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Ein älterer, weißhaariger Mann auf der Berliner Mauer. Vorsichtig, Schritt für Schritt, tastet er sich voran. Es ist im August 1986, als der 68jährige kanadische Friedensaktivist John Runnings anlässlich des 25. Jahres des Mauerbaus am Potsdamer Platz auf das nahezu vier Meter hohe Ungetüm steigt und auf ihm mehrere hundert Meter auf den Übergang Checkpoint Charlie zusteuert. Für die einen war es eine mutige Aktion, für andere eine Provokation. Für manche auch nur ein interessantes Sommerereignis.

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Bei den allermeisten Fotografien handelt es sich, strenggenommen, um Aufnahmen, die sich identisch nicht wiederholen lassen. Lediglich bei der Abbildung statischer Objekte, insbesondere im Studio, sieht dies ein wenig anders aus. Ansonsten laufen während einer Aufnahme mal Menschen durchs Bild, mal flattert eine Taube am Himmel oder versetzt ein Windhauch die Baumkronen in sanfte Schwingungen. Hundertprozentig kontrollierbar ist das alles nicht. Stets spielt der Zufall mit.

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Das fotografische Fixieren einer zufälligen Kombination von Zeichen erzeugt ein Bild eigener Ordnung. Unzusammenhängendes geht Beziehungen ein. Texte, Symbole, Muster verbinden sich in der Fläche zu einer Realität eigener Art. Bei der Serie wird dieser Effekt noch verstärkt. Das Mauerwerk der Stadtbahn offenbart eine Pluralität von Welten und zeigt das Ungleichzeitige im Gleichzeitigen.

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Im Westen nimmt der Kurfürstendamm seinen Anfang am Rathenauplatz in Halensee. Auf dessen Mittelinsel befindet sich seit 1987 die Skulptur Zwei Beton Cadillacs in Form der nackten Maja von Wolf Vostell. Sie wurde anlässlich der 750-Jahr-Feier Berlins installiert und führte damals zu erregten Debatten. Schließlich ging es bei dem Werk um die Infragestellung des Autos als Goldenem Kalb. Heute regt sich kaum noch jemand über die Skulptur auf. Die kritische Sicht auf die Zukunft des Verkehrs wird von vielen geteilt.

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In Zehlendorf trennt sich die Trasse der ehemaligen Stammbahn, der ersten preußischen Eisenbahnlinie zwischen Berlin und Potsdam, von der bis dahin parallel verlaufenden Wannseebahn und führt auf einem direkten Weg zum Ziel. Anders die Wannseebahn, die auf Betreiben wohlhabender Kreise 1874 zusätzlich in Betrieb genommen wurde, um in einem weiten Bogen die neuen Villengegenden am Schlachtensee, in Nikolassee und in Wannsee zu erschließen.

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Anlässlich des 40jährigen Bestehens hat der Verlag TASCHEN als Jubiläumsedition eine Reihe seiner erfolgreichsten Kunstbücher für attraktive zwanzig Euro neu aufgelegt. Für Fotografieinteressierte sei insbesondere auf On Fashion Photography von Peter Lindbergh hingewiesen und Four Books von Wolfgang Tillmans. Letzteres ist, genau genommen, sogar eine Neupublikation, denn Tillmans hat hier vier seiner früheren Bücher um einige Fotografien ergänzt und das Ganze in einem Band zusammengefasst.

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Im Januar hieß es, der Lockdown solle bis Mitte Februar andauern. Daraus wurde nichts. Die meisten Geschäfte und alle Restaurants sind weiterhin geschlossen. Dafür kam der Schnee und legte sich für mehrere Tage über die Stadt. Die Leere des Kurfürstendamms wirkte in ihrer weißen Harmlosigkeit nun noch intensiver. Nach wenigen Tagen jedoch kehrte das triste Grau der Realität zurück, auch wenn die letzte Woche des Monats viele sonnige Momente und Wärme brachte.

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Eine der ersten Eisenbahnlinien des 19. Jahrhunderts verknüpfte Berlin mit Potsdam. Noch immer wird die Strecke Stammbahn genannt. Teile der stillgelegten Trasse verlaufen parallel zur S-Bahn oder sind an anderer Stelle als früherer Schienenweg zumindest erkennbar. Teilweise führt dieser durch unwegsames Waldgebiet. Die Gleise sind dort demontiert und die Strecke ist lediglich aufgrund verstreut liegender Schottersteine zu erahnen.

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Die Stadtplanung der sechziger und siebziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts hat zahlreiche Monstrositäten hervorgebracht, etwa die Brücke über dem Breitenbachplatz. Mit der Zielsetzung einer autogerechten Stadt zerstörte man Vorhandenes und schuf eine brutale Verkehrsführung. Im Übrigen wurde in jener Zeit in West-Berlin mehr städtebauliche Substanz vernichtet als durch den Zweiten Weltkrieg. Alexander Mitscherlich sah sich schon 1965 veranlasst, von der Unwirtlichkeit unserer Städte zu sprechen.

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Ein Schatten verweist, ohne selbst von materieller Substanz zu sein, auf etwas, das ist. Er ist somit stets ein fluider Hinweis auf die Existenz von Objekten, kulturunabhängig und frei von Sinnfragen. Man muss einen Schatten nicht verstehen. Man muss nicht einmal deuten können, von was er ein Schatten ist. Und dennoch, nahezu jeder erwachsene und verständnisklare Mensch wird einen Schatten als Schatten wahrnehmen.