Karl Kunz im Kühlhaus Berlin

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Noch bis zum 18. März wird im Kühlhaus Berlin mit Karl Kunz ein Künstler vorgestellt, der nach langen Jahren der Vergessenheit inzwischen als Bestandteil der Moderne des Zwanzigsten Jahrhunderts anerkannt ist. Im Nationalsozialismus als „entartet“ diskreditiert, schuf er auch nach 1945 ein Werk, das an den Phantastischen Realismus ebenso erinnert wie an kubistisch Surreales. Seine Bilder sind in zahlreichen namhaften Museen vertreten, so auch in der Neuen Nationalgalerie Berlin.

Anlässlich seines 100. Geburtstages im Jahr 2006 fasste Christof Trepesch in einem Vortrag das Werk von Kunz so zusammen: Waren seine frühen Kompositionen noch von klar umgrenzten, dreidimensional aufgefassten Formen bestimmt, so werden die späteren Werke immer kulissenhafter und zweidimensionaler, verwobener, sie erscheinen geradezu dicht angefüllt mit zahllosen Requisiten, Architekturfragmenten, Körpersplittern und sogar mit echten Fotos und Bildern, die als Collage eingefügt werden. Diese besondere Fähigkeit architektonische Zusammenhänge zu schaffen, die instabil, fragil, ja geradezu dekonstruktivistisch anmuten, ist ein weiteres wesentliches Gestaltungsmerkmal seiner Kunst. In seinen großformatigen Formenkonglomeraten nistet sich auch die Farbe als Instabilität schaffendes Medium mit ein. Hierbei bilden zunächst dunkle Farbwerte, wie Braun- und Schwarz die Grundlage, während lichte helle Töne sowie grelle Kontraste sich häufig mit den Gegenständen verbinden. (...) Formalkompositiorisch greift Kunz – wie erwähnt – auf die kubistische Formensprache zurück, mit der Gegenstände auf ihren jeweiligen geometrischen Grundgehalt hin untersucht werden. Das Übertragen des dreidimensionalen Gegenstandes auf die zweidimensionale Leinwand durch polyperspektivisches Sehen ist gerade in seinen frühen Kompositionen konsequent umgesetzt.

Die Ausstellung im Kühlhaus Berlin kann noch bis zum 18. März besucht werden. Sie vermittelt einen gelungenen Eindruck des Werkes von Karl Kunz. Begleitend zur Ausstellung liegt ein Katalog vor, der den künstlerischen Ansatz von Kunz bündig nachvollziehbar macht.

Kurator der Ausstellung ist Wolfgang Kunz, auch er kein Unbekannter. Wie sein Vater widmet er sich dem bildnerischen Schaffen, in seinem Fall in Gestalt der Fotografie. Er studierte bei Otto Steinert in Essen und arbeitete im Labor von Thomas Höpker in Hamburg. In den 1960er Jahren zählte er zur Fotografen-Crew des Stern, arbeitete später für das ZEIT-Magazin und für GEO. 1988 erhielt für eine seiner Reportagen einen World Press Award.

Die Ausstellung von Karl Kunz im Kühlhaus Berlin wird von Fotografien des Sohnes begleitet. Unabhängig davon lohnt sich ein Besuch der Website von Wolfgang Kunz, die in den dort gezeigten Katalogen einen Überblick über sein fotografisches Werk bietet. Eine Schwarzweißfotografie, die in der Liga der ganz Großen der Fotografie des Zwanzigsten Jahrhunderts angesiedelt ist.

Ein aktuelles Interview des rbb mit Wolfgang Kunz ist hier zu hören.

 

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