Visuelle Trends 2018

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Kürzlich wurde von der Bildagentur Getty Images der aktuelle Trend Report für 2018 vorgestellt. Wie auch in den vergangenen Jahren stellt er die von einer Expertengruppe identifizierten charakteristischen Merkmale der für die nächste Zeit erwarteten Bildsprache in Marketing und Alltagskultur vor. Im Blogbeitrag vom 30. Januar wurden die fünf von Getty Images für das vergangene Jahr beschriebenen Trends noch einmal zusammengefasst. Für 2018 konzentriert sich der Report auf drei Aussagen.

Hinsichtlich der Bildanmutungen wird eine Second Renaissance erwartet. Die professionelle Fotografie wird sich auf Anregungen aus der klassischen Kunstgeschichte besinnen. Ikonische Gemälde werden als Vorbild für die fotografische Bildgestaltung genommen, wobei in Abgrenzung zum flott Dahingeworfenen das gekonnt Handwerkliche bewusst gezeigt wird. Das Bemühen um die Ernsthaftigkeit eines Bildes nimmt wieder zu. Die kulturellen Besonderheiten einzelner gesellschaftlicher Gruppen erhalten stärkere Beachtung. Bekannte Stereotype werden dabei gezielt aufgenommen, jedoch von jeglichem Vorurteilshaften befreit und positiv in neuer Form erzählt. Damit wird der kulturellen Diversität moderner Gesellschaften und der ethnischen Heterogenität der Konsumenten Rechnung getragen.

Der zweite Trend ist mit Conceptual Realism überschrieben. Authentizität und Glaubwürdigkeit eines Bildes erhalten in Zeiten zunehmender medialer Manipulationsmöglichkeiten eine besondere Bedeutung. Der Realismusbegriff ist heute ein anderer als noch vor wenigen Jahrzehnten. Der Einsatz digitaler Bildgestaltungsinstrumente, mit deren Hilfe technisch geschaffene Realitäten entstehen, ist weitgehend bekannt und wird akzeptiert. Gleichwohl wird von dem dahinterstehenden Konzept eine realistische Glaubwürdigkeit erwartet. Auf diese Weise werden auch unmögliche Wahrheiten, also Bilder mit unrealistischen Darstellungen, vermittelbar. Die Wahrhaftigkeit des Konzeptes ist wichtiger als die konkrete Wahrheit des Gezeigten. Der realistische Stil ist entscheidend.

Dem dritten Trend schließlich wurde der Name Masculinity Undone gegeben. Hatte sich der Getty Trend Report im vergangenen Jahr mit Veränderungen des weiblichen Rollenbildes befasst, ist nun das männliche Pendant an der Reihe. Die klassische Maskulinität hat im Selbstbild vieler Männer erheblich an Akzeptanz verloren, ohne dass für sie überzeugende neue Rollenmuster immer deutlich erkennbar sind. Die professionelle Bildsprache nimmt diese Verunsicherung auf, indem sie eine komplexe Männlichkeit darzustellen versucht, die sich allen Eindimensionalitäten entzieht. Misogynie und Homophobie mögen zwar weiterhin als ängstliche Abwehrreaktionen verunsicherter Männer vorhanden sein, in der öffentlichen Bildsprache und der Pop-Kultur nehmen entsprechende Darstellungen, folgt man dem Trend Report, jedoch ab. Ebenso werden veraltete stereotype Rollendarstellungen von Frauen wie von Männern in der Werbung tendenziell seltener verwendet.

Eine Zusammenfassung des Trend Reports von Getty Images mit Bildbeispielen kann hier nachgelesen werden.

Die Bildagentur Shutterstock hat kürzlich ebenfalls einen Creative Trends Report 2018 veröffentlicht. Auch hier geht es um Schwerpunkte in der professionellen Bildsprache, die auf unterschwellig vorhandene Erwartungshaltungen des Konsumentenpublikums reagiert. Fantasy, New Minimalism und Space bilden nach der Analyse von Shutterstock als gedankliche Konstrukte den Rahmen für die prägenden Haupttrends dieses Jahres. Seltsame Wesen und magische Landschaften stellen einen Kontrast zur Wirklichkeit des Alltags dar. Klare Linien, leichte Farben und fließende Formen prägen das Design. Der Weltraum wird zum Symbol für Innovation und Technologie. Neben den drei Haupttrends nennt Shutterstock eine Reihe von Nebenmerkmalen der künftigen Bildsprache. Natürliche Luxusmaterialien wie etwa Marmor erinnern an die lange Geschichte der Erde und inspirieren mit ihrer Struktur zu entsprechenden Oberflächengestaltungen. Die Verwendung von Pasteltönen nimmt zu. Medienkampagnen arbeiten mit starken weiblichen Rollenbildern. Der Kaktus wird Symbol für die Affinität zur Einsamkeit der Wüste und für New Age Tendenzen. Alte Designs kehren in digital adaptierter Form wieder, ebenso spirituelle und mathematische Geometrien. Schließlich wird das zunehmende Interesse für Kryptowährungen als Symbol der digitalen Wirtschaft dazu führen, dass hierzu passende Elemente Bestandteile von Bildkampagnen werden. Eine Zusammenfassung der Haupttrends und der Nebenentwicklungen, ebenfalls mit Bildbeispielen, ist hier zu finden.

Beide Trendprognosen, sowohl die von Getty Images wie die von Shutterstock, dürfen nicht als Zukunftsvoraussagen verstanden werden, die einer strengen, gar wissenschaftlichen Methodik folgen. Aber das schmälert in keiner Weise ihre Bedeutung. Vielmehr geht es um die Zusammenführung subjektiver Wahrnehmungen von Art Direktoren und anderen Professionellen, die sich mit der Frage befasst haben, wie die typische marketing- und alltagsorientierte Bildkultur der näheren Zukunft aussehen wird. Hinzu kamen die Nutzungsanalysen der jeweiligen Bilddatenbanken. Und so stellen die Ergebnisse beider Trends auch trotz der teils unterschiedlichen Inhalte keinen Widerspruch dar, sondern bilden additiv zu verstehende Elemente einer differenzierten Entwicklung. Das auf diese Weise entstehende Gesamtbild überrascht nicht. Die Wahrhaftigkeit einer Bildkampagne, gepaart mit einer als solche erkennbaren Phantasie, stellt eine positive Basis dar. Nüchterner Realismus und grenzenlose Träumerei sind nun einmal gleichberechtigte Partner eines reichen Lebens. Die Werbeprofis haben das erkannt. Aber auch für die ambitionierte nichtprofessionelle Fotografie lässt sich daraus vielleicht ja etwas lernen.

 

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