Das Bauhaus und die Fotografie Moholy-Nagys

von Ulrich Metzmacher

Das hundertjährige Jubiläum der Bauhausgründung lässt gegenwärtig kaum ein Feuilleton unkommentiert an sich vorüberziehen. Und das mit guten Gründen, hat sich doch die damals entworfene Designsprache als nachhaltig und bis heute attraktiv erwiesen. Klare Formen dominieren über ornamental Verspieltes oder nur auf Wirkung Bedachtes. Dies gilt nicht nur für Teekannen, Sitzmöbel und Leuchtkörper, sondern auch für die Fotografie.

Der Bauhauslehrer László Moholy-Nagy hat dazu beigetragen, den traditionellen Rahmen der fotografischen Möglichkeiten gründlich zu erweitern. Die klassische Vergrößerung auf Barytpapier ist seitdem lediglich eine unter vielen Ausdrucksformen der Lichtkunst. Heute stehen alle Techniken und Dimensionen offen, und die Fläche des Bildes stellt keine Begrenzung mehr dar. In Zeiten der Multimediakunst haben sich im Übrigen die Formen vermischt und es macht keinen Sinn, allein die Verwendung einer Kamera als Kriterium für das künstlerische Genre Fotografie anzusetzen. Moholy-Nagy ist in vielerlei Hinsicht Pate eines Cross-over-Verständnisses der Gattungen.

Ordnet man sein Werk in inhaltlich zusammengehörende Abschnitte, sind für das fotografische Paradigma drei Komplexe von Bedeutung: Erstens die Gedanken zur Theorie der Fotografie, zweitens die Gestaltungsgrundlagen der Fotogramme und drittens die Arbeiten mit Licht, ob nun in Form kinetischer Skulpturen oder als Multimediawerke. Manches von dem ähnelt auf frappierende Weise den Themen heutiger Kunstdiskurse im postmodernen Zeitalter des Anything goes, aber auch schon Moholy-Nagy war souverän genug, keine künstlerischen Wege von vorneherein auszuschließen. Nur produktiv sollten sie sein und den Betrachter zur Auseinandersetzung auffordern, statt ihn zu langweilen.

Der fotosinn-Essay László Moholy-Nagy und die neue Fotografie, der nun in einer sprachlich sowie inhaltlich überarbeiteten Version 2.0 vorliegt und auch als PDF abgerufen werden kann, beschreibt die Dinge näher.

Unbedingt zu empfehlen ist im Übrigen ein Besuch des neuen Bauhaus Museums Dessau, über das in der Presse ausführlich berichtet worden ist. Der Tagesspiegel sprach von einem „Labor der Moderne“, und ein Artikel in der ZEIT befasste sich neben dem Ausstellungskonzept auch mit der Architektur des vom Büro Addenda Architects in Barcelona entworfenen Gebäudes. Die Jubiläumsausstellung Original Bauhaus in der Berlinischen Galerie sollte man sich ebenfalls nicht entgehen lassen. In beiden Ausstellungen wird auf die Fotografie Moholy-Nagys Bezug genommen.

 

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