Versuch einer Annäherung

von Ulrich Metzmacher

Da mit dem Flughafen Tegel nun auch der letzte innerstädtische Airport Berlins geschlossen ist, bietet sich ein Blick auf den neuen BER an. Zu berichten ist im Ergebnis jedoch von einem fotografischen Scheitern. Einige Aufnahmen machen deutlich, dass es nicht zu einer wirklichen Empathie reichte. Der Bericht über die Erkundung an einem trüben Novembertag will keine fundierte Architekturkritik sein und muss subjektiv bleiben. Begeisterung will sich aber nun einmal nicht spontan einstellen.

Der funktionelle Charakter des Bauwerkes ist zu akzeptieren. Es handelt sich schließlich um eine Maschine zum Transport von Menschen. Und auch seine Einordnung im internationalen Vergleich hat zu einem durchaus passablen Ergebnis geführt. So wird er mal als angenehm unaufdringlich bezeichnet, wie ein Wohnzimmer am Stadtrand eben, andere wollen architektonische Anklänge an die Neue Nationalgalerie oder an Potsdamer Säulengänge wahrgenommen haben und erinnern an die Zielvorgabe von Klaus Wowereit, einstmals Regierender Bürgermeister von Berlin, es solle kein Marmorpalast, aber auch keine Wellblechhütte entstehen. Die FAZ sprach von einer perfekt konzipierten Maschine, und im Magazin BauNetz wird der Architekt Meinhard von Gerkan mit den Worten zitiert, dass es bei einem Flughafen ums Konzeptionelle und Robuste und weniger ums Formale gehe. Dem ist zuzustimmen, wenngleich hinzugefügt werden soll, dass jede Architektur auch Zeitgeisthaftes verkörpert. Die Vergleiche mit den ehemaligen Flughäfen Tegel, Blogbeitrag vom 8. November, und Tempelhof, Blogbeitrag vom 15. November, deuten dies an.

Die genannten Berichte anlässlich der Eröffnung des BER sind meist mit Fotografien versehen, die ein klassisch dokumentierendes Bild zeichnen. Diesen werden nachfolgend einige subjektive Impressionen gegenübergestellt.

Man muss nicht unbedingt den Vergleich zu einem verglasten Möbelhaus ziehen. Gleichwohl, die Dominanz des rechten Winkels vermittelt beim BER durch seine ständige Wiederholung kaum visuelle Spannungen. Einfach ummantelte Stahlbetonträger, wohin das Auge blickt. Da wirken die Holzverblendungen des Interieurs der Haupthalle fast schon wie eine charmante Reminiszenz an die Zeit vor der Jahrtausendwende, als der BER geplant wurde. Aber nun ist das Ganze irgendwie ein wenig aus der Zeit gefallen. Wer würde ein Auto heutzutage noch mit dem Innendesign Holzdekor bestellen? Aber am Ende gefällt vielleicht genau dies. Wir werden den ersten Eindruck weiteren Prüfungen unterziehen, insbesondere wenn keine coronabedingte Leere herrscht.

 

Zurück