Raum und Fläche als Mittel der Gestaltung

von Ulrich Metzmacher

Beim Fotografieren wird der Raum in eine Fläche umgewandelt. Die dreidimensionale Wirklichkeit schrumpft zu einem Bild mit nur noch zwei Dimensionen. Auf den ersten Blick erscheint das unproblematisch, und für das Alltagsverständnis reicht eine solche Beschreibung auch vollkommen aus. Dort befindet sich die Wirklichkeit und hier ist ihr Abbild. Bei genauerer Betrachtung wird jedoch deutlich, dass diese Selbstverständlichkeit auf einer Reihe von Voraussetzungen beruht, nicht zuletzt der Wahl des Objektivs.

Eine Fotografie verliert schnell ihren Charakter als vermeintlich passive Widerspiegelung von Realität und erweist sich stattdessen als Ergebnis eines aktiven Gestaltungsprozesses, bei dem sowohl der Fotograf wie auch die ihn prägende Kultur beteiligt sind. Hinzu kommt, dass ein Bildbetrachter über die Kompetenz verfügen muss, Fotografien überhaupt interpretieren zu können. Das ist nicht trivial. Hinter dem Erwerb dieser Fähigkeit verbirgt sich ein vorangegangener komplexer Prozess der kognitiven Entwicklung, bei dem Raumdeutung und Flächenwahrnehmung eine wichtige Rolle spielen.

Die Auffassung, gute Fotografien seien eher mit Festbrennweiten als mit Zoomobjektiven zu erzielen, wird nicht selten als elitärer Standpunkt betrachtet. Aber ist vielleicht ja doch etwas dran an der These? Und, wenn ja, durch welche Eigenschaften und Nebenwirkungen zeichnen sich beide Objektivtypen aus? Wie beeinflussen sie das Sehen und Gestalten? Auch subjektive Vorlieben spielen eine Rolle. Mal bevorzugen wir das Zoom, mal das klassische Objektiv mit fester Brennweite. Für die Wahl der richtigen Technik gibt es bei vielen Anwendungen keine festen Gesetze. Und dennoch weisen beide einige Unterschiede auf, die man kennen sollte. Sie haben erhebliche Auswirkungen auf die Art der Bildgestaltung zur Folge.

Der fotosinn-Essay Raum und Fläche iegt nun vollständig überarbeitet in der Version 2.0 vor.

Auch der fotosinn-Essay Objektiv. Eigenschaften und Nebenwirkungen wurde überarbeitet und liegt als Version 2.0 vor. Er weist einige Anknüpfungspunkte zum Thema Raum und Fläche auf. Insbesondere geht es um die Auswirkungen, die sich bei der Verwendung eines Zoomobjektivs bzw. einer Festbrennweite ergeben. Daneben geht es um grundsätzliche Unterschiede zwischen Weitwinkel- und Teleobjektiven für die Bildgestaltung.

Beide Essays sind auch als PDF abrufbar.

 

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