von Ulrich Metzmacher

Bildmanipulation und künstliche Intelligenz

Kürzlich ließen zwei Pressemeldungen aufhorchen, die sich auf unterschiedliche Weise mit der Authentizität von Bildern befassten. Da gab es zum einen den Manipulationsverdacht hinsichtlich eines im Netz kursierenden Videos, dessen ursprüngliche Version anlässlich einer Pressekonferenz des amerikanischen Präsidenten entstand, und zum anderen wurde bei Christie´s ein Bild versteigert, das auf den ersten Blick Ergebnis künstlicher Intelligenz zu sein scheint.

Weiterlesen …

von Ulrich Metzmacher

Das sich selbst genügende Bild

Vor hundert Jahren formulierte Georg Simmel mit kantianisch anmutenden Überlegungen die Basis für ein konstruktivistisches Kunstverständnis. Die Fotografie blieb dabei jedoch außerhalb seines Betrachtungshorizonts. Ihre erschreckende Wahrheit, bei der das Bild aus dem Rahmen zu springen scheint, galt ihm als zu weit entfernt von jeder tieferen Erkenntnis. Die Ablehnung der Fotografie als Kunstform war letztlich eine unreflektierte Folge ihres technisch bedingten, pseudorealistischen Abbildungscharakters.

Weiterlesen …

von Ulrich Metzmacher

Georg Simmel und der Realismus in der Kunst

Die Frage, welche Beziehung ein Bild zur Realität aufweist, ist vielleicht so alt wie die Kunst. Platon hatte den Gedanken auf die Spitze getrieben, als er sogar die Realität selbst auf den Prüfstand stellte und den bildenden Künsten die Fähigkeit absprach, deren Wesen erkennen zu können. Über die Jahrhunderte nach Platon hat sich die Kunst dann jedoch weniger mit solchen grundsätzlichen Erkenntnisfragen befasst. Alltagspraktisch genügte es, das gemalte Bild als Ausdruck des Erlebten oder als Symbol von Hoffnungen und Ängsten zu betrachten.

Weiterlesen …

von Ulrich Metzmacher

Die Weisheiten des Fuchses

Anlässlich der jährlichen Verleihung des Kaiserrings darf sich die Stadt Goslar einer regelmäßigen medialen Aufmerksamkeit erfreuen. Alle bislang Ausgewählte haben in der zeitgenössischen Kunst Rang und Namen. Nachdem im vergangenen Jahr Isa Genzken den Preis erhalten hat, ist die Wahl der Goslarer Jury nun auf Wolfgang Tillmans gefallen, dessen Werkauswahl auf mehreren Etagen des kleinen Mönchehaus Museums gezeigt wird. Mit Matt Copson wurde darüber hinaus ein Stipendiat gekürt, dessen cartoonistisch anmutenden, dabei jedoch tiefgründige Videoarbeiten zwei weitere Räume füllen.

Weiterlesen …

von Ulrich Metzmacher

"Niagara" von Alec Soth

Inzwischen zählt Niagara zu den Klassikern zeitgenössischer Fotobücher und wurde gerade vom Verlag neu aufgelegt. Das British Journal of Photography nahm dies zum Anlass für den Abdruck eines Artikels aus dem Jahr 2006, als das Buch erstmals vorgestellt wurde. Ergänzt wird der Beitrag durch Fotografien aus Niagara. Alec Soth, Mitglied der Agentur Magnum, verbindet gekonnt Dokumentarisches und Erzählerisches zu einer Mischung, die nachhaltig in Erinnerung bleibt.

Weiterlesen …

von Ulrich Metzmacher

Ein Lehrstück

Als sich kürzlich bei einer Auktion von Sotheby´s ein Bild des Street-Art Künstlers Banksy kurz nach dem Zuschlag unerwartet in Bewegung setzte und mit Hilfe des im Rahmen eingebauten Shredders teilweise in Streifen auflöste, ging ein Raunen durchs Publikum und anschließend durch die mediale Kunstwelt. Da war von einem inszenierten Gag die Rede, und für manchen Kleingeist stellte sich die Frage, ob aufgrund des Zerstörerischen der Aktion nicht Betrug am Werke sei. Witzig war das Ganze schon, aber lächerlich machen sich am Ende nur diejenigen, die in einem ersten Reflex die Ernsthaftigkeit der Kunst in Gefahr wähnten.

Weiterlesen …

von Ulrich Metzmacher

Subversive Kunst in spießigen Zeiten

Wer in der nächsten Zeit Gelegenheit hat, das Museum der bildenden Künste in Leipzig zu besuchen, sollte sich nicht nur die Fotografien von August Sander ansehen, wie kürzlich an dieser Stelle empfohlen, sondern unbedingt auch einige der übrigen Ausstellungsabteilungen. Neben Arno Rink und Gil Schlesinger, die neben anderen einen besonderen Eindruck hinterlassen haben, wird anhand einer raumfüllenden Installation mit Werken Klaus Hähner-Springmühls gezeigt, wie sich im Schatten des repressiven und ultrakonservativen Kultursystems der DDR eine avantgardistische Alternative entwickelt hatte, die den Mächtigen im höchsten Maße suspekt war.

Weiterlesen …

von Ulrich Metzmacher

Bücher über Fotografie

Das Angebot an Literatur zur Theorie der Fotografie und ihrer künstlerischen Bedeutung hat in den vergangenen Jahrzehnten beständig zugenommen. Da den Überblick zu behalten, fällt schwer. Das Magazin LensCulture hat kürzlich eine Liste von sechs Büchern vorgestellt, die von zahlreichen Rezensenten immer wieder empfohlen worden sind. Auch wenn die Gültigkeit einer solchen Zusammenstellung nicht überbewertet werden sollte, da Buchempfehlungen immer etwas Subjektives anhaftet, erscheint die Auswahl nachvollziehbar.

Weiterlesen …

von Ulrich Metzmacher

Belanglosigkeiten im Zeitalter der Beliebigkeit

Hin und wieder meldet sich die nagende Frage, ob die Auflösung aller konventionellen Kunstdefinitionen neben Befreiendem im Geleitzug des Anything goes nicht auch eine Überschüttung mit Krempel jeglicher Art zur Folge hatte, dessen einzige Gemeinsamkeit in der wohlfeilen Selbsterklärung als Kunst besteht. Lassen wir jetzt einmal die gutgemeinten Volkshochschulmalkurse beiseite, drängt sich ein solcher Verdacht nicht zuletzt in der Fotografie auf. Schließlich kann jedermann und jedefrau mit einer Kamera oder dem Smartphone Bilder schaffen. Sind wir da nicht alle KünstlerInnen?

Weiterlesen …

von Ulrich Metzmacher

Rafal Milachs Dekonstruktion der Realität

Das Medium Fotobuch fordert die Aufmerksamkeit des Betrachters in besonderer Weise. Da werden Geschichten erzählt, die sich mitunter erst erschließen, wenn nach und nach die visuellen Botschaften erkennbar sind und deren Gesamtheit einen Sinn ergibt. Manchmal bietet ein begleitender Text hilfreiche Dienste, manchmal aber auch nicht. Dann wirken die Bilder eher subkutan, als dass sie sich unmittelbar kognitiv ordnen lassen.

Weiterlesen …