Die sieben Todsünden (4)

von Ulrich Metzmacher

Am Anfang ein leichtes Zerren, ganz tief, oder eher ein Grollen. Vielleicht ja nur Einbildung. War da wirklich etwas? Dann noch einmal. Nervenzucken? Nein, nein, da ist Tektonik im Spiel. Da wurde etwas verklemmt, verletzt. Hitzeanstieg, der Druck erhöht sich. Sodbrennen im Peridotit. Ignorieren? Einfach abwarten. Oder Gegenmittel einsetzen? Tief durchatmen, Blödsinn, das bringt nichts! Luft gegen Magma, keine Chance. Dafür ist es zu spät. Da will etwas aufbrechen, Vergeltung suchen. Nicht aufzuhalten. Erste Risse.

Ira #1

Es lässt sich nämlich beobachten, dass der Zorn im gewissen Grad auf die Stimme sachlicher Reflexion hinhört, aber sie nicht richtig hört. Es ist wie bei den voreiligen Dienern: Noch ehe sie alles gehört haben, was man ihnen sagt, rennen sie davon und bringen dann den Auftrag durcheinander.

(Aristoteles)

Wer hart gegen sich ist, der erkauft sich das Recht, hart auch gegen andere zu sein, und rächt sich für den Schmerz, dessen Regungen er nicht zeigen durfte.

(Theodor W. Adorno)

 

 

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