Die Biotürme von Lauchhammer

von Ulrich Metzmacher

Viele Orte der Lausitz im südlichen Brandenburg zeugen von einer wechselvollen Industriegeschichte. Die Relikte der ehemaligen Industriewelt wirken wie Dinosaurier, die an Vergangenes erinnern. Grundlage für die Prägung der Region war die Braunkohleförderung. Über viele Jahrzehnte hingen die Arbeitswelt sowie das Leben in den Städten und Gemeinden direkt und indirekt von der Kohle ab. Die Veränderungen der letzten dreißig Jahre waren einschneidend. Nicht zuletzt der Bevölkerungsrückgang und die spürbare Zunahme des Anteils Älterer zeigen dies.

Bei den Biotürmen von Lauchhammer handelt es sich um die erhalten gebliebenen Überreste einer Kokerei, die einstmals eine Fläche von mehr als 120 Hektar einnahm. Hier wurde von den 1950er Jahren bis etwa zur Jahrtausendwende Braunkohle mit relativ geringer Brennwerteffizienz in Hochtemperaturkoks umgewandelt, der für die Einschmelzung von Eisenerz benötigt wird. Dabei wurden Emissionen erzeugt, die vorwiegend des Nachts aus den Schornsteinen geblasen wurden und von denen die Menschen der Umgebung ein Lied zu singen wussten, sowie kontaminiertes, phenolhaltiges Abwasser.

Die Biotürme gehen auf ein Anfang der 50er Jahre entwickeltes Verfahren zurück, mit dem das Wasser soweit gereinigt wurde, dass man meinte, es in den Flusslauf der Schwarzen Elster einleiten zu können. Dazu wurden die 24 gemauerten Rundtürme der Kokerei mit Hochofenschlacke gefüllt und mit Bakterien angereichert. Das oben eingefüllte Phenolwasser sickerte durch diese Bioschicht, wurde in einem Becken zwischengelagert und schließlich abgepumpt.

Heute sind die Biotürme ein Industriedenkmal, das besichtigt werden kann. An einem der Türme sind Aussichtskanzeln angebracht, von denen man einen Blick auf die Umgebung hat. Freundliche Mitarbeiter erläutern die Geschichte der Kokerei, die im Übrigen nach ihrer Schließung abgerissen wurde.

Einstmals waren in der Kokerei Lauchhammer etwa 2000 Menschen beschäftigt. Es war harte Arbeit. Die Beschäftigten konnten deshalb frühzeitig in den Ruhestand gehen, Frauen mit 55 Jahren. Nach der Wende galten dann andere Bedingungen. Man muss dies alles wissen und die Folgen der Strukturveränderung sowie die Auswirkungen der demografischen Entwicklung berücksichtigen, um die Stimmungslage in der Region zu verstehen. Eine Reihe aufgegebener Wohnhäuser und leerstehende Geschäftsräume sind sichtbare Symptome des Wandels.

Weitere Informationen zu den Biotürmen in Lauchhammer bieten die Sites Industriekultur, Reiseland Brandenburg oder Internationale Bauausstellungen.

 

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