Frauen im Handwerk

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Die Berliner Fotografin Regine Peter hat eine Serie von Bildern mit handwerklich tätigen Frauen geschaffen. Sie trägt den Titel Weil wir das können! Gezeigt werden keine Portraits klassischer Frauenberufe, etwa der Bekleidungs-, Nahrungsmittel- und Kosmetikbranche, sondern Aufnahmen aus jenen Bereichen, von denen früher viele dachten, es handele sich um exklusive männliche Domänen. Hier wird zum Beispiel auf Dächer gestiegen, geschmiedet und bestattet. In einem Interview beschreibt Regine Peter, wie sie das Projekt entwickelt und umgesetzt hat. Ihre Aufnahmen sind in Berlin gegenwärtig in einer Ausstellung zu sehen.

Schmiedin (Foto: Regine Peter)

Die Abbildung von Menschen in ihrem beruflichen Umfeld hat in der Fotografie Tradition. Meist denken wir zunächst an August Sander, der in den zwanziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts eine akribische Sammlung ganzer Gesellschafts- und Berufsstände schuf, die schließlich etwa 600 Aufnahmen umfasste. Später waren es Fotografinnen wie Dorothea Lange, Tina Modotti oder Sibylle Bergemann, die sich nicht zuletzt der Abbildung des Menschen in seinem Arbeitsalltag widmeten. Tätigkeiten von Frauen in den früher einmal männlichen Handwerksberufen bilden noch einmal eine besondere Thematik. Das Kompetenzzentrum für Berliner Handwerkerinnen hat das Projekt von Regine Peter unterstützt.

 

fotosinn: Regine, wie ist die Idee zu dieser Serie entstanden und wie lange hast Du an der Umsetzung gearbeitet?

Regine: Ich habe als Fotografin vor vielen Jahren noch eine Meisterprüfung machen müssen, bevor ich mich selbständig machen konnte, und bin seitdem in die Handwerksrolle eingetragen. Vor einiger Zeit war ich auf der Webseite der Handwerkskammer und fand die Auswahl der dort aufgelisteten Berufe sehr spannend. Und da kam mir die Idee, Frauen, die im Handwerk tätig sind, zu fotografieren. Ich habe dann immer mal wieder, wenn Zeit war, an dem Projekt gearbeitet, etwa ein Jahr lang.

fotosinn: War es schwierig, die Handwerkerinnen dafür zu gewinnen, sich fotografieren zu lassen?

Regine: Zunächst einmal bin ich bei meiner Internetrecherche auf das Kompetenzzentrum für Berliner Handwerkerinnen gestoßen und habe bald die regelmäßig stattfindenden Netzwerkabende besucht. Einige Handwerkerinnen habe ich per E-Mail angeschrieben und einige persönlich angesprochen, fast alle waren unkompliziert und schnell bereit, sich fotografieren zu lassen. Ein bisschen gescheitert bin ich an den Berufen, die gern auch schon mal in den Medien gezeigt werden, zum Beispiel Schornsteinfegermeisterin. Auch die KFZ-Meisterin sagte mir, sie sei schon häufiger fotografiert worden, aber ich konnte sie schließlich überreden.

fotosinn: Das fotografische Portrait ist ja eine schwierige Disziplin, die einiges an Können verlangt. Wie gehst Du vor und was ist Dir wichtig?

Regine: Bei der Arbeit mit dem Kunden, etwa für Bewerbungsfotos, ist es wichtig, Vertrauen aufzubauen und eine Atmosphäre zu schaffen, in der der Kunde sich wohl fühlt. Das gelingt am einfachsten, wenn man sich gegenseitig sympathisch findet. Die Kunden sagen oft von sich, sie seien nicht fotogen. Ich finde, es gibt keine unfotogenen Menschen. Man muss sich selbst mögen und mit sich im Einklang sein. Als Fotografin sollte ich aber natürlich mit dem richtigen Licht und guter Stimmung das beste aus den Kunden rausholen.

fotosinn: Fotografieren Frauen anders als Männer?

Regine: Ich finde Verallgemeinerungen schwierig. Was ist schon typisch Frau oder typisch Mann? Männer haben oft ein größeres Interesse an der Technik, ihnen ist zum Beispiel oftmals wichtig, wie viel Megapixel eine Kamera hat. Wenn ich mit anderen Fotografinnen spreche, ist das Interesse an der technischen Seite der Fotografie eher untergeordnet.

Metallbauerin (Foto: Regine Peter)

fotosinn: Du siehst Dich selbst als Handwerkerin. Wie ist das zu verstehen?

Regine: Ich mache in erster Linie Portraits, Bewerbungsfotos, auch mal Passbilder. Das hat mit Kunst nicht viel zu tun. Trotzdem empfinde ich meine Arbeit als kreativ. Wenn ich Portraits oder Hochzeiten draußen aufnehme, muss ich schnell einen Blick für eine gute Location entwickeln, für schöne Lichtsituationen.

fotosinn: Darf man sich als Berufsfotografin einen eigenen Stil erlauben, oder definiert der Kunde, was er sehen möchte?

Regine: Der Kunde schaut sich das Portfolio eines Fotografen an und entscheidet dann, ob ihm der Stil gefällt. Jeder Fotograf hat da seinen eigenen. Manchmal kommen Kunden mit Vorlagen und sagen, so ein Foto möchte ich haben. Das ist immer schwierig umzusetzen, das Licht ist anders, die Umgebung und letztendlich natürlich auch der Mensch auf dem Foto.

fotosinn: Macht es überhaupt einen Sinn, handwerkliche und künstlerische Fotografie zu unterscheiden?

Regine: Ich denke schon. Die künstlerische Fotografie ist ja nicht in erster Linie dazu da, verkauft zu werden. Mit Kunst möchte ich auf etwas aufmerksam machen, eine Aussage treffen. Als Handwerker habe ich einen Auftraggeber, der ein konkretes Anliegen hat, ein Foto für eine Bewerbung, die Dokumentation einer Veranstaltung. Da bin ich an bestimmte Vorgaben gebunden. Sicherlich gibt es aber auch Beispiele aus der Portraitfotografie, die ich eher als Kunst einordnen würde. Zum Beispiel habe ich gerade heute das bekannte Picasso Portrait von Irving Penn gesehen. Das ist Kunst!

fotosinn: Gibt es für Dich fotografische Vorbilder, an denen Du Dich stilistisch oder vielleicht auch von der inneren Haltung her orientierst?

Regine: Es gibt viele großartige Fotografinnen, Lotte Jacobi, Gisele Freund, Yva. Nicht zuletzt war mir immer eine meiner Chefinnen aus der Zeit als Angestellte ein Vorbild, Heidi Pfleiderer. Sie hat stets mit Akribie, Disziplin und Perfektion gearbeitet und konnte dabei hervorragend mit Menschen umgehen.

Bestatterinnen (Foto:Regine Peter)

fotosinn: Im Katalog zur Ausstellung Deiner Bilder werden den portraitierten Handwerkerinnen einige Fragen gestellt. Nun wollen wir natürlich erfahren, wie Du selbst diese Fragen beantwortest. Zunächst: Wie bist Du zu Deinem Beruf als Fotografin gekommen?

Regine: Die Liebe zur Fotografie wurde mir sozusagen mit in die Wiege gelegt. Meine Mutter fotografierte gern und hatte auch damals schon eine gute Kamera. So habe ich früh angefangen, mit einer Kamera in der Hand spazieren zu gehen. Ich fand es schön, ein Ergebnis zu sehen, etwas zu schaffen, das erhalten bleibt. Leider konnte ich nie gut malen oder zeichnen. Deshalb habe ich lieber fotografiert.

fotosinn: Was macht Dir bei der täglichen Arbeit besondere Freude?

Regine: Ich arbeite gern mit Menschen zusammen. Ich finde es schön, ihnen die Scheu vor der Kamera zu nehmen und sie von ihrer besten Seite zu zeigen. Fotografien zu schaffen, die man auch nach vielen Jahren noch gern in der Hand hält und sich erinnert, an die Hochzeit, die Zeit, als die Kinder klein waren. Oder mit Bewerbungsfotos einen Hingucker zu schaffen. Manchmal sagen mir Kunden, dass sie beim Vorstellungsgespräch positiv auf das Foto angesprochen wurden.

fotosinn: Was war die skurrilste Anfrage/der skurrilste Auftrag bisher?

Regine: Ein wirklich skurriler Auftrag fällt mir nicht ein. Ich habe in all den Jahren mit vielen unterschiedlichen Menschen zu tun gehabt. Einmal hat mich ein Brautpaar gefragt, ob ich mir vorstellen könnte, nicht nur zu fotografieren, sondern auch Trauzeugin zu sein. Zu der Zeit waren Trauzeugen bei der Hochzeit noch vorgeschrieben. Ich war dann also Fotografin und Trauzeugin und als zweiter Trauzeuge stand mein Mann zur Verfügung.

fotosinn: Wie lautet Dein Motto als Frau im Handwerk?

Regine: Das Auge macht das Bild, nicht die Kamera. Das hat Gisèle Freund so auf den Punkt gebracht. Ich will damit sagen, die Technik kommt für mich an zweiter Stelle, wichtig ist das Zusammenspiel zwischen Fotograf und Kunde.

fotosinn: Wie geht es weiter? Wird es auch künftig freie Projekte von Dir geben, die einer Konzeptidee folgen?

Regine: Ja, sicherlich. Aber es ist noch zu früh, darüber zu berichten.

fotosinn: Wir dürfen gespannt sein. Vielen Dank für das Gespräch.

 

Bis zum 12. April sind die Portraits im Weinbistro La Marmite, Schützenstraße 3, 12165 Berlin zu sehen. Die Website von Regine Peter zeigt weitere Beispiele aus ihrem fotografischen Portfolio und aus der Serie Handwerkerinnen.

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