Die Sache mit der Kunst

von

Gute Fotografie ist zu 95 Prozent das Ergebnis gelernten Handwerks. Gleichwohl wird den genialen Restprozenten oftmals eine größere Bedeutung beigemessen. Im Übrigen gilt dies für jede Kunst. Aber so sind wir nun einmal konditioniert: Ein Künstler oder eine Künstlerin gilt vor allem dann als meisterhaft, wenn er oder sie den Eindruck erweckt, Transzendentes hinter den Erscheinungen erfasst und es im Werk zum Ausdruck gebracht zu haben.

Trotz aller skeptischen Erkenntnistheorien von Platon und Kant bis zur Postmoderne suchen wir gerne nach dem Eigentlichen hinter den Dingen, wohl wissend, dass dies im Sinne letzter Wahrheiten nicht zu haben ist. Selbst die Wissenschaft hat in der Regel keine ewig geltenden Antworten im Portfolio, sondern lediglich Hypothesen und Theorien auf der Grundlage zeitabhängiger Paradigmen. Und auch die Religion bietet in säkularen Zeiten keine allgemein akzeptierten Antworten auf die existenziellen Fragen des Seins. Dem aufgeklärten Menschen bleibt als Quelle der Wahrheit offenbar nur die Kunst. Soweit das gerne gepflegte Bild, das nicht zuletzt von Kunstschaffenden selbst übernommen wird.

Der voranstehende Text ist dem Dritten Kapitel der Gedanken zum fotografischen Bild entnommen.

 

Zurück