Ein Lehrstück

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Als sich kürzlich bei einer Auktion von Sotheby´s ein Bild des Street-Art Künstlers Banksy kurz nach dem Zuschlag unerwartet in Bewegung setzte und mit Hilfe des im Rahmen eingebauten Shredders teilweise in Streifen auflöste, ging ein Raunen durchs Publikum und anschließend durch die mediale Kunstwelt. Da war von einem inszenierten Gag die Rede, und für manchen Kleingeist stellte sich die Frage, ob aufgrund des Zerstörerischen der Aktion nicht Betrug am Werke sei. Witzig war das Ganze schon, aber lächerlich machen sich am Ende nur diejenigen, die in einem ersten Reflex die Ernsthaftigkeit der Kunst in Gefahr wähnten.

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Subversive Kunst in spießigen Zeiten

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Wer in der nächsten Zeit Gelegenheit hat, das Museum der bildenden Künste in Leipzig zu besuchen, sollte sich nicht nur die Fotografien von August Sander ansehen, wie kürzlich an dieser Stelle empfohlen, sondern unbedingt auch einige der übrigen Ausstellungsabteilungen. Neben Arno Rink und Gil Schlesinger, die neben anderen einen besonderen Eindruck hinterlassen haben, wird anhand einer raumfüllenden Installation mit Werken Klaus Hähner-Springmühls gezeigt, wie sich im Schatten des repressiven und ultrakonservativen Kultursystems der DDR eine avantgardistische Alternative entwickelt hatte, die den Mächtigen im höchsten Maße suspekt war.

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Bücher über Fotografie

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Das Angebot an Literatur zur Theorie der Fotografie und ihrer künstlerischen Bedeutung hat in den vergangenen Jahrzehnten beständig zugenommen. Da den Überblick zu behalten, fällt schwer. Das Magazin LensCulture hat kürzlich eine Liste von sechs Büchern vorgestellt, die von zahlreichen Rezensenten immer wieder empfohlen worden sind. Auch wenn die Gültigkeit einer solchen Zusammenstellung nicht überbewertet werden sollte, da Buchempfehlungen immer etwas Subjektives anhaftet, erscheint die Auswahl nachvollziehbar.

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Belanglosigkeiten im Zeitalter der Beliebigkeit

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Hin und wieder meldet sich die nagende Frage, ob die Auflösung aller konventionellen Kunstdefinitionen neben Befreiendem im Geleitzug des Anything goes nicht auch eine Überschüttung mit Krempel jeglicher Art zur Folge hatte, dessen einzige Gemeinsamkeit in der wohlfeilen Selbsterklärung als Kunst besteht. Lassen wir jetzt einmal die gutgemeinten Volkshochschulmalkurse beiseite, drängt sich ein solcher Verdacht nicht zuletzt in der Fotografie auf. Schließlich kann jedermann und jedefrau mit einer Kamera oder dem Smartphone Bilder schaffen. Sind wir da nicht alle KünstlerInnen?

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Rafal Milachs Dekonstruktion der Realität

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Das Medium Fotobuch fordert die Aufmerksamkeit des Betrachters in besonderer Weise. Da werden Geschichten erzählt, die sich mitunter erst erschließen, wenn nach und nach die visuellen Botschaften erkennbar sind und deren Gesamtheit einen Sinn ergibt. Manchmal bietet ein begleitender Text hilfreiche Dienste, manchmal aber auch nicht. Dann wirken die Bilder eher subkutan, als dass sie sich unmittelbar kognitiv ordnen lassen.

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Die Portraitreihe als Bild der Gesellschaft

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In der Geschichte des fotografischen Portraits nimmt das Werk August Sanders eine besondere Stellung ein. Häufig der Neuen Sachlichkeit zugeordnet, bildet es mehr noch eine eigenständige Kategorie zwischen dem konventionellen Portraitbild der Jahrhundertwende und der Formensprache der Moderne. Sein um 1925 entworfenes Konzept für die Bildersammlung Menschen des Zwanzigsten Jahrhunderts erinnert in mancherlei Hinsicht an die Ästhetik der Rollendarstellungen aus wilhelminischer Zeit, geht aber weit darüber hinaus.

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Vom Repräsentations-Bild zur Innerlichkeit

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Das fotografische Portrait unterlag im letzten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts einem paradigmatischen Wandlungsprozess. Vorreiter waren dabei nicht die etablierten Atelierfotografen mit den klassischen Requisiten zur Inszenierung bürgerlicher Repräsentationsbilder, sondern die sich langsam entwickelnde Schar der Kunstfotografen, die den zeittypisch gestelzten Arrangements mit gemalten Hintergründen, Säulen und Palmen einen individuellen Blick jenseits der auf Wirkung bedachten Rollendarstellungen entgegensetzten.

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Hyperions Jugend

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Kürzlich lief ich noch einmal mit der Kamera die alte Strecke von der Tür des elterlichen Wohnhauses bis zur Grundschule entlang. An einem regnerischen Tag entstanden dabei mit dem abwärts gerichteten Blick auf Straßen und Wege eine Reihe schwarzweißer Fotografien. In den gleichen Wochen las ich, eher zufällig, einiges von Hölderlin. Da verknüpften sich eigene Erinnerungen mit Texten aus viel älterer Zeit.

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Grenzen des fotografischen Portraits?

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Die Darstellung des Menschen gehört seit jeher zu den schwierigsten Disziplinen der bildenden Künste und somit auch der Fotografie. Ein sensibler Umgang mit den Erwartungen des zu Portraitierenden ist die eine Seite der Herausforderung, der gekonnte und möglichst unspektakuläre Umgang mit der Technik die andere. Im Vordergrund steht jedoch das Verständnis dafür, was beim Akt des Fotografierens eigentlich geschieht. Da wird im Bruchteil einer Sekunde eingefangen, was fortan etwas Wahrhaftiges über den abgebildeten Menschen aussagen soll.

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Forderungen an das Portrait

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Im Oktober des Jahres 1918 erschien in der Zeitschrift Die neue Rundschau der Beitrag Das Problem des Portraits des Soziologen Georg Simmel. Gemeint waren die Herausforderungen speziell an die Malerei. Mit der Fotografie befasste sich Simmel hingegen nur beiläufig, weil er in ihr offenbar keine bildnerische Ausdrucksform sah, die es mit den etablierten Künsten aufnehmen konnte.

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