkennbar. Das Rollfeld sowie die Start- und Landebahnen sind voller Zeichen, die von den Piloten beim Anflug und auf der Rollbahn wegweisend gesehen werden konnten. Inzwischen reißt an vielen Stellen der Asphalt auf und die Natur kehrt zurück. Vergangenheit und Zukunft treffen aufeinander. Die Erinnerung an frühere Zeiten ist Bestandteil der Gegenwart. Die alten Zeichen werden jedoch mehr und mehr verschwinden.

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von Ulrich Metzmacher

Architektur als Instrument der Macht

Das mehr als einen Kilometer lange, bogenförmige Hauptgebäude des ehemaligen Flughafens Tempelhof strahlt beim Blick vom südöstlich gelegenen Rollfeld auf die offenen Hangars pure Funktionalität aus und darüber hinaus trotz seines gewaltigen Ausmaßes eine nahezu elegante, zivile Harmlosigkeit. Aus der Entfernung wirkt das Ganze kraftvoll, aber keineswegs aggressiv. Machtarchitektur? Nicht einmal ein Gefühl von Gigantomanie will sich da einstellen. Dies ändert sich grundlegend beim Ortswechsel.

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von Ulrich Metzmacher

Die letzten Tage von TXL

Tegel in der Woche vor Einstellung des Betriebs. Westwind. Die Flughafenfeuerwehr ist mit Abschiedsvorbereitungen beschäftigt. Zwei Maschinen der Lufthansa verlassen ihren bisherigen Heimathafen, künftig wird nur noch BER angeflogen. Die letzten Maschinen starten nach Amsterdam, Lissabon, Helsinki oder Paris. An den Countern herrscht Langeweile. Die meisten Geschäfte und Restaurants sind geschlossen. Leere in der Haupthalle.

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von Ulrich Metzmacher

Das Märchen vom Post-Truth Zeitalter

Die Frage nach dem Realitätscharakter der Erscheinungen dieser Welt bildet ein facettenreiches Kapitel im dicken Buch der Philosophie und der Fototheorien. Wie wirklich ist das, was wir sehen? Können wir es objektiv beschreiben und fotografieren? Auch wenn es sich alltagspraktisch ohne komplexe Antworten auf solche Fragen durchaus leben lässt, bildet die Unterscheidung von Tatsachen und Fakes einen elementaren Bestandteil vernünftigen Miteinanders.

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von Ulrich Metzmacher

Vom Glück des Zufalls

Die besten Arbeiten sind eine Zwangsehe von brillanter Technik und Anwesendsein. Zufall ist das A und O der Fotografie. Man kann Stunden damit verbringen, auf den richtigen Moment zu lauern, und er kommt nie. Und dann entdeckt man, dass Aufnahmen, die man einfach so herunterknipste, während man wartend herumhing, von einer Spontaneität sind, die kein noch so sorgfältig gestaltetes Bild aufweist. Die Regel Nummer eins lautet: Aussuchen kann man den richtigen Moment nie, man kann nur darüber stolpern und hoffen, dass man gerade den Finger auf dem Auslöser hat.

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von Ulrich Metzmacher

Vom Großen und vom Kleinen. Der EMOP in Berlin

Drei mal drei fotografische Lichtkästen mit Bildern von Menschen in archaisch anmutenden Schutzanzügen, verteilt liegend im Kirchenschiff. Und an der Wand hinter dem Altar eine ebenfalls großformatige Farbfotografie mit dem Titel Sarkophag. Es sind dies die Elemente der Installation HAGIOGRAPHIE BIOROBOTICA von Andreas Mühe in der St. Matthäus-Kirche am Berliner Kulturforum. Sie ist Bestandteil einer Reihe von mehr als hundert Ausstellungen im Rahmen des European Month of Photography 2020.

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von Ulrich Metzmacher

Analoge Innen- und Außenwelten

Beim fotografischen Bild handelt es sich um ein Dokument der Außenwelt und gleichzeitig um ein Zeugnis der Innenwelt des Fotografen (m/w/d). Damit stellt es unter sämtlichen Bildformen einen einzigartigen Sonderfall dar. Alle anderen, nichtfotografischen Bilder haben ihren Ursprung zwar ebenfalls in der Innenwelt, also der Vorstellung des Malers, Zeichners oder Grafikers, weisen jedoch keine direkte und unmittelbar zwingende Außenweltabhängigkeit auf. Dies bleibt einzig und allein dem mit der Kamera erstellten Bild vorbehalten.

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