Die Stammbahn (1)

von Ulrich Metzmacher

Eine der ersten Eisenbahnlinien des 19. Jahrhunderts verknüpfte Berlin mit Potsdam. Noch immer wird die Strecke Stammbahn genannt. Teile der stillgelegten Trasse verlaufen parallel zur S-Bahn oder sind an anderer Stelle als früherer Schienenweg zumindest erkennbar. Teilweise führt dieser durch unwegsames Waldgebiet. Die Gleise sind dort demontiert und die Strecke ist lediglich aufgrund verstreut liegender Schottersteine zu erahnen.

Verfolgt man die Streckenführung vom Ausgangspunkt in Berlin, beginnt alles am Potsdamer Platz. Die ersten heute noch erkennbaren Gleisreste der Stammbahn befinden sich allerdings weiter südlich kurz vor den Yorkbrücken am westlichen Ausläufer des Gleisdreieckparks. Vom ehemaligen Potsdamer Bahnhof bis dorthin wurden alle Gleisanlagen entfernt. Ab dem S-Bahnhof Yorkstraße ist der Verlauf jedoch gut erkennbar. Er folgt parallel den beiden S-Bahngleisen der Wannseebahn.

Die Fotografien sind in den Jahren 2018 bis 2021 entstanden.

In Richtung Südwesten führt die Trasse weiter entlang der Wannseebahn, die zwischen den S-Bahnhöfen Julius-Leber-Brücke und Schöneberg durch eine Tunnelunterquerung von der östlichen auf die westliche Seite der Stammbahn schwenkt. Ab Schöneberg, hier wird die Ringbahn gekreuzt, war die Strecke früher zweigleisig ausgebaut. Sie überquert die heutige Stadtautobahn in Höhe des Schöneberger Kreuzes. Die ein wenig dahinter liegende Brücke über der Rubensstraße wurde abgerissen.

 

Die einstmals an der Strecke liegenden Güterbahnhöfe Schöneberg und Steglitz und sind schon lange nicht mehr vorhanden. In Lichterfelde-West ist jedoch ein Bahnsteigteilstück des ehemaligen US-amerikanischen Militärbahnhofes erhalten, der bis zum Abzug der Alliierten aus Berlin in den neunziger Jahren genutzt wurde. Die Züge fuhren damals von Lichterfelde bis nach Zehlendorf auf der alten Stammbahnstrecke und von dort nach Wannsee auf einem neben der S-Bahn liegende Gütergleis. Anschließend ging es über Fernbahnstrecken durch die DDR in die Bundesrepublik.

Auch im Abschnitt der Stammbahn von Lichterfelde-West bis Zehlendorf ist die früher zweigleisige Streckenführung gut erkennbar, wenngleich eines der Gleise demontiert ist. Der verbleibende Schienenstrang wurde bis 2018 als Zubringer für einen Industriebetrieb in Schönow genutzt. Er ist weiterhin intakt, ein Regelbetrieb findet jedoch nicht statt.

Hinter dem S-Bahnhof Zehlendorf endet die parallele Streckenführung von Stammbahn und Wannseebahn, die nun in Richtung Nikolassee abschwenkt. Die Überdachung des Treppenaufgangs zum Bahnsteig in Zehlendorf zeigt die typischen Merkmale der alten Berliner Bahnhofsarchitektur.

Ein weiterer Blogbeitrag wird sich mit dem Streckenabschnitt der Stammbahn von Zehlendorf über Düppel bis Griebnitzsee befassen.

Einen gut recherchierten Überblick zur Geschichte, Gegenwart und möglichen Zukunft der Stammbahn bietet der Wikipedia-Beitrag Bahnstrecke Berlin-Magdeburg. An die Eröffnung der Strecke im Jahr 1838 erinnert ein Artikel des Tagesspiegels. Seit einigen Jahren wird als Maßnahme zur Entlastung des stetig zunehmenden Regionalverkehrs ihr Wiederaufbau diskutiert. Unterstützend wurde eine Bürgerinitiative gegründet.

 

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