Minimalismus, Konzeptkunst und Fotografie

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Im Hamburger Bahnhof in Berlin werden gegenwärtig Werke der Konzeptkünstlerin Hanne Darboven gezeigt. Konzept bedeutete für Darboven insbesondere ein stringent durchgehaltenes Muster von grafisch umgesetzten Zahlensystemen, das für Zyklisches und gleichsam Vergängliches steht. Akribisch werden die Ereignisse einer bestimmten Zeitspanne numerologisch reduziert und mitunter durch Fotografien, etwa in Form von Postkarten, ergänzt.

Die Hamburgerin Hanne Darboven ging in den sechziger Jahren nach New York und fand im Minimalismus und der Konzeptkunst Carl Andres oder Sol LeWitts Parallelen zu ihren konstruktivistischen Zahlenzeichnungen, die auf der Idee der Serie basierten und die sie über die Jahrzehnte konsequent entwickelte. Die sich wiederholenden und doch im Detail variierenden Zahlenreihen wurden später ergänzt durch Textliches und Bildhaftes, aber auch dies stets in Form einheitlicher serieller Strukturen. Insgesamt haben die Werke einen starken Wiedererkennungscharakter, der ihnen eine einzigartige Stellung in der Konzeptkunst gibt.

Hanne Darboven pflegte eine ausgedehnte Korrespondenz, nicht zuletzt mit Künstlern, die, wie sie selbst, dem Seriellen, Minimalistischen oder Konzeptuellen nahestanden. Es ist deshalb von den Ausstellungsmachern im Hamburger Bahnhof klug angelegt, die Werke Darbovens durch einige entsprechende Arbeiten anderer Künstler zu ergänzen. Da passen Carl Andres Bodenplatten genauso zu Hanne Darboven wie die Fotomontage A Last Drink von Gilbert & George, auch wenn diese Arbeit weniger streng seriell erscheint als viele andere Werke der beiden Londoner.

Die Fotografie spielt jedoch nicht nur bei Gilbert & George als Basismaterial für Verfremdungen eine wichtige Rolle, sondern sie ist auch bei anderen Künstlern auffallend häufig Bestandteil konzeptueller Werke. So verwundert es nicht, dass man beim Rundgang im Hamburger Bahnhof auf weiteres Fotografische stößt. Zunächst ist da eine Collage von Jan Dibbets und dann, man konnte es nun schon erwarten, eine größere Zusammenstellung seriell angeordneter Fotografien von Bauten aus dem rheinischen Industriegebiet. Als Künstler kommen da natürlich nur Bernd und Hilla Becher in Betracht. Nahezu alle ihre Fotografien folgen einem seriell aufgebauten, konsistenten Konzept. Sie in einer Ausstellung mit den Werken Hanne Darbovens zusammenzuführen, macht Sinn und fördert das Verstehen beider.

Und hier noch ein Tip: In der Daimler Art Collection am Potsdamer Platz in Berlin läuft bis zum 5. November die Ausstellung Serielle Formationen. 1967/2017. Sie zeigt in einer hervorragenden Zusammenstellung, welche Gestalt Serielles in der Kunst annehmen kann, und versetzt uns zurück in das minimalistische und konzeptuelle Denken der Sechziger Jahre. Hanne Darboven ist natürlich auch vertreten. Die Ausstellung Hanne Darboven. Korrespondenzen ist im Übrigen noch bis zum 27. August im Hamburger Bahnhof in Berlin zu sehen.

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