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Hinweise auf Ausstellungen; Rezensionen von Büchern; Interviews mit Fotografierenden, Kunstschaffenden und Medienaktiven; Anmerkungen zur Geschichte und Theorie der Fotografie; Kommentare zur Kultur; Berichte zum Zeitgeschehen und von Reisen.
Jahreswechsel. Innehalten.
Die meisten sogenannten Kunstfotografien, ganz zu schweigen von den Aufnahmen der Amateure, unterscheiden sich technisch deutlich von der kommerziellen Produktfotografie, bei der nicht selten Bilder mit 100 MP Auflösung für riesige Werbeformate verlangt werden. Solche Datenmengen mögen zwar auch bei den Fotografien digitaler Großformatmeister wie Andreas Gursky eine Rolle spielen, für die übrige bildmäßige Fotografie, die sich nicht selten an klassischen analogen Vorbildern in kleineren Formaten orientiert, sind sie jedoch als technologischer Overkill häufig vollkommen überflüssig.
Der Junkers-Windkanal
Im Technikmuseum Hugo Junkers in Dessau ist die legendäre JU 52 ausgestellt, darüber hinaus kann Weiteres aus der Welt der Fliegerei besichtigt werden. Und es gibt Apparate der Klimatechnik und ein Stahlhaus zu sehen. Das weitläufige Areal um das Museum ist im Übrigen eng verbunden mit der Deutschen Geschichte. So wurde im Jahr 1925 eine Start- und Landebahn zur Erprobung von Flugzeugen angelegt. Von hier erfolgten auch die Versuche einer Atlantiküberquerung. Die Lufthansa nutzte den Flughafen in den 1930er Jahren für das reguläres Liniennetz. In der Zeit des Eroberungsimperialismus der Nazis dienten die Junkers-Werke der militärischen Aufrüstung. Nach dem Krieg wurden die Fluganlagen zunächst von sowjetischen Einheiten, später von der Volkspolizei und der NVA genutzt. Heute dienen sie in abgespeckter Form als Regionalflughafen für Kleinflugzeuge.
Der Schauder beim Anblick des Genialen
Gute Fotografie ist zu 95 Prozent das Ergebnis gelernten Handwerks. Gleichwohl wird den genialen fünf Restprozenten oftmals eine größere Bedeutung beigemessen. Im Übrigen gilt dies für jede Kunst. Aber so sind wir nun einmal konditioniert: Ein Künstler oder eine Künstlerin gilt vor allem dann etwas, wenn er oder sie den Eindruck erweckt, Transzendentes hinter den Erscheinungen erfasst zu haben und dieses im Werk zum Ausdruck bringt. Trotz aller skeptischen Erkenntnistheorien von Platon und Kant bis zur Postmoderne suchen wir nun einmal gerne nach dem Eigentlichen hinter den Dingen, wohl wissend, dass dies im Sinne letzter Wahrheiten nicht zu haben ist.
Das hätte mein Kind malen können
Die herkömmliche Grenzziehung zwischen ernster Hochkultur und ihrer populären Unterhaltungsschwester ist fragwürdig geworden. Nun ist dies keine neue Erscheinung. Es hat bereits mit der Postmoderne und dem Anything goes begonnen, wenn nicht noch früher mit Dada, dem Surrealismus oder schon dem Impressionismus. Die Etablierten fühlten sich stets von den Regelverletzern bedroht, obwohl viele von diesen anstrebten, nicht nur als Avantgardisten wahrgenommen zu werden, sondern selbst Teil der Hochkultur zu sein. Wie etwa Warhol, der wie kaum jemand zuvor das populäre Pferd ritt, gleichzeitig jedoch zum künstlerischen Establishment gezählt werden wollte, ob nun ironisch gemeint oder nicht.
Übermütige Architektur
Die Kongresshalle am Rand des Berliner Tiergartens, heute Haus der Kulturen der Welt, zählt zu den spektakulären Bauten der Moderne. Errichtet wurde sie als US-amerikanischer Beitrag zur Interbau 1957, dessen Zentrum im nahegelegenen Hansaviertel lag. Das heutige Erscheinungsbild der Kongresshalle weicht vom ursprünglichen Zustand ab. Das Dach schwang einst noch ausladender, stürzte aber im Jahr 1980 in sich zusammen. Die statischen Berechnungen der gewagten Konstruktion, die Qualität der verwendeten Materialien oder die Wartung des Bauwerks hatten nicht zusammengepasst. Warnende Hinweise gab es bereits bei der Planung. Sie wurden nur teilweise berücksichtigt. Das bis zum Jahr 1987 rekonstruierte Dach ist im Vergleich zum ursprünglichen Zustand verkürzt.